New York (BoerseGo.de) - Der heutige Verlauf der Wall Street zeigt die große Unsicherheit, die derzeit herrscht. Die Märkte bewegen sich in einem Spannungsfeld: Einerseits belasten die Sorgen um die Weltwirtschaft. Die europäische Konjunktur entwickelt sich inzwischen deutlich schwächer als die US-Wirtschaft. Auch beim Boommarkt China gibt es Anzeichen einer Abkühlung. Anderseits werden die Aktienmärkte durch die Korrektur bei den Rohstoffen angeregt. Falls der Rückgang der Ölpreise und anderer Rohstoffkosten anhält, entlastet er Verbraucher und Unternehmen gleichzeitig und wirkt daher wie ein Konjunkturprogramm.
Die heutigen US-Konjunkturmeldungen waren zwar unspektakulär, sie signalisieren aber, dass sich die amerikanische Konjunktur erholt. Der New York Empire State Index vom August, der die Industrieentwicklung im Ballungsgebiet widerspiegelt, stieg auf 2,8 (Konsens: minus 4,0, Vormonat: minus 4,9) und verkündet damit, dass die Wirtschaft dort wieder in die Gänge kommt. Die Industrieproduktion wuchs im Juli um 0,2% (Juni: plus 0,4%). Die Volkswirte hatte dagegen mit Stagnation gerechnet. Das Produktionswachstum der Fabriken beschleunigte auf plus 0,4%, das stärkste Wachstum seit 10 Monaten. Die volatile Produktion der US-Energieversorger fiel dagegen um 1,9%.
Änderung der Psychologie
Die eigentliche Geschichte des Tages war aber, dass sich die Korrektur bei den Rohstoffen heute fortsetzte (der CRB Rohstoffindex verlor 1,8%), besonders hart traf es heute Gold & Silber, aber auch Mais und Sojabohnen, beide wichtige Inputs bei der „Rind- und Schweinefleisch-Herstellung“. Der Broker Stifel Nicolaus erkennt im Rückgang der Rohstoffpreise und der Stärke des Dollars bereits einen fundamentalen Trendwechsel. Das Ganze sei mit einer grundsätzlichen Änderung der Psychologie an den Investmentmärkten verbunden und fördere damit wieder die lange verpönten traditionellen Anlagen, also Aktien (zu Lasten der alternativen Hedgefonds).
Allerdings spielte das Öl heute wieder Katz und Maus mit dem Aktienmarkt und trug damit zur Verunsicherung mit bei. Zeitweise verlor der Energieträger knapp 4 Dollar, krallte sich aber kurz vor dem Schluss blitzartig wieder höher und ging bei 113,77 Dollar aus dem Markt - nur ein Tagesverlust von 1,24 Dollar.
Wie gewonnnen, so zerronnen?
Möglicherweise verstörte auch der starke Dollar. Immerhin verdienen die US-Großkonzerne, darunter Technologieriesen wie IBM (heute minus 0,5%) einen großen Teil ihrer Einnahmen im Ausland. Da Euro, Pfund Sterling & Co. jetzt steil fallen, nehmen die Auslandsumsätze vieler US-Unternehmen - in Dollar umgerechnet - tendenziell ab. Der steigende Dollar bremst damit deren Konzernwachstum. Die Entwicklung verläuft jetzt spiegelbildlich zu den vergangenen Quartalen. Damals steigerte die Dollarschwäche die Auslandeinnahmen und beschleunigte das Konzernwachstum. Kein Wunder also, dass heute viele Technologieschwergewichte im Minus schlossen - und damit deren Heimatbörse Nasdaq.
Die Folge war, dass die Börsenbarometer heute ein unterschiedliches Bild boten: Der Dow Jones Industrial Average gewann 0,38% auf 11.659 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,41% auf 1.298 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index bröckelte dagegen 0,05% auf 2.452 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow minus 0,6%
S&P 500 plus 0,1%
Nasdaq plus 1,6%
Dow Jones Average: Mehr Geld in den Taschen
Trotz der heutigen Verunsicherung schlossen lediglich 8 der 30 Dow-Titel im Minus. Die Kursänderungen fielen alle moderat aus. „Gold“ ging an Procter & Gamble mit einem Tagesgewinn von 2,71% auf 71,60 Dollar. Der Haushaltswarenkonzern (darunter Gillette, Wella) dürfte davon profitieren, wenn den Verbrauchern - wegen billigerer Rohstoffe - mehr Geld in den Taschen bleibt. Außerdem fallen die Kosten für Energie und Vorprodukte.
