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Commerzbank: Euroraum-Inflation steigt langsam, aber stetig

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Anstieg der Inflation im Euroraum wird sich nach Einschätzung der Commerzbank in den nächsten beiden Jahren langsam, aber stetig fortsetzen. Dafür spricht die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Geldmenge, wie Volkswirt Michael Schubert in einer aktuellen Studie erklärt. Dieser Befund stützt nach seiner Aussage die Haltung der geldpolitischen "Falken" im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Beendigung der ultralockeren Geldpolitik fordern.

Die Commerzbank hat untersucht, ob der Zusammenhang zwischen messbaren Größen wie Arbeitslosigkeit und Geldmenge und künftiger Inflation noch der gleiche ist wie früher. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Zusammenhang noch existiert und folgert daraus, dass der Inflationstrend für 2018 und 2019 nach oben zeigt - "selbst wenn unterstellt wird, dass die Geldmengendynamik nicht weiter zunimmt und die Arbeitslosenquote nicht mehr fällt", wie Schubert schreibt.

Modellergebnisse geben "Falken" im EZB-Rat recht 
 

"Die Modellergebnisse unterstützen somit die Forderungen einiger Falken im EZB-Rat, in der Geldpolitik langsam den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, da der Inflationstrend nachhaltig nach oben weist - auch wenn die Dynamik nicht sonderlich stark ist", so Schubert weiter.

Nach seiner Einschätzung beruht die Geldpolitik der EZB auf systematisch überhöhten und deshalb immer wieder enttäuschten Inflationserwartungen. Schubert weist darauf hin, dass die Arbeitslosenquote im Euroraum viel stärker als früher von der EZB erwartet gesunken ist; gleichwohl habe die EZB einen deutlicheren Anstieg der Inflation erwartet.

"Wir haben simuliert, wie sich der Inflationstrend entwickelt hätte, wenn die Arbeitslosenquote in dem Ausmaß gesunken wäre, wie es die Notenbank zu Beginn der Anleihekäufe im März 2015 prognostiziert hatte", schreibt Schubert.

Annahmen der EZB waren zu optimistisch 
 

Der Tiefpunkt im Inflationstrend wäre dann erst im Sommer 2016 erreicht worden, und erst im Frühjahr 2018 wäre dieser Trend wieder über 1 Prozent gestiegen. "Tatsächlich hatte die EZB im März 2015 erwartet, dass die Inflationsrate 2016 schon durchschnittlich 1,5 Prozent beträgt, was angesichts der Modellschätzung als ziemlich unrealistisch erscheint", merkt der Volkswirt an.

Auch weil die EZB im Hinblick auf die Inflation zu wenig Geduld aufbringe, werde sie so langsam wie möglich aus ihrem Anleihekaufprogramm aussteigen und sich alle Optionen möglichst lange offen halten.

Der volkswirtschaftliche Stab der EZB rechnete im Juni für die Jahre 2017 bis 2019 mit Inflationsraten von 1,5, 1,3 und 1,6 Prozent. Neue Projektionen werden im Zuge der EZB-Ratssitzung am 7. September veröffentlicht. Volkswirte erwarten, dass zumindest die Prognose für 2017 weiter gesenkt wird, die im März noch bei 1,7 Prozent gelegen hatte. Die Commerzbank erwartet für 2017 und 2018 Inflationsraten von je 1,4 Prozent.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

August 29, 2017 07:37 ET (11:37 GMT)

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© 2017 Dow Jones News
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