Der Kurs der VW-Aktie
BÖRSIANER RÄTSELN ÜBER HÖHENFLUG
Der Höhenflug der VW-Aktie stellte viele Börsianer vor Rätsel. Die Entwicklung lässt sich nur durch zwei besondere Umstände erklären. Erstens: Nur noch ein sehr kleiner Bruchteil der VW-Stammaktien befindet sich im freien Umlauf. So gehören 42,6 Prozent der Anteile Porsche, für weitere 31,5 Prozent der Aktien hat der Stuttgarter Sportwagenhersteller Kaufoptionen. Gut 20 Prozent liegen beim Land Niedersachsen. Übrig für den Handel bleiben damit theoretisch nur noch weniger als sechs Prozent - und damit bestimmen nur noch wenige Marktteilnehmer den Preis.
SHORT-POSITIONEN UND MANGEL TREIBEN KURS NACH OBEN
Dies allein kann aber die massiven Kursschwankungen unter normalen Umständen nicht erklären. Hier kommt aber Punkt zwei: Bei Volkswagen hatten zahlreiche Anleger auf fallende Preise gewettet - schließlich galt die Aktie vielen ohnehin schon als zu teuer. Manche liehen sich dazu Aktien von freien Anteilseignern oder aus den Beständen derjenigen, die Porsche die Lieferung der VW-Aktien zu einem späteren Zeitpunkt versprochen haben. Dabei verkauften sie die Aktien und hofften auf fallende Preise, um die Papiere billiger wieder einzusammeln. Geht die Wette aber nicht auf, müssen sie die Papiere zurückkaufen - teils zu jedem Preis und treiben damit die Kurse in schwindelnde Höhen.
Der Hammerschlag für manche Investoren kam am Wochenende, als Porsche seine Anteilsstände bekanntgab - und über deutlich mehr Aktien verfügte, als viele erwartet hatten. "Wenn Mangel ist und nicht genug geliefert werden kann, dann gehen die Preise nach oben", erläutert der Chef des Deutschen Aktieninstituts, Rüdiger von Rosen.
FÜR FINANZMÄRKTE SIND KURSKAPRIOLEN ÄRGERLICH
Für die Finanzmärkte sind die Kurskapriolen ein Ärgernis - zumal das Börsenbarometer DAX an Aussagekraft verliert. "Wir beobachten das genau", sagt Deutsche-Börse-Sprecher Torsten Baar. "Solange aber fünf Prozent in Streubesitz sind, gibt es für uns keinen Grund, den Wert außerplanmäßig aus dem DAX herauszunehmen." Allerdings wird die Börse die Gewichtung der VW-Aktie im Deutschen Aktienindex DAX bei der nächsten Indexüberprüfung im Dezember routinemäßig auf maximal zehn Prozent begrenzen. Jedoch finden solche Überprüfungen nur alle drei Monate statt.
"Das ist eine Sauerei, Volkswagen verzerrt den ganzen DAX, das gibt es doch nicht", schimpft eine Händler. Viele verlangen von der Deutschen Börse, dem Spuk Einhalt zu gebieten. "Solche Exzesse sind eines DAX30-Index, der zu den fünf- bis zehn bedeutendsten Aktienindizes der Welt gehört, unwürdig", meint Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. "Für geneigte Kreise, die bewusst oder fälschlicherweise die Börse mit einem Spielcasino vergleichen", sei die Entwicklung "Wasser auf ihren populistischen Mühlen".
ZUKUNFT UNGEWISS
Wie es mit VW und dem DAX weitergeht, ist ungewiss. "Momentan ist alles Spekulation, man kann nur Vermutungen anstellen", sagt Autoexperte Frank Schwope von der Nord/LB. Aktienexperte von Rosen warnt vor übereiligen Schritten beim DAX-Regelwerk. "Das ist sicher eine Extremsituation, aber ich kann ein Regelwerk nur nach sorgfältiger Prüfung verändern."/rg/ta/DP/gr
--- Von Rochus Görgen und Eva Tasche, dpa und Frederik Altmann, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007664005
AXC0183 2008-10-28/16:19
