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Wirtschaftskommentar des Mannheimer Morgen

Mannheimer Morgen kritisiert das neue Tourismus-Gesetz 
 
Überschrift: Die Nachteile überwiegen 
 
Die große Koalition macht Überstunden, um ja alle Gesetzesvorhaben noch vor der Sommerpause durch das Parlament zu bringen. Hauptsache abgehakt, lautet die Devise, bei der Schnelligkeit vor Genauigkeit geht. So beschloss der Bundestag tief in der Nacht zum Freitag auch ein neues Reiserecht, das einen großen Teil der deutschen Urlauber betreffen wird. 
Es stimmt zwar, dass Deutschland diese EU-Richtlinie umsetzen muss. Es ist aber auch richtig, dass damit noch genügend Zeit wäre, das Gesetz zu verbessern. Für Verbraucher überwiegen die Nachteile durch eine wesentliche Änderung. Die Reiseveranstalter dürfen die Preise mit mickrigen Begründungen bis zu 20 Tage vor dem Start um bis zu acht Prozent anheben. Bisher galt eine doppelt so lange Frist und ein maximal fünfprozentiger Aufschlag. 
Das macht bei einem Trip für 5000 Euro immerhin ein Preisrisiko von 400 Euro aus. Ob diese Möglichkeit von den Veranstaltern für Preiserhöhungen durch die Hintertür auf breiter Front genutzt wird, ist eher zweifelhaft. Der Wettbewerb in der Branche spricht dagegen. 
Verbraucherschützer kritisieren zu Recht auch, das Vertragsänderungen als akzeptiert gelten, wenn die Kunde nicht von sich aus widerspricht. Schließlich ist es auch nicht gelungen, die für Pauschalreisen geltenden Schutzrechte auf die Onlineportale auszudehnen, über die sich viele Urlauber die einzelnen Reisebausteine zusammenstellen. Als Vorteil nennt die Koalition auch, dass Schadenersatzansprüche aus einer Pauschalreise nun 24 Monate lang geltend gemacht werden können und nicht nur kurze Zeit nach dem Reiseende. 
Doch nützt dieser Passus nur denen, die es geradezu darauf anlegen, sich einen Teil des Reisepreises nach den Ferien wieder zurückzuholen. Gegeneinander aufgewogen sind die Nachteile deutlich größer als der Nutzen. Immerhin bleibt eine Hoffnung. Eine neue Regierung nach der Wahl könnte das Gesetz noch einmal ändern. Das wäre gut, denn auch der Bundesrat hat noch nicht zugestimmt. 
 
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(END) Dow Jones Newswires

June 02, 2017 13:51 ET (17:51 GMT)

© 2017 Dow Jones News
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