Die angeblichen illegalen Geschäfte von Standard Chartered mit dem Iran kommen das Finanzinstitut an der Börse teuer zu stehen. Anleger fliehen in Scharen aus der Aktie. Auf rund 27 Prozent summiert sich das Kursminus der Aktie, seit am späten Montagnachmittag bekannt wurde, dass der oberste Bankenregulierer New Yorks der britischen Bank mit dem Entzug ihrer Lizenz für Geschäfte in dem Bundesstaat gedroht hat. Die Behörde wirft Standard Chartered Transaktionen im Wert von mindestens 250 Milliarden Dollar mit dem Iran vor, für die US-Sanktionen gelten.
Für Kreditausfallversicherungen (CDS) von Standard Chartered werden am Kapitalmarkt als Reaktion höhere Prämien verlangt - im Vergleich zum Vortag beträgt der Aufschlag zur Absicherung fünfjähriger Anleihen 18 Basispunkte.
Laut Klageschrift soll Standard Chartered mit "betrügerischem und arglistigem Verhalten" das US-Geldwäschegesetz verletzt haben, indem die Bank die Identität ihrer iranischen Geschäftspartner bei rund 60.000 Transaktionen bewusst verschleiert habe. Damit soll die Bank Hunderte Millionen Dollar verdient haben.
Von 2001 bis 2010 habe die Einheit als "Schurkeninstitut" gearbeitet, heißt es in einer Verfügung der Finanzaufsichtsbehörde - offenbar in Anspielung auf die für Staaten wie den Iran oder auch Nordirak vielfach gebräuchliche Formulierung "Schurkenstaat".
Analysten senken Daumen
Analysten quittieren die gegen die britische Bank erhobenen Vorwürfe reihenweise mit Herabstufungen der Aktie. Für besonders gravierend halten die Analysten von Shore Capital, dass Standard Chartered neben einer saftigen Geldstrafe sogar der Entzug der Banklizenz in den USA droht. "Auch wenn eine hohe Geldbuße ein ordentliches Loch in die Profitabilität der Bank reißen würde, wäre der Einfluss auf Bilanz und Bewertung nicht so groß", so die Analysten. Ein größeres Problem sei dagegen der mögliche Entzug der Lizenz für Bankgeschäfte in den USA - sowohl aus operativer Sicht als auch im Hinblick auf die Reputation des Geldhauses.
Die Analysten räumen zwar ein, dass Standard Chartered die Vorwürfe energisch zurückgewiesen habe, doch seien diese ein schwerer Schlag für die Aktie. Lediglich 14 Millionen US-Dollar an Transaktionen seien nicht regelkonform gewesen, heißt es in einer Stellungnahme der Bank. Shore Capital überprüft gleichwohl seine Kaufempfehlung für das Papier.
Die Experten von Nomura wollen damit nicht weiter warten und senken die Einstufung der Aktie bei unverändertem Kursziel von 1.800 Pence auf "Neutral" von "Buy". Das Analysehaus sieht erhebliche Bilanzrisiken für Standard Chartered. Bei Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 1. August sei die Bank noch der Favorit der Analysten im Bankensektor gewesen. Aus fundamentaler Sicht sei dies auch weiter so, doch sehen sich die Experten angesichts der Risiken außer Stande, an ihrer Kaufempfehlung festzuhalten.
Neben der Vorgängen in Iran könnten noch weitere Untersuchung im Hinblick auf Geldwäsche in anderen Staaten folgen, warnt Nomura.
Um gleich zwei Stufen hat Bank of America - Merrill Lynch das Anlegeurteil für Standard Chartered gesenkt - statt "Buy" heißt es nun "Underperform". Zur Begründung führen die Analysten den Umfang der Vorwürfe und deren negativen Einfluss auf die Bilanz an - es seien Transaktionen im Umfang von mindestens 250 Milliarden Dollar betroffen. Das Kursziel haben die Analysten auf 1.540 Pence von 1.810 Pence gesenkt.
Ins gleiche Horn stoßen die Analysten von Oriel und senken ihre Einstufung ebenfalls um zwei Stufen auf "Reduce" von "Buy". Solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien, müsse mit einer unterdurchschnittlichen Kursentwicklung gerechnet werden.
Mit Blick auf einen ähnlich gelagerten Fall der Vergangenheit schätzt ein weiterer Analyst die drohende Strafe auf 2 Milliarden US-Dollar. Dies entspräche 6 Prozent des materiellen Buchwerts. "Noch schlimmer einzuschätzen wäre ein Entzug der New Yorker Banklizenz", teilt er die Einschätzung von Shore Capital. Außerdem sei der drohende Reputationsverlust kaum abzuschätzen.
Da es bislang lediglich eine Vorladung der Behörde für Standard Chartered gibt, zeigt sich der ein oder andere Marktteilnehmer aber auch eher entspannt. William Lo von Ample Capital glaubt nicht an existenzbedrohende Auswirkungen der Untersuchung. Er hält eine Einigung für den wahrscheinlichsten Ausgang und sieht in dem Kursrückgang sogar eine Handelschance mit dem Papier.
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August 07, 2012 05:43 ET (09:43 GMT)
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