„Silber“ und „Bronze“ gingen wieder an die Finanzkonzerne, die von der allmählichen Entspannung in der Kreditkrise profitieren. Die Citigroup gewann 2,60% auf 18,55 Dollar und American Express legte 2,28% auf 39,07 Dollar zu. Den 4. Platz belegte Wal-Mart mit plus 2,19% auf 59,37 Dollar. Dort belebt die Hoffnung, dass die potentiellen Kunden ihr Geld an der Ladenkasse statt an der Tankstelle ausgeben. Außerdem hatte der weltweitgrößte Einzelhändler mit seinen gestrigen Quartalszahlen die Erwartungen geschlagen.
Der Flop des Dow war der Ölkonzern Chevron, der 1,96% auf 84,25 Dollar abgab. Der Rivale Exxon Mobil kam mit einem Verlust von 0,49% auf 77,07 Dollar noch glimpflicher davon.
General Motors, zeitweise mit einem Gewinn von 2,75 noch Spitzenreiter, verlor zum Schluss 1,50% auf 11,18 Dollar. Vielleicht irritierte die Meldung, dass die Detroiter eine Großinvestition in Ohio ankündigten. Dort soll der umweltfreundliche Kleinwagen Chevy Cruze produziert werden.
S&P 500: Ölpreisrückgang verleiht Flügel
Der breit gefasste S&P wurde ebenfalls wieder von der Erholung der (meisten) Finanzwerte belebt. Ambac sprang 24,56% auf 5,68 Dollar. Die Agentur S&P bestätigte das Rating „AA“ und nahm den Anleiheversicherer von ihrer negativen Beobachtungsliste. Das gleiche geschah beim Rivalen MBI, der um 8,72% auf 11,22 Dollar vorrückte.
Die Einzelhändler profitierten von den fallenden Sprit- und Lebensmittelpreisen, die den potentiellen Kunden mehr Geld zum Einkaufen übrig lassen. Kohl`s kletterte 7,29% auf 51,79 Dollar. Bei dem Einzelhändler, der vorwiegend Textilien verkauft, ging der Gewinn im 2. Quartal weniger zurück als befürchtet. Nordstrom stieg 4,37% auf 31,54 Dollar. Der Fashionhändler schlug die Gewinnerwartungen, genauso wie der Warenhausbetreiber JC Penney, der 8,44% auf 39,94 Dollar gewann. Auch der restliche Einzelhandel schnitt dank der Korektur am Rohstoffmarkt überdurchschnittlich ab.
Der fallende Ölpreis verlieh selbstverständlich wieder den Aktien der Fluglinienbetreiber Flügel: Continental Airlines plus 6,42% auf 17,41Dollar und AMR, die Mutter der American Airlines 4,08% auf 11,74 Dollar.
Toll Brothers avancierte 4,90% auf 23,32 Dollar. Der Eigenheimbauer, spezialisiert auf luxuriöse Häuser, setzte seine gestrige Rallye fort. Gestern beflügelte die Meldung, dass die Hausverkäufe in den kriselnden Immobilienregionen Kalifornien und Nevada im 2. Quartal überraschend gestiegen sind. Heute regte ein von der Credit Suisse ermittelter Index an. Danach stieg der sogenannte „Käufer-Verkehr“ in Immobilienkrisenregionen wie etwa Las Vegas, Fort Myers oder Sacramento im Juli an. Anscheinend wieder ein Silberstreif am Horizont des ausgebombten Immobilienmarktes.
Franklin Resources verteuerte sich 2,87% auf 105,48 Dollar. Der Fondsverwalter (Templeton) wurde beim Broker Stifel Nicolaus“ aufgewertet. Dessen Fonds profitieren von dem sich abzeichnenden neuen Trend, nämlich dem Rückgang bei den Rohstoffen und Stärke des Dollar, hies es.
