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MARKT-AUSBLICK/Risiken voraus mit Europawahl, US-Notenbank und KI-Hype

DJ MARKT-AUSBLICK/Risiken voraus mit Europawahl, US-Notenbank und KI-Hype

FRANKFURT (Dow Jones)--Auf eine spannende Börsenwoche können sich Anleger in der kommenden Woche einstellen. Mit der anstehenden Sitzung der US-Notenbank könnten die Weichen für den ganzen Sommer gestellt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Anlegern schließlich gezeigt, dass der Blick auf Zinsen und Inflation doch nicht so "simpel" ist wie erhofft. Auch nach der Fed-Sitzung könnte es daher zu größerem Diskussionsbedarf kommen, der die Fortsetzung der Hausse weniger selbstverständlich macht als gedacht.

Europawahl als Risiko 

Dazu kommt auch noch das politische Risiko der Europawahl. Sollten sich die Wahlstimmen im Rahmen der bisherigen Prognosen bewegen, könnte sie bereits am Montag vergessen sein. Politische Ereignisse interessieren die Börsen nur selten. Zu einer Neueinschätzung des europäischen Aktienmarktes könnte es jedoch bei einem Erdrutschsieg rechter Parteien bei gleichzeitigem Zusammenbruch des links-grünen Lagers kommen. Vor allem die Aktien aus dem Bereich Erneuerbarer Energien dürften darunter leiden. Das Überraschungspotenzial der Wahl sehen Demoskopen als hoch an, da viele Befragte in Umfragen nicht ihre endgültige Wahlentscheidung preisgeben würden.

EZB und US-Notenbank geben die Richtung vor 

Die US-Notenbank am Mittwochabend bestimmt die weitere Marschrichtung an den Börsen. Eine Zinssenkung wird zwar von dieser Sitzung nicht erwartet, jedoch wird ihre Inflationseinschätzung denen der EZB gegenübergestellt und vielleicht ein unklareres Bild der Zukunft zeigen als erwünscht.

So hatte die EZB zwar die Markterwartung mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte voll erfüllt, mit dem erhöhten Inflationsausblick überraschte sie jedoch. Künftige Zinssenkungen sind damit weit weniger "auf Autopilot" als erhofft. Die Strategen der Deutschen Bank sehen beispielsweise nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent für eine weitere Senkung im Juli. Im September sehen sie die Chance dafür bei 91 Prozent.

Von der Bank of America heißt es dazu, die EZB habe ein Minimum an Guidance für die nächste Zeit abgegeben, um sich damit ein Maximum an Handlungssoptionen freizuhalten.

Den Marktteilnehmern fehlt es damit an festem Boden unter den Füßen, auf den sie ihre Kalkulationen bauen können. Der Euro-Dollar-Kurs reagierte auf die EZB-Aussagen fast nicht. Dies könnte sich ändern, sobald nach der Fed-Sitzung beide Seiten der Gleichung bekannt sind, also die erwarteten Zinsdifferenzen zwischen USA und Eurozone. Eine schlagartige Neubewertung im Euro könnte sich dann auch schnell in Europas Aktien zeigen.

Halten die Aktienbewertungen das noch aus? 

Fraglich ist, ob die Märkte dann mit so etwas umgehen können. Denn die Zeichen für eine Übertreibung mehren sich. Die Aktienbewertungen sind hoch, und gleichzeitig vielleicht schon zuviele künftige Zinssenkungen eingepreist. Die erhöhte Inflationsprognose der EZB ist ein Warnsignal.

Die Strategen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sehen hier Enttäuschungspotenzial für die Börsen: Schließlich befänden sich die Aktienmärkte in der Hoffnung auf markante Zinssenkungen schon seit vielen Monaten auf der Überholspur. Die Aktienbewertungen seien dadurch insbesondere in den USA über das Ziel hinausgeschossen. "Würden die Anleger die Aktienrisiken derzeit nicht stark unter- sondern adäquat bewerten, müsste das KGV des S&P 500 um rund ein Drittel niedriger ausfallen als aktuell", warnen die LBBW-Strategen. Im Sommer drohe daher eine Konsolidierung.

KI-Hype trifft auf Leichtfertigkeit 

Unabhängig davon fragen sich auch die Cross-Asset-Strategen der Deutschen Bank, ob der Markt noch widerstandsfähig genug gegen schlechte Nachrichten wäre. Vor allem der Blick auf die Prämien am Optionsmarkt beunruhigt sie. Diese sogenannten Impliziten Volatilitäten spiegeln wider, für wie nötig Anleger Versicherungen gegen Kurseinbrüche halten. Je geringer die Prämien und damit die Absicherungsnachfrage, desto leichtfertiger ist der Markt. Und hier warnen die Deutsche-Bank-Strategen, dass diese Prämien nun auf den niedrigsten Stand seit 2017 gefallen sind. Angesichts der gleichzeitig steigenden Unsicherheiten nehmen sie daher ihre Gewinne an diesem Markt lieber mit.

Im besonders zinsempfindlichen Technologie-Sektor läuft es zwar fundamental rund, da hier wirklich massiv investiert wird. Die Frage ist allerdings, ob sich dies auch so endlos in die Zukunft fortsetzt, wie es die Aktienbewertungen suggerieren. Anekdotische Beobachtungen von Besuchern der großen Computermesse Computex in Taiwan, die dieses Wochenende endet, lassen Böses ahnen: Denn dort sei der KI-Hype schon soweit gelaufen, dass mittlerweile selbst Verbrauchsgegenstände wie Kabel und Netzteile mit Slogans a la "ready for KI" angepriesen werden. Wenn Modethemen so weit in den Alltag vorgedrungen sind, ist ihre Zeit auch zumeist abgelaufen.

EU schürt Chinas Wut auf Deutschland 

Ärger von ganz anderer Seite könnte kommende Woche zudem auf Europas Autoindustrie zukommen. Denn die EU dürfte dann wohl Zölle auf Elektrofahrzeuge aus China erheben. China hat bereits mit "Vergeltungsmaßnahmen" gedroht, was vor allem Deutschland treffen dürfte. Ein ausgewachsener Handelskrieg mit China würde längerfristig den Inflationsdruck merklich erhöhen, warnt Chef-Volkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank.

Die USA und China stehen dazu noch mit ihren aktuellen Verbraucherpreisen (CPI) im Fokus. Beide werden noch vor der Fed-Sitzung veröffentlicht. In Deutschland blickt man auf Konjunkturdaten wie den Sentix-Index als Vorläufer für den Ifo-Index. Dazu tagt auch die Notenbank in Japan.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/ros

(END) Dow Jones Newswires

June 07, 2024 06:45 ET (10:45 GMT)

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