DJ pressetext.de: Börsennews.de: Nur eine Stunde des Welt-Ölverbrauchs lief bislang in den Golf - BP, Shell und die Rockefellers - Kampf ums Öl läuft seit über 120 Jahren brutal
Leipzig (pts/25.06.2010/09:35) - Wie lässt sich eine Katastrophe abbilden? Nach
Tränen, Wut, Verzweiflung jener Menschen, die davon tragisch betroffen sind, der
Anzahl verendeter Tiere, des Ausmaßes zerstörter Natur? Auf jeden Fall. Und dann
gibt es da auch die Version der nackten Zahlen, die in ihrer Nüchternheit
ebenfalls grausam sind. Das Börsenportal börsennews.de hat nun ausgerechnet, wie
viel Öl bislang aus dem Ölbohrloch der gesunkenen Ölplattform Deepwater Horizon
ausgetreten ist: Gerade einmal eine Stunde des weltweiten Verbrauchs könnte man
mit dem seit dem 22. April 2010 ausgelaufenen Öl decken - statistisch gesehen 61
Minuten. Basis hierfür sind Schätzwerte des Ölaustritts von zehn angesehenen
nationalen und internationalen Medien, wonach täglich zwischen 30.000 und
100.000 Barrel auslaufen. Der Mittelwert liegt bei durchschnittlich 59.333
Barrel pro Tag. 63 Tage Öl im Golf. 63 Tage furchtbare Bilder. Und doch ist es
ein Wimpernschlag im gigantischen Energiebedarf dieser Welt. Ein Wimpernschlag
der zur medialen Lawine wurde. Zeigt doch das Öl vom Golf, wie verletzbar die
Menschheit, wie verletzbar Konzern-Giganten sind, wie British Petrol.
Der Börsenwert von BP hat sich in den vergangenen drei Monaten halbiert: Die
Markkapitalisierung des kapitalistischen Schreckens beträgt derzeit 84.2 Mrd. ?.
Er lag mal bei über 160 Mrd. Die Aktie stürzte von 7,50 - auf 3,96 - ab. Die
gesunkene Öl-Plattform ist zugleich Abbild des Turmbaus zu Babel der
Superkonzerne. Noch 2009 erklärte CEO Tony Hayward mit 200.000 Barrel
gefördertem Öl durch die Plattform Thunder Horse ("Donnerpferd"), obendrein mit
der jetzt untergegangenen "Horizon", werde BP im Golf von Mexico die Nr. 1. "BP
is back", sagte er. Scheinbar war ihm der vierte Platz unter den größten
Unternehmen der Welt nicht genug. Was sind 297 Mrd. - Umsatz und 17 Mrd. -
Jahresgewinn bei Optionen nach mehr? Doch auf dem Olymp der Konzerngottheiten
residieren schon zwei andere. Natürlich Öl-Konzerne. Auf Platz 1. Royal Dutch
Shell, danach Exxon Mobil. Shell setzte vergangenes Jahr 371 Mrd. - um, mit 21
Mrd. - Gewinn, Exxon 358 Mrd. ?, mit 37 Mrd. - Gewinn.
Ein näherer Blick auf Exxon ist auch angesichts der Katastrophe von BP besonders
lohnenswert. Zeigt er doch, dass Größenstreben in der Öl-Industrie tiefe Wurzeln
hat. 1882 gründete John D. Rockefeller die Standard Oil Trust. 30 Jahre später,
1911, ordnete der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten kartellrechtlich
die Spaltung von Standard Oil an. Das Unternehmen war zu mächtig geworden,
kontrollierte faktisch den gesamten Ölmarkt der USA. Als neue Firmen entstanden
die "Standard Oil Company of New York" (später: Mobil Oil) sowie die "Standard
Oil of New Jersey" (SO), welche als Esso weltbekannt wurde. 1999 durften die
beiden Konzerne sich wieder vereinigen. Der Rockefeller-Clan war Anfang des 20.
Jahrhunderts reicher als Bill Gates von Microsoft heute. Manche sagen, die
Rockefellers wären noch heute über 100 Mrd. - schwer. Rockefeller wurde zum
Sinnbild für Geld, symbolisch zementiert in den 30er Jahren im
Rockefeller-Center in New York. Was viele nicht wissen: Die Urversion des Namens
Rockefeller war Rockenfeller, eine Abwandlung des deutschen Worts Roggenfeld.
Grund: Die Rockefeller-Vorfahren lebten im 16. Jahrhundert nicht am Golf von
Mexiko, sondern in Deutschland, in Rheinland-Pfalz.
Nach Öl wird aber nicht nur im Golf von Mexiko gebohrt, sondern auch in Afrika.
Shell und Exxon besitzen dort riesige Ländereien, zum Beispiel im Niger Delta in
Nigeria. Dort seien, berichtete jetzt die International Herald Tribune, während
deren Öl-Bohrungen in den vergangenen 50 Jahren 13 Millionen Barrel Öl in Flüsse
und Landschaften geflossen. 260.000 Barrel pro Jahr. Bis heute. Wer schaut dort
hin? Das Radar der Welt scheint hier nicht zu gehen. Tränen, Wut, Verzweiflung
der Menschen dort, zählen hier nicht. Es war einmal in Amerika - so der Titel
eines sehr guten Mafia-Films. Vielleicht sollte man die Story etwas umschreiben.
Denn der Ölteppich im Golf von Mexiko ist zugleich eine historische Schablone
für den alten U.S.-Traum nach immer mehr Wohlstand, der nun tragisch und
gnadenlos seine apokalyptische Fratze zeigt. Insofern ist es auch ein Spiegel
der amerikanischen Gesellschaft, nicht nur von BP. Vielleicht ist es letztlich
ein Gnadenwink des Schicksals gegenüber Afrika - dass der Ölteppich nicht dort
wabert, sondern vor der U.S.-Küste. Dort, wo der Öl-Wahn seinen Anfang nahm.
Die Entwicklung des Aktienkurses von BP finden Sie unter:
http://www.boersennews.de/markt/aktien/bp-gb0007980591/189891/profile#TabContent
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June 25, 2010 03:35 ET (07:35 GMT)
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