Zahlreiche Energiewerte standen dagegen im Schatten. Die Kohlenmine Consol Energy rutschte etwa 3,78% auf 61,40 Dollar, der Öldienstleister Hess Corperation verlor 3,63% auf 95,32 Dollar und Murphy Oil gab 3,49% auf 73,86 Dollar ab.
Harman International Industries tauchte 13,95% auf 37,00 Dollar ab. Der Elektronikhersteller, der vor allem Audiosysteme für Autos baut, meldete bereits gestern einen Gewinneinbruch um 70%, schlimmer als befürchtet. Die Analysten reagierten heute vorwiegend ungnädig. Die Credit Suisse schraubte ihr Kursziel von 45 Dollar auf 34 Dollar herunter, bleibt aber bei „Neutral“. Der Broker Robert W. Baird degradierte den Elektronikkonzern von „Outperform“ auf „Neutral“. Der Broker Buckingham Research Group bleibt bei „Neutral“, befürchtet, aber dass die Gesellschaft kämpfen muss, um ihre Gewinnmargen bei der Autozulieferung zu verbessern. Man erwarte in absehbarer Zeit keine Verbesserung beim Gewinnwachstum, hieß es dort.
Goldman Sachs verlor 2,05% auf 163,18 Dollar. JP Morgan kürzte wieder mal die Gewinnschätzung für den Rivalen.
Nasdaq: Kontaktgestörte Smartphones
Die Nasdaq litt heute etwas unter der Dollarstärke, vor allem der Auswahlindex Nasdaq 100, der mit minus 0,35% underperformte. Die dort versammelten Technologieschwergewichte verdienen einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen im Ausland. Das schien auch die global ausgerichteten Chip-Titel zu belasten. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, bröckelte 0,18% auf Punkte. Da half auch die Meldung wenig, dass Halbleiter, die in PCs eingesetzt werden, ein verblüffendes Wachstum zeigen. Laut der Researchfirma International Data Corp. sind die Verkäufe bei diesen Chips im 2. Quartal weltweit gestiegen sind und zwar um 3,1% gegenüber Vorjahr und um 16,1% gegenüber Vorjahr. Das Wachstum gegenüber dem 1. Quartal sei völlig ungewöhnlich, da das 2. Quartal normalerweise saisonal die schwächste Zeitperiode im Jahr sein, hieß es. International Data Corp führt das überraschende Wachstum auf eine starke Nachfrage nach Notebooks und Intels „sehr aggressiven“ Schub in den PC-Chip-Markt zurück. Intel profitierte jedenfalls wenig von dieser Meldung und verlor - vermutlich wegen dem Dollar-Effekt - 0,41% auf 24,26 Dollar, der Rivale Advanced Micro Devices (AMD) sprang dagegen 6,42% auf 5,64 Dollar.
Zu den Lichtblicken zählte Autodesk mit einem Tagesgewinn von 11,70% auf 38,37 Punkte. Der Spezialist für graphische Software schlug bei Gewinn, Umsatz und Ausblick die Erwartungen.
Apple verlor dagegen 2,00% auf 175,74 Dollar. Dort belasten auch noch technische Probleme des neuen iPhones. Das Smartphone verliert angeblich gelegentlich Gespräche und stellt unerwartete Internetverbindungen her. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, zeigte sich solidarisch und gab 1,48% auf 128,80 Dollar ab.
Internet: Arithmetik der Wechselkurse
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets zeigten wieder ein durchwachsenes Bild: Der globale ausgerichtet E-Commerce stand heute im Schatten der Dollar-Rallye. Amazon.com verlor 1,85% auf 86,40 Dollar. Knapp die Hälfte der Umsätze des Onlinehändlers stammt aus dem Ausland. Da Euro, Pfund Sterling & Co. jetzt fallen, nehmen die Auslandsumsätze - in Dollar umgerechnet - tendenziell ab. Im 2. Quartal wuchs der Konzernumsatz etwa um 41%, zu konstanten Währungskursen (also ohne den positiven Effekt der damaligen Dollarschwäche) betrug das Umsatzwachstum nur 35%. 6 Prozentpunkte des Wachstums waren also der damaligen Stärke von Euro & Co. zu verdanken. Da sich jetzt die Devisenmärkte gedreht haben, schmilzt dieser Währungseffekt bei den Umsätzen derzeit ab. Der Rivale Ebay, der einen noch höheren Auslandsanteil hat, bröckelte 0,27% auf 25,98 Dollar.
