Top Thema
Scoach (Frankfurt) - Top Thema
Tag der Kassandrarufe
In den USA häufen sich wieder die Rezessionswarnungen. Zu den Warnern zählt Richard Syron, Chef der staatlich gestützten Hypotheken-Großbank Freddie Mac. Es bestünde ein Risiko von 40 bis 45 Prozent, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet, sagte der Geldverleiher heute. Ursache sei die anhaltenden Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt. Wegen der dadurch entstandenen Kreditklemme, seien jetzt Teile des US-Eigenheimmarktes mangels Liquidität praktisch "eingefroren". Das würde die gesamte amerikanische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
Pessimistisch äußerte sich heute auch Dennis Lockhart, Präsident der Federal Reserve Bank von Atlanta. Der angeschlagene Markt für US-Eigenheime erreicht erst in der 2. Jahreshälfte 2008 den Boden, befürchtet der Notenbanker. Die Krise auf dem Häusermarkt bremse die Ausgaben der Verbraucher. Die Waage bei den gesamtwirtschaftlichen Risiken habe sich daher von zu viel Inflation auf zu wenig Wachstum verlagert.
Ex-Fedchef Alan Greenspan haute heute in einem BBC-Interview in die gleiche Kerbe. Das Risiko, dass die US-Wirtschaft - zum ersten mal seit sechs Jahren - wieder in eine Rezession rutscht, sei gestiegen, erklärte der Ex-Geldpolitiker. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege aber noch unter der Relation 50:50.
Greenspan muss es ja wissen. Als damaliger Notenbankchef hat der Geldpolitiker 2001 zu spät und zu zaghaft auf die Abkühlung reagiert und damit die damalige Rezession verursacht. Sein Nachfolger Ben Bernanke hat aber anscheinend aus dem Fehler Greenspans gelernt. Mit seinen mutigen Zinsschritten (Geldmarkt- und Diskonsatzsenkungen) und den kontinuierlichen Liquiditätsspritzen für das Bankensystem steuert Bernanke konsequent gegen den Abwärtssog an.
Die heutigen Konjunkturmeldungen fielen übrigens gar nicht so übel aus: Krise hin, Krise her, die Ausgaben der Verbraucher stiegen im August um 0,6% - mehr als erwartet. Das war zugleich der größte Anstieg seit mehr als 2 Jahren. Völlig überraschend stiegen außerdem die US-Bauausgaben im August um 2,3 %. Der Chicago Einkaufsmanagerindex, der die Industrieentwicklung im Ballungsgebiet erfasst, stieg im September ebenfalls überraschend.
Pessimisten sichern sich aber trotzdem gegen einen rezessionsbedingten Kurseinbruch am Aktienmarkt ab und kaufen Puts. Deren Kurse steigen tendenziell bei stark fallenden Aktienkursen.
Zu den Umsatzspitzenreitern an der Handels-Plattform Scoach zählte heute ein Optionsschein Put auf S&P 500. Der Schein wird von der Deutschen Bank emittiert (WKN: DB78H6). Mit einem Hebel von aktuell 26 ist der Schein allerdings sehr spekulativ. Letzter Handelstag ist der 19.12.2007.
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Börse Frankfurt Smart Trading AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0002 2007-09-29/09:35
