Lange Zeit inszenierte sich die oberste Führungsriege als Kämpfer gegen die Korruption. Schon vor dem aktuellen Parteitag hat dieses Bild deutliche Risse bekommen. Ein Blick auf die peinlichen Skandale.
Am Ende wurde Yang Dacai seine Uhr zum Verhängnis. Zunächst geriet der hohe Funktionär aus der Provinz Shaanxi in die Kritik, weil er nach einem Busunglück, bei dem 36 Menschen starben, unsicher in die Kameras grinste. Doch erst als Internet-User bemerkten, dass Yang eine Montblanc-Uhr im Wert von 5500 Dollar trug, reagierte Peking. Nun laufen gegen ihn Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts.
Anderen Funktionären könnte es bald ähnlich gehen. Ein beliebter Zeitvertreib chinesischer Internet-Nutzer ist in diesen Tagen "Watch Watching": Wann immer ein Politiker im Fernsehen oder auf Pressebildern zu sehen ist, schenken sie dessen Uhr besondere Aufmerksamkeit. Ist es eine Rolex oder Patek Philippe, gilt der Politiker als korrupt – mit dem offiziellen Monatsgehalt von etwa 1500 Euro lassen sich Luxus-Chronographen kaum finanzieren.
Hinweise auf korrupte Provinzpolitiker kamen der Führung in Peking, nicht zimperlich beim Einsatz gegen Kritiker, bisher nicht ungelegen. "Korruption ist die größte Gefahr für die Herrschaft der Partei", dozierte der scheidende Premierminister Wen Jiabao noch vor wenigen Monaten. Das Bild, das die Partei ihren Bürgern vermitteln will: Es gibt Korruption in der Provinz, doch die Führung des Landes ist sauber und tut alles, um die Veruntreuung von Staatsgeldern einzudämmen.
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Doch die Strategie geht nun nicht mehr auf. Im März starb der Sohn eines engen Vertrauten von Präsident Hu Jintao bei einem Unfall – in einem Ferrari und in Gesellschaft zweier leicht bekleideter Damen. Kurz darauf brachte die Affäre um den Ex-Parteichef von Chongqing, Bo Xilai, das Machtgefüge der Partei ins Wanken. Mehrere 100 Millionen Euro ...
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