Dabei verpuffte die Wirkung einer Studie des Brokers Sanford Bernstein. Danach ist der E-Commerce relativ unempfindlich gegen eine Abschwächung der Weltkonjunktur, wenn sie denn kommt. Der Broker erwartet, dass der US-Onlinehandel in diesem Jahr um 14,3% gegenüber dem Vorjahr wächst. Im Rest der Welt sollte der E-Commerce um 26,5% zulegen. Zusammengerechnet ergebe das ein globales Wachstum von 21,5%. Sollte das schlimmste Szenario eintreffen und das US-BIP (als Maß für die Gesamtwirtschaft) über drei oder vier Quartale um 1,5% bis 1,9% schrumpfen (also schwere US-Rezession) würde das globale Online-Umsatzwachstum immer noch 18% erreichen. Der Grund: Die Onlinehändler knöpfen ihre Konkurrenten vom traditionellen Einzelhandel weitere Marktanteile ab. Die Auslandmärkte sollten schneller wachsen als die amerikanischen, weil der E-Commerce außerhalb der USA noch nicht so ausgeprägt ist. Daher besitze der Online-Handel dort noch mehr Wachstumsspielraum (zu Lasten des traditionellen Einzelhandels). Vor allem in den Bereichen Möbel, Haushaltartikel, Veranstaltung-Tickets und Elektronika rechnet der Broker mit einer beträchtlichen Verschiebung der Einkäufe von Offline zu Online. Priceline verbesserte sich dagegen 1,26% auf 103,20 Dollar. Das Online-Reisebüro wurde bei der Citigroup auf „Kaufen“ befördert, mit einem Kursziel von 130 Dollar.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content schnitt etwas besser ab als der E-Commerce. Yahoo avancierte 0,79% auf 20,44 Dollar. Dort baut der aktivistische Investor Carl Icahn seinen Einfluss weiter aus. Das regt wohl die Hoffnungen auf strategische Änderungen bei dem Portalbetreiber, vielleicht auch Übernahmefantasien an. Google stieg 0,92% auf 510,15 Dollar. Der Suchmaschinenriese scheint wieder in der Gunst der Investoren zu stiegen, die allmählich die Gewinnverfehlung vom 2. Quartal verzeihen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, sank dagegen 1,19% auf 321,01 Dollar. Dort belastet anscheinend die Sorge um eine zu starke Abkühlung der Wirtschaft im Reich der Mitte.
Öl: Dollar und schwache Nachfrage belasten
Das Öl setzte seinen volatilen Rückgang fort. MarketWatch verweist auf die Dollarstärke und die sich abschwächende globale Energienachfrage. Der Crude-Kontrakt für September verlor 1,24 Dollar auf 113,77 Dollar, das sind 1,2% weniger als in der Vorwoche.
Gold: Unter dem Druck des Dollars
Die Rallye des Dollars setzte sich fort und damit auch der spiegelbildliche Preisrutsch beim Gold, berichtet MarketWatch. Der Gold-Kontrakt für Dezember fiel heute 22,40 Dollar auf 792,10 Dollar, das sind 8,4% weniger als in der Vorwoche.
