Der Stahl- und Industriekonzern ThyssenKrupp
Dagegen hielt sich der Technologiebereich mit dem Aufzuggeschäft, dem Großanlagenbau und der Autozuliefersparte recht stabil. Der operative Gewinn aus dem fortzuführenden Geschäft des Konzerns brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 80 Prozent auf 76 Millionen Euro ein. Damit verfehlte das Unternehmen die Erwartungen der von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten. Zumindest zu den beiden auf ganzer Linie enttäuschenden Vorquartalen gab es aber Verbesserungen.
BODEN ERREICHT?
Allerdings stieg die Verschuldung im Quartal auf 6,5 Milliarden Euro an, Ende Dezember lag sie noch bei 5,9 Milliarden. Gründe sind die Kosten für den Hochlauf der Werke in Brasilien und USA sowie die im Januar gezahlte Dividende. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende September) war der Konzern wegen milliardenschwerer Abschreibungen auf seine amerikanische Stahlsparte und das Edelstahlgeschäft tief in die roten Zahlen gestürzt und hatte einen Nettoverlust von fast 1,8 Milliarden Euro verbucht.
Vorstandschef Heinrich Hiesinger äußerte die Hoffnung, dass es nun endlich aufwärts geht. "Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir bei der Ergebnisentwicklung die Talsohle durchschritten haben", sagte er. "Insofern blicken wir verhalten optimistisch auf die zweite Jahreshälfte." Im Ende September auslaufenden Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (EBIT) im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Aus diesem Ausblick ist die defizitäre Edelstahlsparte Inoxum herausgerechnet. Eine Prognose für den Gesamtkonzern gab ThyssenKrupp nicht. Bislang hatte sich das Management angesichts der großen wirtschaftlichen Unsicherheiten überhaupt keinen Ausblick für das Jahr zugetraut. Am Markt wurden die Nachrichten unter dem Strich positiv aufgenommen. Das Papier legte im vorbörslichen Handel zuletzt leicht zu, nachdem es am Anfang noch deutlich verloren hatte.
VERKAUFSLISTE ZU 90 PROZENT ABGEARBEITET
Derweil kommt der Konzern mit seinem gigantischen Verkaufsprogramm voran. Für die US-Gießerei Waupaca hat das Unternehmen mit der Beteiligungsgesellschaft KPS Capital Partners am Montag einen Kaufvertrag unterzeichnet. KPS hat sich auf die Übernahme von angeschlagenen Unternehmen spezialisiert. Waupaca produziert Gussstücke etwa für den Autobau, die Klimatechnik oder den Bahnverkehr. Zum Preis machten die Unternehmen keine Angaben. Experten rechnen mit einem mittleren dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag.
Damit hat ThyssenKrupp nach eigenen Angaben seine Verkaufsliste zu 90 Prozent abgearbeitet. Vorstandschef Hiesinger will durch die Verkäufe im hochverschuldeten Unternehmen Spielräume für den Ausbau der Technologiesparte schaffen. Vor einem Jahr hatte der Manager angekündigt, sich von Geschäftsteilen mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes trennen zu wollen.
ABSCHLUSS VON INOXUM-VERKAUF WEITER NOCH IN DIESEM JAHR
Noch keinen Käufer gibt es für das Federn- und Stabilisatorengeschäft sowie den Bereich Tailored Blanks, in dem ThyssenKrupp Bleche für die Autoindustrie produziert und zuletzt einen Jahresumsatz von gut einer halben Milliarden Euro erzielte. Die Verkaufsprozesse befänden sich auf einem guten Weg, mit verschiedenen Interessenten würden Verhandlungen geführt, erklärte ThyssenKrupp.
Dickster Brocken beim angekündigten Konzernumbau ist die Edelstahlsparte. Im Januar einigte sich ThyssenKrupp mit dem finnischen Konkurrenten Outokumpu auf einen Verkauf für insgesamt 2,7 Milliarden Euro. Allerdings müssen noch die Wettbewerbsbehörden dem Geschäft zustimmen. Nachdem es zuletzt Gerüchte gab, wonach die Aufseher sich gründlich Zeit nehmen würden, betonte ThyssenKrupp, weiterhin noch Ende dieses Jahres mit dem endgültigen Abschluss zu rechnen. Bereits perfekt ist der Verkauf des zivilen Schiffbaus der Hamburger Werft Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital./enl/jha/zb
ISIN DE0007500001
AXC0091 2012-05-15/08:30
