Nach wie vor ist die Finanzkrise in der Eurozone eine der größten Herausforderungen für die Versicherer. Die Kapitalausstattung im europäischen Erstversicherungsmarkt ist jedoch gut, so ein neuer Bericht von A.M. Best Co.
Der Sonderbericht mit dem Titel: "European Non-Life Sector Faces Further Economic Uncertainty" (Weitere wirtschaftliche Ungewissheit für die europäische Schaden- und Unfallbranche) handelt von den Ergebnissen der beiden Stresstests, die A.M. Best im Dezember 2011 und Juni 2012 an allen Rück- und Erstversicherern mit Sitz oder signifikanten Geschäftstätigkeiten in der Eurozone durchgeführt hatte. Der Bericht beschreibt auch die Aussichten für europäische Versicherungsgesellschaften und erklärt, dass A.M. Best an seiner negativen Einschätzung der europäischen Versicherungsbranche festhält, da es eher unwahrscheinlich ist, dass die Strukturprobleme der Eurozone bald gelöst werden.
Stefan Holzberger, Geschäftsführer, Analysen, sagte: "Trotz Bilanzsorgen können die meisten Unternehmen weiterhin gute Fundamentalwerte im operativen Geschäft vorweisen. Obwohl es 2011 in verschiedenen Teilen der Welt extreme Katastrophenschäden gegeben hatte, wurde eine gesunde Ertragslage gemeldet, und so blieb es auch 2012. Die europäischen Erstversicherer scheinen auch weiterer Verschlechterung und Volatilität standhalten zu können. Sollten sich die Verhältnisse allerdings noch weiter verschlechtern als in den Stresstests angenommen, könnten negative Bewertungsrevisionen erforderlich werden."
Dem Bericht zufolge versuchen die europäischen Versicherer die Tarife anzuheben. Bei der derzeitigen Preisgestaltung sind die Gewinnmargen im Versicherungsgeschäft passabel. Die Höhe der Rückstellungen ist stabil und die moderaten Rücklagenauflösungen kommen den Einnahmen zugute.
Sam Dobbyn, stellvertretender Direktor, Analysen, fügte jedoch hinzu: "A.M. Bests größte Sorge bezüglich der europäischen Erstversicherer betrifft die drastischen Auswirkungen, die die makroökonomischen Bedingungen auf die Bilanzen eines Versicherers haben könnten. So könnte ein Unternehmen zum Beispiel unter starken Druck geraten, wenn Staatsanleihen eines großen europäischen Staats abgeschrieben werden müssten oder ein derzeitiges Mitglied der Eurozone ausschiede und die Folgen dieses Ausstiegs auf andere Länder übergriffen. Zurzeit hält A.M. Best keines der genannten Szenarien für wahrscheinlich. Sollten sie jedoch eintreten, so würde die Branche dadurch extrem in Mitleidenschaft gezogen."
Yvette Essen, Autorin des Berichts und Direktorin für Branchenforschung in Europa und den Schwellenmärkten, ergänzte: "2012 werden sich die Konjunkturbedingungen in der Eurozone weiter verschlechtern. Die früheren Prognosen, dass die Konjunktur sich erholen werde, haben sich als zu optimistisch erwiesen."
Der Bericht verweist auf weitere Risiken bezüglich der Fähigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB), ihr Anleihenkaufprogramm in vollem Umfang durchzuführen, da der Plan auf politischen Widerstand stoßen könnte. Kurzfristig mag zwar Abhilfe geschaffen werden, doch an den fundamentalen langfristigen Problemen, die zur Krise der Eurozone beigetragen haben, zum Beispiel an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder gegenüber den nordeuropäischen, hat sich nichts geändert.
Eine kostenlose Kopie des Berichts finden Sie unter www.ambest.com/press/102602germannonlife.pdf.
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