Ausblick:
Montag:
Quartalszahlen: Lowe's Companies (Eigenheimausstatter)
Dienstag:
14:30 Uhr Erzeugerpreise plus Baugenehmigungen und Baustarts Juli
Quartalszahlen: Analog Devices (Halbleiter), Hewlett-Packard (Weltmarktführer bei PCs & Drucker), Home Depot (Baumarktkette), Medtronic (Medizintechnik), Saks (Fashionhändler), Target (Dicount-Kette)
Mittwoch:
16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Quartalszahlen: BJ`s Club Wholesale (Warenhäuser), JDS Uniphase (Kommunikations-Elektronik), Saleforce (Software)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche, 16:00 Uhr Frühindikatoren Juli, Index der Philadelphia Fed (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom August
Quartalszahlen: Barnes and Noble (Buchhändler), Bebe Stores (Textilhändler), Burger King, Gamestop (Viedeospiele-Händler), Gap (Fashionhändler). H.J. Heinz (Lebensmittel), Intui (Finanz-Software), Zumiez (Sportbekleidung)
Freitag:
Die heutigen US-Konjunkturmeldungen waren zwar unspektakulär, sie signalisieren aber, dass sich die amerikanische Konjunktur erholt. Der New York Empire State Index vom August, der die Industrieentwicklung im Ballungsgebiet widerspiegelt, stieg auf 2,8 (Konsens: minus 4,0, Vormonat: minus 4,9) und verkündet damit, dass die Wirtschaft dort wieder in die Gänge kommt. Die Industrieproduktion wuchs im Juli um 0,2% (Juni: plus 0,4%). Die Volkswirte hatte dagegen mit Stagnation gerechnet. Das Produktionswachstum der Fabriken beschleunigte auf plus 0,4%, das stärkste Wachstum seit 10 Monaten. Die volatile Produktion der US-Energieversorger fiel dagegen um 1,9%.
Änderung der Psychologie
Die eigentliche Geschichte des Tages war aber, dass sich die Korrektur bei den Rohstoffen heute fortsetzte (der CRB Rohstoffindex verlor 1,8%), besonders hart traf es heute Gold & Silber, aber auch Mais und Sojabohnen, beide wichtige Inputs bei der „Rind- und Schweinefleisch-Herstellung“. Der Broker Stifel Nicolaus erkennt im Rückgang der Rohstoffpreise und der Stärke des Dollars bereits einen fundamentalen Trendwechsel. Das Ganze sei mit einer grundsätzlichen Änderung der Psychologie an den Investmentmärkten verbunden und fördere damit wieder die lange verpönten traditionellen Anlagen, also Aktien (zu Lasten der alternativen Hedgefonds).
Allerdings spielte das Öl heute wieder Katz und Maus mit dem Aktienmarkt und trug damit zur Verunsicherung mit bei. Zeitweise verlor der Energieträger knapp 4 Dollar, krallte sich aber kurz vor dem Schluss blitzartig wieder höher und ging bei 113,77 Dollar aus dem Markt - nur ein Tagesverlust von 1,24 Dollar.
Wie gewonnnen, so zerronnen?
Möglicherweise verstörte auch der starke Dollar. Immerhin verdienen die US-Großkonzerne, darunter Technologieriesen wie IBM (heute minus 0,5%) einen großen Teil ihrer Einnahmen im Ausland. Da Euro, Pfund Sterling & Co. jetzt steil fallen, nehmen die Auslandsumsätze vieler US-Unternehmen - in Dollar umgerechnet - tendenziell ab. Der steigende Dollar bremst damit deren Konzernwachstum. Die Entwicklung verläuft jetzt spiegelbildlich zu den vergangenen Quartalen. Damals steigerte die Dollarschwäche die Auslandeinnahmen und beschleunigte das Konzernwachstum. Kein Wunder also, dass heute viele Technologieschwergewichte im Minus schlossen - und damit deren Heimatbörse Nasdaq.
Die Folge war, dass die Börsenbarometer heute ein unterschiedliches Bild boten: Der Dow Jones Industrial Average gewann 0,38% auf 11.659 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,41% auf 1.298 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index bröckelte dagegen 0,05% auf 2.452 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow minus 0,6%
S&P 500 plus 0,1%
Nasdaq plus 1,6%
Dow Jones Average: Mehr Geld in den Taschen
Trotz der heutigen Verunsicherung schlossen lediglich 8 der 30 Dow-Titel im Minus. Die Kursänderungen fielen alle moderat aus. „Gold“ ging an Procter & Gamble mit einem Tagesgewinn von 2,71% auf 71,60 Dollar. Der Haushaltswarenkonzern (darunter Gillette, Wella) dürfte davon profitieren, wenn den Verbrauchern - wegen billigerer Rohstoffe - mehr Geld in den Taschen bleibt. Außerdem fallen die Kosten für Energie und Vorprodukte.
