General Niederlage Ein Bauernopfer ist der israelische Generalstabschef Dan Chalutz sicherlich nicht. Der Militärchef, der gestern seinen Rücktritt erklärt hat, trug die Verantwortung für die militärischen Fehler Israels im Libanon-Krieg. Viel zu lang hatte die israelische Armee die Hisbollah aus der Luft zu besiegen versucht. Diese Strategie musste bei einem Gegner, der über die Beweglichkeit einer Guerillatruppe verfügt, scheitern. Chalutz geht also zu Recht. Doch sein Abgang fünf Monate nach Beginn der Waffenruhe für Israel setzt noch keinen Schlusspunkt bei der Aufarbeitung des Krieges. Israel ist seit der misslungenen Offensive an der Nordgrenze tief in seinem Selbstverständnis getroffen - dem Gefühl, zwar ein winziges Land inmitten einer überwiegend feindlich gesinnten Umwelt zu sein, die Gegner aber militärisch klar zu dominieren. Israel ist heute militärisch so stark wie vor dem Libanon-Krieg, es könnte einen Angriff so gut abwehren wie vor einem Jahr. Doch der Mythos ist dahin - daheim und auch im Lager seiner Feinde. Für diese psychologische Niederlage trägt die politische Spitze noch viel mehr Verantwortung als Chalutz. Sie setzte der Armee völlig unrealistische Ziele: Nicht nur die Schwächung der Hisbollah oder eine Strafaktion kündigte sie an, sondern gleich die Zerschlagung der Hisbollah. Möglich, dass deshalb am Ende auch Verteidigungsminister Amir Peretz wird gehen müssen. In der Gesellschaft wird der Libanon-Schock noch lange nachwirken. Schon einmal, im Jom-Kippur-Kriegs 1973, als ein Angriff Ägyptens und Syriens die Israelis überraschte, hatte Israel ein ähnliches Trauma erlebt. Ein politisches Erdbeben folgte, das Regierungschefin Golda Meïr schließlich zum Rücktritt zwang. Wenn Ehud Olmert nicht Ähnliches erleben will, wird er den Israelis wieder Zuversicht vermitteln müssen.
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Ines Zöttl - 030/22074169
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Christian Schütte - 030/22074169
Dies ist eine Pressestimme der Financial Times Deutschland. Für Text und Inhalt ist ausschließlich die Financial Times Deutschland verantwortlich. Die geäußerten Ansichten reflektieren auch nicht die Ansichten von Dow Jones Newswires oder der Dow Jones and Company Inc.
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