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Geradezu halbiert, Aktie nahe dem Jahrestief und trotzdem loben Analysten reihenweise das Geschäft. Das alles wirkt irrational was bei SAP derzeit passiert. Vieles passt im Moment einfach nicht zusammen. Während die KI-Rally andere Tech-Werte beflügelt, wird der Walldorfer Softwarekonzern regelrecht abgestraft, manche würden sagen: zerstört. Dabei laufen die Geschäfte anscheinend gar nicht schlecht. Wächst hier gerade eine Chance heran, die der Markt aus purer KI-Nervosität, weil er alles abstraft was sich nach Software oder Beratung anhört, übersieht? Oder hat der Ausverkauf noch längst nicht sein Ende erreicht? Ein Blick auf Zahlen, Chart und Stimmung zeigt: Beides wäre tatsächlich möglich, aber was ist denn wirklich wahrscheinlich. Dazu sollte man auch seinen Verstand und die Logik des eigenen Denkens benutzen.
Unternehmenszahlen
Operativ steht SAP gar nicht schlecht da. Im ersten Quartal hat der Konzern die Erwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertroffen. Das Cloud-Geschäft legte um rund ein Fünftel zu, der Auftragsbestand in diesem Bereich wuchs ähnlich kräftig, und auch das Betriebsergebnis kletterte deutlich nach oben. Das hört sich an wie eine Erfolgsgeschichte, wäre da nicht der vorsichtigere Ton fürs zweite Quartal. SAP rechnet inzwischen nur noch mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau, trotz der Übernahme von Reltio. Diese gedämpfte Prognose kam ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Anleger sowieso schon nervös auf Softwarewerte blicken, weil sie eine Verdrängung durch KI-Tools fürchten. Aktuell befindet sich SAP zudem in der sogenannten Quiet Period, d. h. bis zur Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 23. Juli schweigt der Konzern offiziell zu Umsatz, Margen und Ausblick. Die nächsten Wochen könnten also vor allem von Spekulation statt von frischen Fakten geprägt sein.
Charttechnik
Wer auf den Chart schaut, sieht ein Bild zwischen Erschöpfung und zarter Hoffnung. Mehrere rote Tageskerzen in Folge drückten die Aktie zuletzt auf ein neues Jahrestief um die 132,10 Euro. Das ist schon ein kleiner Wirtschaftskrimi für sich, denn danach kam eine erste zarte Gegenbewegung, die Anleger etwas aufatmen und Hoffnung schöpfen ließ. Richtig überzeugend ist sie aber noch nicht. Wichtige Linien wie der 50er und der 200er SMA liegen deutlich über dem aktuellen Kurs. D. h. der Abwärtstrend ist mittel- und langfristig intakt. Ebenso bilden diese Linien neben den ganzen anderen horizontalen Widerstandslinien eine harte Wand nach oben. Erst ein nachhaltiger Sprung über diese Marken würde das Bild spürbar aufhellen. Nach unten bleibt die Zone um 129 bis 130 Euro bislang die letzte Bastion. Reißt sie, rückt schnell der Bereich um 115 bis 120 Euro in den Blick - und in einem extremen Szenario sind theoretisch sogar Kurse nahe der 100-Euro-Marke denkbar. Der RSI mit einem Wert von 31 signalisieren zumindest eine in kürze eintretende überverkaufte Lage, wenn er unter 30 fällt, aber ein verlässliches Kaufsignal ist das allein noch nicht.

Was tun?
Die Wahrheit liegt hier ziemlich genau zwischen den Extremen. Das Geschäft von SAP läuft noch solide, das Cloud-Wachstum bleibt intakt, und namhafte Häuser wie Berenberg oder UBS halten an ihren Kaufempfehlungen mit Kurszielen weit oberhalb von 200 Euro fest. Gleichzeitig hat der Markt momentan einfach keine Geduld mit klassischen Softwarewerten, solange die KI-Debatte die Stimmung dominiert. Es spricht einiges dafür, dass es erst noch etwas ungemütlicher werden könnte, bevor sich eine echte Wende einstellt. Daher wäre ein Rutsch Richtung 115 - 120 Euro wäre keine Überraschung. Ganz verschwinden oder von KI verdrängt werden dürfte SAP aber wohl kurzfristig kaum. Wer langfristig denkt, kann erste Positionen im Bereich um 120 Euro vorsichtig aufbauen und sich etwas Pulver für vielleicht kommenden extreme Rückschläge Richtung 100 Euro aufheben. Wer auf Sicherheit setzt, wartet die Zahlen am 23. Juli ab, bevor er sich entscheidet.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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