„Silber“ und „Bronze“ gingen wieder an die Finanzkonzerne, die von der allmählichen Entspannung in der Kreditkrise profitieren. Die Citigroup gewann 2,60% auf 18,55 Dollar und American Express legte 2,28% auf 39,07 Dollar zu. Den 4. Platz belegte Wal-Mart mit plus 2,19% auf 59,37 Dollar. Dort belebt die Hoffnung, dass die potentiellen Kunden ihr Geld an der Ladenkasse statt an der Tankstelle ausgeben. Außerdem hatte der weltweitgrößte Einzelhändler mit seinen gestrigen Quartalszahlen die Erwartungen geschlagen.
Der Flop des Dow war der Ölkonzern Chevron, der 1,96% auf 84,25 Dollar abgab. Der Rivale Exxon Mobil kam mit einem Verlust von 0,49% auf 77,07 Dollar noch glimpflicher davon.
General Motors, zeitweise mit einem Gewinn von 2,75 noch Spitzenreiter, verlor zum Schluss 1,50% auf 11,18 Dollar. Vielleicht irritierte die Meldung, dass die Detroiter eine Großinvestition in Ohio ankündigten. Dort soll der umweltfreundliche Kleinwagen Chevy Cruze produziert werden.
S&P 500: Ölpreisrückgang verleiht Flügel
Der breit gefasste S&P wurde ebenfalls wieder von der Erholung der (meisten) Finanzwerte belebt. Ambac sprang 24,56% auf 5,68 Dollar. Die Agentur S&P bestätigte das Rating „AA“ und nahm den Anleiheversicherer von ihrer negativen Beobachtungsliste. Das gleiche geschah beim Rivalen MBI, der um 8,72% auf 11,22 Dollar vorrückte.
Die Einzelhändler profitierten von den fallenden Sprit- und Lebensmittelpreisen, die den potentiellen Kunden mehr Geld zum Einkaufen übrig lassen. Kohl`s kletterte 7,29% auf 51,79 Dollar. Bei dem Einzelhändler, der vorwiegend Textilien verkauft, ging der Gewinn im 2. Quartal weniger zurück als befürchtet. Nordstrom stieg 4,37% auf 31,54 Dollar. Der Fashionhändler schlug die Gewinnerwartungen, genauso wie der Warenhausbetreiber JC Penney, der 8,44% auf 39,94 Dollar gewann. Auch der restliche Einzelhandel schnitt dank der Korektur am Rohstoffmarkt überdurchschnittlich ab.
Der fallende Ölpreis verlieh selbstverständlich wieder den Aktien der Fluglinienbetreiber Flügel: Continental Airlines plus 6,42% auf 17,41Dollar und AMR, die Mutter der American Airlines 4,08% auf 11,74 Dollar.
Toll Brothers avancierte 4,90% auf 23,32 Dollar. Der Eigenheimbauer, spezialisiert auf luxuriöse Häuser, setzte seine gestrige Rallye fort. Gestern beflügelte die Meldung, dass die Hausverkäufe in den kriselnden Immobilienregionen Kalifornien und Nevada im 2. Quartal überraschend gestiegen sind. Heute regte ein von der Credit Suisse ermittelter Index an. Danach stieg der sogenannte „Käufer-Verkehr“ in Immobilienkrisenregionen wie etwa Las Vegas, Fort Myers oder Sacramento im Juli an. Anscheinend wieder ein Silberstreif am Horizont des ausgebombten Immobilienmarktes.
Franklin Resources verteuerte sich 2,87% auf 105,48 Dollar. Der Fondsverwalter (Templeton) wurde beim Broker Stifel Nicolaus“ aufgewertet. Dessen Fonds profitieren von dem sich abzeichnenden neuen Trend, nämlich dem Rückgang bei den Rohstoffen und Stärke des Dollar, hies es.
Zahlreiche Energiewerte standen dagegen im Schatten. Die Kohlenmine Consol Energy rutschte etwa 3,78% auf 61,40 Dollar, der Öldienstleister Hess Corperation verlor 3,63% auf 95,32 Dollar und Murphy Oil gab 3,49% auf 73,86 Dollar ab.
