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Europas Balanceakt, die Handels-Kuh vom Eis zu holen

Weder Macron noch Merkel konnten mit ihren Besuchen bei Gottvater Trump handelspolitisch punkten. Selbst der in Washington wie ein Popstar gefeierte französische Staatspräsident brachte nur die Erkenntnis mit, dass er vielleicht ein Schuppenproblem hat.

Zu lange hatte sich die EU eingebildet, dass Trump nur ein typischer Politiker ist: Im Wahlkampf auf die Protektionismus-Pauke hauen, um dann in der Amtszeit zur Handels-Geige zu greifen. Der Blick in die Biographie des US-Präsidenten hätte allerdings schnell klarmachen müssen, dass er nicht nur spielt, sondern es ernst meint. In der Personalie Trump hat sich Europa gnadenlos geirrt. Wofür werden politische Denkfabriken in Europa eigentlich gebraucht, wenn sie weniger Menschenkenntnis haben als der Friseur oder Obstverkäufer um die Ecke?

Alte deutsch-amerikanische Handels-Liebe rostet doch

Dafür wird Trump bei uns zwar vielfach gehasst. Doch das wirkt auf ihn wie Dünger bei Balkonblumen: Er lebt auf. Auf eine zukünftig wieder harmonischere Handelspolitik Amerikas sollte in Europa niemand setzen. Zunächst scheint Trump Gefallen an seinem Job gefunden zu haben. Er kann auch 8 Jahre Amtszeit vollmachen. Und sicherlich, die oppositionellen Demokraten kritisieren Trump von morgens bis abends wegen der vermeintlichen Einmischung Russlands in den Wahlkampf oder seines Privatlebens. Aber in puncto Handelsstreitigkeiten stellen sie sich nicht eindeutig auf die Seite des Freihandels und damit auf die von Europa. Am derzeitigen Buy America-Zeitgeist kommen auch sie nicht vorbei. Wir haben es wohl mit einem nachhaltigen handelspolitischen Strukturbruch zu tun. Die guten alten transatlantischen Zeiten kommen so wenig zurück wie die Jugend. Aus dem früher Europa-fürsorglichen Adler Uncle Sam ist ein Kuckuck geworden, der versucht, andere aus dem Nest zu werfen. Die alte westliche Nachkriegsordnung ist tot.

Und so werden die USA nicht mehr den weltweiten Konjunkturzug anschieben, auf den Europa und vor allem Deutschland außenhandelsseitig dann mit wenig eigenem Kohleneinsatz aufspringt. Ohnehin, wie die Bäume im Herbst ihre Blätter, verliert Europa immer mehr an geostrategischer Bedeutung. Früher im Kalten Krieg war Deutschland für die USA ein entscheidender Frontstaat, den man pflegen musste wie einen Hundewelpen. Heute dagegen gehören wir zwar zur westlichen Großfamilie. Doch fühlt sich Amerika von uns oft genug belästigt wie der Tortenliebhaber von Wespen auf der Obsttorte.

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