In Deutschland fehlen trotz der guten Konjunktur derzeit rund 210.000 Ausbildungsplätze für junge Menschen. "Die Lage am Lehrstellenmarkt scheint zwar etwas entspannter als im vergangenen Jahr zu sein, sie ist aber nach wie vor ernst", sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Raimund Becker, der "Bild am Sonntag". Im vergangenen Jahr gab es Ende April 215 000 mehr Bewerber als angebotene Lehrstellen. Am Ende waren knapp 50 000 junge Leute ohne Lehrstelle geblieben. Das Ausbildungsjahr beginnt erst im Herbst.
"Was uns Sorge bereitet, ist die große Zahl der Altbewerber", sagte Becker. "Im Moment sind mehr als die Hälfte der Bewerber junge Leute, die schon mindestens ein Jahr auf eine Lehrstelle warten." Er rief zu mehr Flexibilität auf: "Manchmal muss man sich eben von seinem Traumberuf lösen, um doch eine Lehrstelle zu finden."
SCHAVAN: ZUSÄTZLICHE LEHRSTELLEN SCHAFFEN
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) appellierte an die Unternehmen, den Aufschwung für zusätzliche Lehrstellen zu nutzen. "Die positive Konjunkturentwicklung zeigt zunehmend auch Wirkung am Beschäftigungsmarkt. Jetzt sind die Unternehmen gefordert, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen."
Im Handwerk ist die Ausbildungssituation in diesem Jahr nach Verbandsangaben gut. "Wir werden jedem Ausbildungsfähigem und - willigem einen Ausbildungsplatz anbieten können", sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns- Eberhard Schleyer am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Im vergangenen Jahr habe das Handwerk knapp vier Prozent mehr Ausbildungsplätze geschaffen. In diesem Jahr könne die Branche mit 25 000 Ausbildungsplätzen 3000 mehr anbieten als 2006.
Schavan will die berufliche Bildung neu ordnen und die Zahl der anerkannten Lehrberufe reduzieren. "350 Ausbildungsberufe sind eindeutig zu viel", sagte sie der "Bild am Sonntag". Sie sei dafür, "einzelne Berufsfelder zu bündeln, um die Zahl der Berufe wieder überschaubar zu machen. Eine vernünftige Größenordnung wären 50 bis maximal 100 Berufsgruppen". Welche Berufsbilder abgeschafft werden, will die Ministerin mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften im so genannten Innovationsrat Berufliche Bildung festlegen./ol/DP/he
AXC0029 2007-05-20/15:32
