Der Bundesbankpräsident Axel Weber sieht die deutschen Banken und Sparkassen noch nicht über den Berg. "Ich warne davor, das Ende der Finanzkrise zu früh auszurufen", sagte Weber der Süddeutschen Zeitung (Montag). Nach seiner Einschätzung drohen den Banken neue Lasten durch Kreditausfälle wegen mehr Pleiten bei Firmen und Privatleuten. Die Vorsorge für Kreditrisiken dürfte erheblich steigen und der Zinsüberschuss entsprechend zurückgehen.
Der Abschwung schlage sich bei den Instituten erst zeitlich verzögert nieder. Auf die Frage, ob die deutschen Banken die bisherigen Rettungsangebote der Regierung und überhaupt richtig genutzt hätte, sagte Weber. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."
Gleichzeitig sagte Weber, ihm mache sorge, dass sich seit der Krise viele Institute, bedingt durch Auflagen und Verkleinerungen, wieder auf ihren Heimatmarkt zurückzögen. "Es gab bislang nur wenig grenzüberschreitende Fusionen im Euroraum, von Ausnahmen wie Unicredit und HVB abgesehen." Die Größe dürfte bei der Regulierung nicht im Mittelpunkt stehen. "Alle Banken, gerade auch die großen, müssen widerstandsfähiger werden. Sie brauchen höhere Eigenkapitalpuffer, größere Liquiditätspolster und ein besseres Risikomanagement." Außerdem forderte Weber eine bessere Überwachung der Finanzmärkte und ein spezielles Insolvenzrecht für Banken.
KONJUNKTUR KÖNNTE SICH GÜNSTIGER ALS PROGNOSE ENTWICKELN
Mit Blick auf den leichten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal, sagte Weber. Die deutsche Wirtschaft habe zwar die Talsohle erreicht, er warnte aber gleichzeitig: "Die Arbeitslosigkeit wird steigen, wenn die Kurzarbeit ausläuft. Das könnte den Konsum belasten, dürfte aber die Erholung insgesamt nicht gefährden, höchstens deren Dynamik schwächen." Die Bundesbank hatte für 2009 mit einem gesamtwirtschaftlichen Minus von sechs Prozent gerechnet. Weber sagte jetzt, vermutlich dürfte es etwas günstiger laufen./gr/
AXC0032 2009-08-16/17:52
