Von Hendrik Varnholt und Jürgen Hesse
Niedrige Preise, hohe Rohstoffkosten und eine teils schwache Auslastung haben Deutschlands zweitgrößtem Stahlkonzern Salzgitter im vergangenen Jahr stärker als erwartet zu schaffen gemacht: Der Konzern geriet nach vorläufigen Zahlen noch tiefer als im ohnehin schon schwierigen Vorjahr in die Verlustzone. Für das angefangene Jahr allerdings verspricht Salzgitter Erholung. Der Konzern will durch ein Sparprogramm und unter anderem dank einer besseren Auslastung im Röhrengeschäft vor Steuern "nahe" an ein ausgeglichenes Ergebnis heranrücken.
Die Verbesserung scheint dringend nötig: Wie Salzgitter am Freitag berichtete, ist im vergangenen Jahr unter dem Strich ein Verlust von 490 Millionen Euro nach Steuern angefallen, nach einem Fehlbetrag von 100 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten nicht mit so schlechten Zahlen gerechnet: Sie schätzten den Verlust im Durchschnitt auf 397 Millionen Euro. Auch vor Steuern fiel die Entwicklung mit einer Ausweitung des Verlusts von 29 Millionen Euro auf 478 Millionen Euro drastisch aus.
Salzgitter treffen die Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt damit besonders heftig. Ein Grund dafür ist, dass das norddeutsche Unternehmen stark von den Preisen für Baustahl abhängig ist. Vor allem in Südeuropa ist die Nachfrage etwa nach Stahlträgern seit einiger Zeit gering. Das drückt die Preise auch in Deutschland derart, dass sie für Salzgitter und andere Stahlkonzerne nicht mehr auskömmlich sind. Auch der Umsatz von Salzgitter schrumpfte: Die Erlöse gingen um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,2 Milliarden Euro zurück.
Vom Stahlmarkt hat sich Salzgitter bislang kaum Besserung erhofft: Die Stahlkrise könne schlimmstenfalls noch sieben Jahre andauern, hatte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann dem Wall Street Journal Deutschland im September gesagt. Der Konzern reagiert mit dem Sparprogramm "Salzgitter 2015", das die jährlichen Kosten um etwa 200 Millionen Euro senken soll.
Zudem dürfte der im Januar erteilte Auftrag zur Lieferung von Teilen der Southstream-Pipeline bei der Salzgitter-Beteiligung Europipe für bessere Geschäfte sorgen. Der Konzern stellte unter anderem deshalb nun für das Gesamtjahr 2014 ein deutlich gesteigertes Vorsteuerergebnis nahe dem Breakeven in Aussicht. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll "moderat positiv" ausfallen. Beim Umsatz will das Unternehmen wieder die Marke von 10 Milliarden Euro erreichen.
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February 28, 2014 01:50 ET (06:50 GMT)
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