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WSJ: Autobauer setzen weiter auf China

Von Andrew Galbraith 
   THE WALL STREET JOURNAL 
 

SCHANGHAI (Dow Jones)--Nächste Woche versammeln sich Vertreter der Autobranche in Peking. Dabei steht besonders eine Frage im Raum: Ist der Rückgang auf dem chinesischen Markt nur ein kurzer Aussetzer auf dem Weg zu mehr Wachstum, oder ist er ein Zeichen von Überkapazitäten?

Ein zäher Start ins Jahr und das nachlassende Wirtschaftswachstum in China deuten darauf hin, dass hohe Verkaufszahlen und Gewinne hier immer schwerer zu erreichen sind. Die kleinen heimischen Autobauer geraten wieder unter Druck, sich zusammenzuschließen, während die großen ausländischen Hersteller nur schwer eine Genehmigung dafür erhalten, ihr Geschäft auszubauen.

Im vergangenen Jahr stiegen die Autoverkäufe in China nur um 2,5 Prozent. 2009 waren es 46 Prozent und 2010 noch 32 Prozent. Im ersten Quartal fiel die Gesamtzahl der Fahrzeugverkäufe um 3,4 Prozent, die der Pkw um 1,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2011. Der chinesische Verband der Autobauer hat bereits Zweifel daran verlauten lassen, dass die Branche ihr Wachstumsziel für dieses Jahr von acht bis zehn Prozent erreichen kann.

"Es ist überraschend zu beobachten, wie trüb einerseits der Hintergrund aussieht, und wie viel Aufmerksamkeit die Autobauer dieser Show trotzdem noch schenken", sagt Andrew Thomson, Co-Chef der chinesischen Automobilberatung bei KPMG.

Er sagt, der Druck zu konsolidieren werde immer weiter wachsen, wenn Überkapazitäten zum Problem werden. China habe "bereits Überkapazitäten so groß wie der gesamte deutsche Markt", sagt Thomson. Eine aktuelle KPMG-Studie der Branche zeigt, dass etwa zwei Drittel der weltweit neuen Kapazitäten, die bis 2016 ihren Betrieb aufnehmen sollen, in China gebaut werden.

Doch seit die Eurokrise die dortigen Verkaufszahlen drückt, können selbst einstellige Wachstumsraten wie das große Los erscheinen. Bei der diesjährigen Pekinger Automesse werden 120 neue, überarbeitete oder Konzeptfahrzeuge vorgestellt. Vergangenes Jahr waren es lediglich 75, ein Jahr davor 89.

Unter den Hoffnungsträgern, die die Nachfrage wieder ankurbeln sollen, ist eine neue Version des VW Lavida, der nur in China verkauft wird. VW wird voraussichtlich eine neue Fabrik im Nordwesten Chinas eröffnen. Renault plant, seine neue Vorzeigelimousine vorzustellen, und Fiat will seinen Viaggio präsentieren, den das Unternehmen durch ein Joint Venture mit der Guangzhou Automobile Group in China baut. Toyota will ebenfalls ein Modell vorstellen, das in China entworfen wurde und mit einem Benzin-Elektro-Hybridmotor läuft.

Die Luxusmarken, die bisher immun gegen die Marktschwäche in China waren, wollen auf die wachsende Nachfrage nach Geländewagen reagieren und ihr Geschäft ausbauen. Lamborghini wird voraussichtlich ein neues SUV-Konzept zeigen, und das ehemalige Spice Girl wird eine limitierte "Victoria Beckham"-Edition des Jaguar Land Rover Evoque vorstellen.

Autobauer, die schon früher das Auf und Ab auf dem chinesischen Markt erlebt haben, sehen immer noch Wachstumschancen. "Wir sind zur chinesischem Wirtschaft immer noch positiv eingestellt", sagt Dan Akerson, Chef von General Motors. China habe "eine zentrale Planwirtschaft, in der auf Ziele hingesteuert wird. Ich glaube, die Führung des Landes hat bisher mit viel Weisheit gehandelt", sagt er.

"Auch wenn sich die Wachstumsraten in China verlangsamen, müssen wir bei unserer langfristigen Perspektive bleiben", sagt David Schoch, Geschäftsführer bei Ford für den chinesischen Markt. Am Donnerstag hat Ford angekündigt, im Osten Chinas eine 760 Millionen Dollar teure Fabrik zu bauen, um die Produktionskapazitäten dort bis 2015 zu verdoppeln.

Branchenexperten rechnen für dieses Jahr durchschnittlich mit einem Wachstum von fünf bis acht Prozent. Einige etablierte ausländische Firmen sind stark in das Jahr gestartet. GM zum Beispiel hat mit seinen örtlichen Joint-Venture-Partnern im ersten Quartal ein Verkaufswachstum von 8,7 Prozent erzielt. VW und seine Vor-Ort-Partner haben 16 Prozent zugelegt.

Gleichzeitig erleiden viele heimische Autobauer Rückschläge, auch weil sie kleinere Autos bauen und von abgeschafften Subventionen profitiert hatten. In einem vorläufigen Bericht über das vergangene Jahr schrieb die Chongqing Changan Automobile Co, dass ihr Gewinn um die Hälfte gefallen sei. Die Pkw-Verkäufe der SAIC Motor Corp. Sind im vergangenen Jahr um ein Prozent gestiegen.

Trotzdem dürften es ausländische Firmen, die in China aufholen wollen, schwer haben. Jack Cheng, Vizepräsident der Fiat Group China, sagte in einem Interview, sein Unternehmen stehe vor "großen Herausforderungen", wenn es nach einem fehlgeschlagenen Joint Venture jetzt wieder in den Markt einsteigen will.

Ausländische Unternehmen werden auch zunehmend mit einer Regierung zurecht kommen müssen, die inzwischen lieber die Konsolidierung der eigenen Autoindustrie voranbringt, als ausländische Investitionen anzulocken. Dieser Strategiewechsel hat auch die Genehmigungen für Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen ins Stocken gebracht, ohne die sich in China kaum Geschäfte machen lassen. Zu den Antragstellern gehört auch Jaguar Land Rover, die mit Chery Automobile eine Partnerschaft eingehen will. Fiat-Vizechef Cheng sagt, er habe noch keine abschließende Genehmigung für den Bau des Viaggio erhalten, rechne aber bis Ende April damit.

-Von Andrew Galbraith, THE WALL STREET JOURNAL; 
+49 (0)69 29725 102, unternehmen.de@dowjones.com 
DJG/DJN/reh/mgo 

(END) Dow Jones Newswires

April 20, 2012 14:27 ET (18:27 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.

© 2012 Dow Jones News
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