Der deutsche Immobilienmarkt ist nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) trotz zuletzt stark gestiegener Hauspreise weit von einer Überhitzung entfernt. Das Risiko einer Preisblase am Immobilienmarkt sei derzeit nicht zu erkennen, schreibt die Agentur in einer Studie vom Montag. "Das ist nur der Anfang einer moderaten Erholung der Hauspreise", sagte S&P-Chefvolkswirt für Europa, Jean-Michel Six. Zudem könnten sowohl die deutsche Binnennachfrage als auch andere Euro-Länder wie Italien und Frankreich von der Entwicklung profitieren.
Im vergangenen Jahr waren die Preise für Wohnimmobilien nach Zahlen der Bundesbank kräftig um rund fünfeinhalb Prozent gestiegen, nach einem bereits deutlichen Zuwachs um zweieinhalb Prozent 2010. Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom war damit ein konjunktureller Aufschwung mit deutlich steigenden Hauspreisen verbunden. Als Gründe hatte die Bundesbank sowohl eine stärkere Nachfrage als auch einen schwachen Wohnungsbau im letzten Jahrzehnt genannt.
Ähnlich erklärt S&P die jüngste Entwicklung: Der Preisanstieg in den letzten beiden Jahren sei nicht zuletzt auf eine überschüssig Nachfrage am Immobilienmarkt zurückzuführen. "Der Rückgang des Hausbaus von 1995 bis 2010 um 72,6 Prozent hat einen Nachholbedarf entstehen lassen." Zudem nennt die Ratingagentur das aktuell sehr niedrige Zinsniveau, den robusten Arbeitsmarkt und eine vergleichsweise geringe Verschuldung der privaten Haushalte in Deutschland als Hauptgründe.
Zugleich zeigen sich die Experten von S&P wegen der steigenden Immobilienpreise nicht besorgt. So sei das Verhältnis von Hauspreisen zu den privaten Einkommen nach wie vor sehr niedrig. "Die Preise sind in den letzten 20 Jahren stetig gesunken, während die Einkommen gestiegen sind, wenn auch nur moderat." Zwar könne der Aufschwung am Häusermarkt auf die Verbraucherpreise durchschlagen und damit zu einer erhöhten Inflation führen. "Dennoch glauben wir, dass die moderate Erholung der Hauspreise auf einem gesunden Fundament fußt."/bgf/jsl
AXC0243 2012-04-23/15:09