Harman International Industries tauchte 13,95% auf 37,00 Dollar ab. Der Elektronikhersteller, der vor allem Audiosysteme für Autos baut, meldete bereits gestern einen Gewinneinbruch um 70%, schlimmer als befürchtet. Die Analysten reagierten heute vorwiegend ungnädig. Die Credit Suisse schraubte ihr Kursziel von 45 Dollar auf 34 Dollar herunter, bleibt aber bei „Neutral“. Der Broker Robert W. Baird degradierte den Elektronikkonzern von „Outperform“ auf „Neutral“. Der Broker Buckingham Research Group bleibt bei „Neutral“, befürchtet, aber dass die Gesellschaft kämpfen muss, um ihre Gewinnmargen bei der Autozulieferung zu verbessern. Man erwarte in absehbarer Zeit keine Verbesserung beim Gewinnwachstum, hieß es dort.
Goldman Sachs verlor 2,05% auf 163,18 Dollar. JP Morgan kürzte wieder mal die Gewinnschätzung für den Rivalen.
Nasdaq: Kontaktgestörte Smartphones
Die Nasdaq litt heute etwas unter der Dollarstärke, vor allem der Auswahlindex Nasdaq 100, der mit minus 0,35% underperformte. Die dort versammelten Technologieschwergewichte verdienen einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen im Ausland. Das schien auch die global ausgerichteten Chip-Titel zu belasten. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, bröckelte 0,18% auf Punkte. Da half auch die Meldung wenig, dass Halbleiter, die in PCs eingesetzt werden, ein verblüffendes Wachstum zeigen. Laut der Researchfirma International Data Corp. sind die Verkäufe bei diesen Chips im 2. Quartal weltweit gestiegen sind und zwar um 3,1% gegenüber Vorjahr und um 16,1% gegenüber Vorjahr. Das Wachstum gegenüber dem 1. Quartal sei völlig ungewöhnlich, da das 2. Quartal normalerweise saisonal die schwächste Zeitperiode im Jahr sein, hieß es. International Data Corp führt das überraschende Wachstum auf eine starke Nachfrage nach Notebooks und Intels „sehr aggressiven“ Schub in den PC-Chip-Markt zurück. Intel profitierte jedenfalls wenig von dieser Meldung und verlor - vermutlich wegen dem Dollar-Effekt - 0,41% auf 24,26 Dollar, der Rivale Advanced Micro Devices (AMD) sprang dagegen 6,42% auf 5,64 Dollar.
Zu den Lichtblicken zählte Autodesk mit einem Tagesgewinn von 11,70% auf 38,37 Punkte. Der Spezialist für graphische Software schlug bei Gewinn, Umsatz und Ausblick die Erwartungen.
Apple verlor dagegen 2,00% auf 175,74 Dollar. Dort belasten auch noch technische Probleme des neuen iPhones. Das Smartphone verliert angeblich gelegentlich Gespräche und stellt unerwartete Internetverbindungen her. Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, zeigte sich solidarisch und gab 1,48% auf 128,80 Dollar ab.
Internet: Arithmetik der Wechselkurse
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets zeigten wieder ein durchwachsenes Bild: Der globale ausgerichtet E-Commerce stand heute im Schatten der Dollar-Rallye. Amazon.com verlor 1,85% auf 86,40 Dollar. Knapp die Hälfte der Umsätze des Onlinehändlers stammt aus dem Ausland. Da Euro, Pfund Sterling & Co. jetzt fallen, nehmen die Auslandsumsätze - in Dollar umgerechnet - tendenziell ab. Im 2. Quartal wuchs der Konzernumsatz etwa um 41%, zu konstanten Währungskursen (also ohne den positiven Effekt der damaligen Dollarschwäche) betrug das Umsatzwachstum nur 35%. 6 Prozentpunkte des Wachstums waren also der damaligen Stärke von Euro & Co. zu verdanken. Da sich jetzt die Devisenmärkte gedreht haben, schmilzt dieser Währungseffekt bei den Umsätzen derzeit ab. Der Rivale Ebay, der einen noch höheren Auslandsanteil hat, bröckelte 0,27% auf 25,98 Dollar.
