Der Chef der angeschlagenen HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, sieht sein Kreditinstitut wieder im Aufwind. Bei seinem zweiten Auftritt als Zeuge vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft sagte er am Freitag, die HSH Nordbank werde 2009 und 2010 zwar mit Verlusten abschließen. Doch spätesten 2011 sei wie geplant wieder mit Gewinnen zu rechnen. Zuvor hatte der Bankchef das verlustreiche Immobilienfinanzierungsgeschäft des Kreditinstituts in den USA erläutert. Der Untersuchungsausschuss will klären, wie es zu den Milliardenverlusten der Bank kommen konnte.
Laut Nonnenmacher hat das US-Immobiliengeschäft der HSH Nordbank 2003 ein Volumen von rund 900 Millionen Euro gehabt, 2005 sei das Neugeschäft auf 3,5 Milliarden Euro und 2007 auf 4,2 Milliarden Euro gestiegen - ehe es 2008 wieder auf 400 Millionen Euro gesunken sei. Laut Nonnenmacher beschloss die Bank im September 2008 - noch vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers - das Neugeschäft in den USA gänzlich einzustellen. Zu dem Zeitpunkt sei die Krise jedoch schon deutlich zu spüren gewesen. "Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass es besser gewesen wäre, früher und intensiver gegenzusteuern", sagte Nonnenmacher.
US-IMMOBILIENGESCHÄFT: 'WIR VERABSCHIEDEN UNS VON DIESEM BEREICH'
Inzwischen sei das US-Immobiliengeschäft, das Ende 2009 einen Anteil von 15,6 Prozent am gesamten Immobiliengeschäft gehabt habe, in die Abbaubank ausgelagert worden. "Wir verabschieden uns von diesem Bereich." Die HSH Nordbank verstehe sich wieder als Kreditinstitut "mit starkem regionalem Bezug". Insgesamt sehe er die Bank auf einem guten Weg. Bereits im vergangenen Jahr sei die Bilanzsumme deutlich reduziert und die Risikovorsorge erhöht worden. Die Kernkapitalquote liege weiter bei mehr als neun Prozent. "Und auch unsere Liquiditätslage hat sich entspannt."
Der Vorstandsvorsitzende verneinte im Ausschuss, jemals mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über entscheidende Dinge der Bank diskutiert zu haben. "Mit Herrn Beust habe ich absolut nur informelle Gespräche geführt", sagte er. Um "relevante Inhalte" sei es dabei nie gegangen. Dafür sei allein der Aufsichtsrat der richtige Ort. Die SPD möchte Bürgermeister Beust als Zeugen im Untersuchungsausschuss befragen und begründete ihren Antrag unter anderem damit, dass sich Beust seit Bekanntwerden der Probleme in der Bank auch vom Vorstandsvorsitzenden der Bank habe informieren lassen.
Nach Kritik aus dem Untersuchungsausschuss über die Freigabe von Akten durch die Bank kündigte Nonnenmacher an, etwaige Lücken schließen zu wollen. So habe etwa der Aufsichtsrat am Donnerstag beschlossen, dem Ausschuss nun auch Aufsichtsratsprotokolle zur Verfügung zu stellen. "Ich denke, dies unterstreicht unseren Willen, offen, konstruktiv und professionell mit Ihnen zusammenzuarbeiten", sagte Nonnenmacher./ks/DP/he
AXC0163 2010-02-19/19:28