In Deutschland zeichnet sich ein Ende des fast drei Jahre dauernden Job-Booms ab. So ist im April die Nachfrage nach Arbeitskräften erstmals seit 2009 wieder deutlich gesunken, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex berichtete. Der entsprechende Indikatorwert verlor fünf Punkte und lag mit 171 auf dem niedrigsten Stand seit sieben Monaten. Die Zahl der offenen Stellen sank im April so stark wie zuletzt vor drei Jahren.
Die Nürnberger Bundesbehörde betonte zwar, der Mitarbeiterbedarf sei in den Unternehmen noch immer hoch. "Der Höhepunkt der Nachfrage scheint aber überschritten zu sein", räumt die Bundesagentur ein. Es bleibe nun abzuwarten, ob sie in den kommenden Monaten weiter sinke oder sich auf einem niedrigeren Plateau einpendle.
Im internationalen Vergleich präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt dennoch vergleichsweise robust, wie aus dem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervorgeht. Denn weltweit nimmt die Arbeitslosigkeit wieder zu, obwohl sich die Weltwirtschaft von der Krise erholt. Es gebe global 50 Millionen Arbeitsplätze weniger als 2008. Als Probleme sieht die ILO vor allem die Jugend- und die Langzeitarbeitslosigkeit.
In Europa macht die ILO für die schwierige Beschäftigungslage in vielen Ländern die Regierungen mit verantwortlich. Vor allem südeuropäische Länder hätten sich darauf konzentriert, ihre Defizite zu kürzen, anstatt Arbeitsplätze zu schaffen, kritisiert die ILO. Die schlechte Beschäftigungslage könnte zu sozialen Unruhen führen, warnen die Experten.
In Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen im April nach Experteneinschätzung erstmals wieder unter die Drei-Millionen-Marke gesunken. Trotzdem falle der Frühjahrsaufschwung deutlich schwächer aus als in den Vorjahren, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken und Konjunkturforscher in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Konjunktur sorge kaum noch für Schub auf dem Arbeitsmarkt, meinten einige Fachleute.
Nach den Berechnungen der Experten waren im April 2,93 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Dies wären rund 100.000 weniger als im März; der Rückgang fiel damit deutlich schwächer als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr waren im April rund 150.000 weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Die offiziellen April-Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch (2.5.) in Nürnberg bekanntgeben.
Nach Einschätzung der Fachleute haben im April nur noch
Saisoneffekte für eine Belebung des Arbeitsmarktes gesorgt. "Die
Konjunktur schiebt nicht mehr so stark. Wir spüren inzwischen die
Schleifspuren des schwachen letzten Quartals 2011", urteilt etwa
Commerzbank
AXC0204 2012-04-30/17:22