Dabei verpuffte die Wirkung einer Studie des Brokers Sanford Bernstein. Danach ist der E-Commerce relativ unempfindlich gegen eine Abschwächung der Weltkonjunktur, wenn sie denn kommt. Der Broker erwartet, dass der US-Onlinehandel in diesem Jahr um 14,3% gegenüber dem Vorjahr wächst. Im Rest der Welt sollte der E-Commerce um 26,5% zulegen. Zusammengerechnet ergebe das ein globales Wachstum von 21,5%. Sollte das schlimmste Szenario eintreffen und das US-BIP (als Maß für die Gesamtwirtschaft) über drei oder vier Quartale um 1,5% bis 1,9% schrumpfen (also schwere US-Rezession) würde das globale Online-Umsatzwachstum immer noch 18% erreichen. Der Grund: Die Onlinehändler knöpfen ihre Konkurrenten vom traditionellen Einzelhandel weitere Marktanteile ab. Die Auslandmärkte sollten schneller wachsen als die amerikanischen, weil der E-Commerce außerhalb der USA noch nicht so ausgeprägt ist. Daher besitze der Online-Handel dort noch mehr Wachstumsspielraum (zu Lasten des traditionellen Einzelhandels). Vor allem in den Bereichen Möbel, Haushaltartikel, Veranstaltung-Tickets und Elektronika rechnet der Broker mit einer beträchtlichen Verschiebung der Einkäufe von Offline zu Online. Priceline verbesserte sich dagegen 1,26% auf 103,20 Dollar. Das Online-Reisebüro wurde bei der Citigroup auf „Kaufen“ befördert, mit einem Kursziel von 130 Dollar.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content schnitt etwas besser ab als der E-Commerce. Yahoo avancierte 0,79% auf 20,44 Dollar. Dort baut der aktivistische Investor Carl Icahn seinen Einfluss weiter aus. Das regt wohl die Hoffnungen auf strategische Änderungen bei dem Portalbetreiber, vielleicht auch Übernahmefantasien an. Google stieg 0,92% auf 510,15 Dollar. Der Suchmaschinenriese scheint wieder in der Gunst der Investoren zu stiegen, die allmählich die Gewinnverfehlung vom 2. Quartal verzeihen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, sank dagegen 1,19% auf 321,01 Dollar. Dort belastet anscheinend die Sorge um eine zu starke Abkühlung der Wirtschaft im Reich der Mitte.
Öl: Dollar und schwache Nachfrage belasten
Das Öl setzte seinen volatilen Rückgang fort. MarketWatch verweist auf die Dollarstärke und die sich abschwächende globale Energienachfrage. Der Crude-Kontrakt für September verlor 1,24 Dollar auf 113,77 Dollar, das sind 1,2% weniger als in der Vorwoche.
Gold: Unter dem Druck des Dollars
Die Rallye des Dollars setzte sich fort und damit auch der spiegelbildliche Preisrutsch beim Gold, berichtet MarketWatch. Der Gold-Kontrakt für Dezember fiel heute 22,40 Dollar auf 792,10 Dollar, das sind 8,4% weniger als in der Vorwoche.
Ausblick:
Montag:
Quartalszahlen: Lowe's Companies (Eigenheimausstatter)
Dienstag:
14:30 Uhr Erzeugerpreise plus Baugenehmigungen und Baustarts Juli
Quartalszahlen: Analog Devices (Halbleiter), Hewlett-Packard (Weltmarktführer bei PCs & Drucker), Home Depot (Baumarktkette), Medtronic (Medizintechnik), Saks (Fashionhändler), Target (Dicount-Kette)
Mittwoch:
16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Quartalszahlen: BJ`s Club Wholesale (Warenhäuser), JDS Uniphase (Kommunikations-Elektronik), Saleforce (Software)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche, 16:00 Uhr Frühindikatoren Juli, Index der Philadelphia Fed (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom August
Quartalszahlen: Barnes and Noble (Buchhändler), Bebe Stores (Textilhändler), Burger King, Gamestop (Viedeospiele-Händler), Gap (Fashionhändler). H.J. Heinz (Lebensmittel), Intui (Finanz-Software), Zumiez (Sportbekleidung)
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