von Patrick Gunti
Moneycab: Weihnachten rückt näher und in den Regalen türmen sich die Schokoladenerzeugnisse. Was geht Ihnen bei diesem Anblick durch den Kopf?
C.I.: Zunächst einmal natürlich Erinnerungen an die eigene Kindheit. Wie wir zur Weihnachtszeit mit glänzenden Augen von den Schokoladenbergen im Geschäft standen.
E.G.: Heute sehen wir die Situation mit ganz anderen Augen. Natürlich nach wie vor als leidenschaftliche Schoggi-Fans, doch haben wir in den 10 Jahren unserer Tätigkeit in der Schokoladenindustrie auch die andere, weniger süsse Seite des Geschäfts kennengelernt. Wir wissen, was wirklich hinter der Produktion von Schokolade steckt und wie viel in der Industrie heute falsch läuft.
C.I.: Wir sehen auch, wie die meiste Schokolade auf dem Markt mit überflüssigen Ingredienzen wie Palmöl, Vanillin, Aromen und anderen Zusatzstoffen vermischt wird, was auch dazu führt, dass fast alle Schokoladen heute gleich schmecken. Für uns ist weniger mehr. Darum enthält unsere Grundschokolade nur Kakaobohnen, Kakaobutter und Rohrohrzucker. Sonst nichts. Mehr braucht sie auch nicht, denn so können die zahlreichen Aromen unserer Kakaos wirklich zur Geltung kommen.
Sie sind mit Choba Choba mit dem Ziel einer "Schokoladenrevolution" angetreten. Erklären Sie uns Ihre Beweggründe, weshalb braucht es diese Revolution?
E.G.: Drei multinationale Konzerne beherrschen heute 75% der milliardenschweren Kakao- und Schokoladenindustrie. Ihnen gegenüber stehen sechs Millionen Kakaobauern, welche zumeist in Armut leben und keine Stimme haben. Der Kakaopreis wird an den internationalen Rohstoffbörsen, fernab von der Realität der Kakaobauern, festgelegt, und stark von den Multinationalen beeinflusst. Die Kakaobauern haben kein Mitspracherecht, keine Verhandlungsmacht und werden auf ihre Rolle als Rohstofflieferanten reduziert und von der weiteren Wertschöpfung am Produkt ausgeschlossen. Dies alles führt dazu, dass die Kakaobauern von ihrem Anbau kaum noch leben können. Die junge Generation sieht darin keine Zukunft mehr und wendet sich zunehmend davon ab. Um die Lebensbedingungen der Kakaobauern nachhaltig zu verändern braucht es vollkommen neue Ansätze, die das bestehende System komplett umkrempeln.
Sie waren viele Jahre in der Schokoladenindustrie tätig und kamen weltweit in Kontakt mit den Kakaobauern. Wie gross ist deren Not in Folge der von Ihnen geschilderten "Machtverhältnisse"?
C.I.: 2006 habe ich in Westafrika gearbeitet. Dort wurde ich Zeuge, wie Kinder für 25 Euro als Kindersklaven an Kakaoplantagen verkauft wurden. Aus purer wirtschaftlicher Not, weil die Eltern nicht in der Lage sind, für das Kind zu sorgen. Die grosse Mehrheit der sechs Millionen Kleinbauern, die Kakao produzieren, lebt in Armut und muss mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag auskommen.
Gerade im Kakaomarkt tummeln sich zahlreich Fairtrade-Organisationen, die den Bauern zu besseren Bedingungen verhelfen wollen. Welchen Einfluss hat denn deren Wirken?
E.G.: Sie sind ein Anfang, aber sie haben zu wenig Auswirkung. Sie verhelfen den Bauern eventuell zu 10 Prozent mehr Einkommen, das ist aber immer noch viel zu wenig. Damit ein Kakaobauer aus der Armut findet, ...
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