Die Auflösung der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria belastet den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) noch mehr als bislang erwartet. Im ersten Quartal schrieb die Deutsche Pfandbriefbank, in der das HRE-Kerngeschäft gebündelt ist, den Wert ihrer Forderungen um weitere 79 Millionen Euro ab. Damit folgte die verstaatlichte Bank einer Empfehlung der Finanzaufsichtsbehörden, die den betroffenen Banken Abschreibungen in Höhe von 50 Prozent ihrer Engagements bei der österreichischen Abwicklungsanstalt der Hypo Alpe Adria nahegelegt hatte.
Auch andere deutsche Banken, die von dem Debakel in Österreich betroffen sind, dürften wegen der Ansage der Europäischen Zentralbank (EZB) in den kommenden Wochen noch einmal den Rotstift ansetzen.
Österreich hatte die Hypo Alpe Adria im vergangenen Jahr aufgelöst und die Reste in eine Abwicklungsanstalt namens Heta gegeben. Nachdem dort ein Milliardenloch auftauchte, wurde auch diese Abwicklungsanstalt Anfang März stillgelegt, und Schuldenauszahlungen an die Gläubiger wurden gestoppt. Davon sind etliche deutsche Banken und Versicherer betroffen, die nun um Forderungen in jeweils dreistelliger Millionenhöhe bangen. Seit Wochen sorgt das Vorgehen im Nachbarland für Empörung im deutschen Finanzwesen. Erste Klagen wurden bereits beim Landgericht Frankfurt eingereicht.
Die Pfandbriefbank hatte bislang nur 30 Prozent auf ihr Engagement in Österreich abgeschrieben. Dadurch schmolz der Jahresgewinn für 2014 bereits um 120 Millionen Euro zusammen. Für das erste Quartal erwartet die Pfandbriefbank aber trotz der weiteren Wertkorrekturen einen Gewinn vor Steuern von 45 Millionen Euro nach 38 Millionen Euro im Vorjahr, wie sie am Mittwochabend mitgeteilt hatte.
Die Hypo Real Estate hatte nach ihrer Notverstaatlichung 2009 milliardenschwere Altlasten in eine Bad Bank ausgelagert und tritt inzwischen in ihrem Kerngeschäft als Deutsche Pfandbriefbank am Markt auf. In diesem Jahr muss sie auf Druck der EU wieder privatisiert werden. Ein Bieterverfahren läuft bereits. In der ersten Runde hatten sich mehrere Interessenten gemeldet. Nun werden verbindliche Gebote gesammelt. Parallel dazu bereitet die Pfandbriefbank aber auch einen Börsengang vor. Ob sie letztlich verkauft oder an die Börse gebracht wird, dürfte sich in den nächsten Monaten entscheiden./dwi/DP/stb
AXC0083 2015-04-16/11:22
