Untergangspropheten malen das Bild eines Chinas, das kurz vor einer Mega-Rezession wie die USA im Jahr 1929 steht. Die 6,9 Prozent Wirtschaftswachstum für 2015 seien Lug und Trug. Und die in Wirklichkeit vorherrschende Konjunkturmalaise werde auch global streuen: China nimmt die ganze Welt in die Sippenhaft eines nachhaltigen Schrumpfungsprozesses.
Weniger Wachstum in China ist sogar gesund
Zugegeben, man muss kein ausgewiesener Wirtschaftsexperte sein, um zu wissen, dass diese Zahl hemmungsloses Wunschdenken ist. Wer die Handicaps im Export, bei Immobilien und in der Industrie sowie die verschuldungsbedingte Konsumbremse auch nur ungefähr kennt, weiß, dass solche Zahlen aus dem kommunistischen Märchenbuch sind, allerdings ohne Happy End.
Realistisch ist ein tatsächliches Wachstum in China zwischen drei und vier Prozent. Und ehrlich gesagt kann die Welt damit auch gut leben, ja sie sollte sogar froh darüber sein. Denn nachhaltiges Wachstum von knapp sieben Prozent führte zu einer schlimmen Überhitzung, die sich früher oder später in einem gewaltigen Platzen der Konjunkturblase entlüde. Und dann wäre ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft so sicher wie Reis und Essstäbchen im China-Restaurant.
Dem Land des Lächelns darf das Lachen nie vergehen, erst recht nicht der Welt
Wieso aber hält die KP Chinas an der Illusion von sieben Prozent Wachstum so stur fest? Es geht um gute Laune. Grundsätzlich weiß die KP, dass der Übergang von einer dynamisch wachsenden Industrie- und Exportgesellschaft zu einer nachhaltigen Dienstleistungs- und Konsumwirtschaft noch in keinem Land ohne Blut, Schweiß und Tränen geklappt hat. Auch in China gibt es heute Arbeits- und Perspektivlosigkeit. China muss mit kommunistischer Stimmungspropaganda durch die harte Zeit geführt werden. Es geht um die Illusion Chinas als Wachstumstempel, koste es, was es wolle. Ansonsten würden die Chinesen skeptisch, kämen ins Nachdenken und Nachdenken schadet zunächst der Illusion und später wird das Portemonnaie zugenagelt. Dem Volk soll der Ernst des Wirtschafts-Lebens mit frisierten Wirtschaftsperspektiven ebenso sanftmütig untergejubelt werden wie Schulanfängern die Bildungsnotwendigkeit mit einer prall gefüllten Schultüte.
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