Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die deutschen Banken sehen eine Fortsetzung der günstigen Wachstumsentwicklung in Deutschland und sagen für 2018 eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um "rund 2 Prozent" voraus. "Das Konjunkturbild für Deutschland zeigt sich in sehr hellen Farben", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer. "Der Aufschwung geht 2018 in sein fünftes Jahr." Die wirtschaftliche Grunddynamik bleibe erfreulich stabil. Die Arbeitslosenzahl werde im Durchschnitt des nächsten Jahres unter 2,5 Millionen sinken.
Der Bankenverband liegt mit seiner Prognose auf einer Linie mit den jüngsten Vorhersagen von Konjunkturforschern. Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute werden in ihrem am Donnerstag anstehenden Herbstgutachten eine positive Prognose stellen. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sehen sie für dieses Jahr laut Handelsblatt einen Anstieg des BIP von 1,9 und für das nächste Jahr von 2,0 Prozent.
Starken Rückhalt bekommt die deutsche Konjunktur nach der Einschätzung der Volkswirte der Banken vom Euroraum und der Weltwirtschaft. Im Euroraum gewinne der Aufschwung an Breite und das Wachstum der Weltwirtschaft bewege sich allmählich wieder in Richtung Normalmaß. Kemmer forderte vor diesem Hintergrund eine Normalisierung der Geldpolitik, die die immer noch sehr üppige Liquiditätsversorgung behutsam drosseln solle.
Da die Inflationsentwicklung im Euroraum hinreichend stabil sei, könne auch die Europäische Zentralbank (EZB) allmählich aus ihrem geldpolitischen Krisenmodus aussteigen, meinte er. Ein Ende der Negativzinspolitik sei "wünschenswert". Als Zwischenschritt schlage der Bankenverband einen Freibetrag für die Überschussliquidität der Geschäftsbanken vor, den die EZB einführen solle.
Mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl sah Kemmer die erste Herausforderung darin, "möglichst schnell eine stabile Regierung zu bilden". Eine Jamaika-Koalition biete dabei die Chance, zentrale Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Bildung und Integration in den Mittelpunkt der Regierungsarbeit zu rücken. Die künftige Regierung könne von einem kräftigen konjunkturellen Rückenwind profitieren, hob er hervor. Diesen sollte sie vorrangig für längerfristig wirksame Vorhaben wie eine Bildungsoffensive und eine Stärkung der öffentlichen und privaten Investitionen nutzen.
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September 27, 2017 05:05 ET (09:05 GMT)
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