Im Untreue-Prozess um die Übernahme des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co hat die Staatsanwaltschaft für die britisch-iranischen Balli-Inhaber Vahid und Hassan Alaghband Bewährungsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten beziehungsweise eineinhalb Jahren gefordert. Als Auflage sollen die Brüder insgesamt 4,5 Millionen Euro zahlen. Im Gegenzug für ein Geständnis hatten sich die Prozessbeteiligten vor dem Landgericht Duisburg auf eine so genannte Strafobergrenzen-Erklärung verständigt, die eine Bewährungsstrafe vorsieht.
Darin wurde als Gegenleistung für ein Geständnis eine Höchststrafe von zwei Jahren Haft zur Bewährung mit Geldauflage von 2 Millionen Euro für Vahid und 2,5 Millionen für Hassan Alaghband ausgemacht. Andernfalls hätten lange Haftstrafen gedroht.
Der Werkstoffhändler Balli hatte 2001 die größere
Klöckner-Gruppe für 1,1 Milliarden Euro vom Energiekonzern E.ON
International üblich ist das Leveraged Buy Out, nach dem zunächst eine AG übernommen und dann zur GmbH umgewandelt wird. Dann hätte Geld zur Kauffinanzierung entnommen werden können. Dies sei hier nicht geschehen, erklärte das Gericht. Balli konnte die Finanzierung mit eigenen Mittel so schnell nicht auf die Beine stellen.
"Als Firmenchef akzeptiere ich die Verantwortung für den unglücklichen und bedauernswerten Verstoß", hatte Vahid Alaghband in seiner mehrstündigen Aussage erklärt. Dabei erläuterte er den verschlungenen Klöckner-Deal und erhob Vorwürfe gegen die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und den Energiekonzern E.ON (beide Düsseldorf). Sie hätten von der Finanzierungsschwäche gewusst und dennoch den Verkauf vorangetrieben.
Balli hatte kurz nach der Übernahme einen Kredit der WestLB in Höhe von 175 Millionen Euro nicht rechtzeitig zurückzahlen können und musste die Klöckner-Aktien an die Bank abgeben - unter Druck, wie Vahid Alaghband sagte. Die Bank hätte gar nicht erst abgewartet, bis vorhandene Sicherheiten angeboten werden konnten. Die Balli-Anwälte behaupteten, die WestLB habe alles so geplant, um Klöckner übernehmen und für einen guten Preis weiterverkaufen zu können.
Inzwischen ist KlöCo mit seinen knapp 10 000 Beschäftigten, über 4,8 Milliarden Euro Umsatz und zuletzt 140 Millionen Euro Gewinn für 1,1 Milliarden Euro an einen US-Fonds verkauft worden. Wegen eines gesunkenen Schuldenstandes bei Klöckner habe die WestLB einen dicken Gewinn verbuchen können, behauptet Vahid Alagband. Balli hat die WestLB deswegen auf Zahlung von 500 Millionen Euro verklagt./wd/DP/zb
ISIN DE0007614406
AXC0137 2005-12-12/19:54
