Von Manuel Priego-Thimmel
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Börsianer sehnen sich nach guten Nachrichten. Denn der eskalierende Handelskonflikt geht an die Substanz. Da kommt die gerade beginnende Berichtssaison gerade recht. Diese dürfte zwar besser als die für das erste Quartal gelaufen sein, da der Gegenwind durch den Euro geringer geworden ist. Allerdings ist davon auszugehen, dass in dem mit hohen politischen Unsicherheiten geprägten Umfeld die Unternehmen nur sehr vorsichtige Ausblicke liefern werden. Das wird den DAX deckeln.
Eigentlich sind die Voraussetzungen für eine gute Berichtssaison nicht schlecht. Nachdem der starke Euro den Unternehmen im ersten Quartal das Leben schwer gemacht hat, sieht es für das zweite Quartal besser aus. Nicht nur haben die Analysten ihre Gewinnerwartungen für die Unternehmen nach unten revidiert. Wie die Commerzbank anmerkt, lag der Euro/Dollar-Kurs zwischen April und Juni im Schnitt nur 7 Prozent über Vorjahresniveau - der Gegenwind von der Währungsseite hat also nachgelassen.
Trump hat im Handelskonflikt die besseren Karten
Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass die Berichtssaison den erhofften Befreiungsschlag liefern wird, der den DAX aus seiner Lethargie reißen könnte. Denn selbst wenn die Unternehmen bessere Zahlen vorlegen, so ist davon auszugehen, dass sie sehr vorsichtig in die Zukunft blicken werden. Angesichts eines Handelskonflikts, der immer mehr die Züge eines Handelskrieges annimmt, ist dies auch durchaus verständlich.
Dieser Zustand der Unsicherheit wird aller Voraussicht nach noch lange anhalten. US-Präsident Donald Trump agiert aus einer Position der Stärke heraus. Ein Handelskrieg würde die USA deutlich weniger belasten als China oder Europa, deren Wirtschaften sehr viel exportorienter ausgerichtet sind. Hinzu kommt, dass es in der US-Wirtschaft gegenwärtig rund läuft. Das dürften die in der kommenden Woche anstehenden US-Einzelhandelsumsätze sowie die Zahlen der Industrieproduktion unterstreichen. Die US-Steuerreform stützt zudem weiter.
Breite Seitwärtsbewegung im DAX dürfte anhalten
Anders sieht es in China aus. Die Commerzbank geht von enttäuschenden BIP-Zahlen für das zweite Quartal aus, die am Montag veröffentlicht werden. Die jüngsten harten Daten vermittelten ein recht gedämpftes Bild der Wirtschaftslage. Die Investitionen seien sehr niedrig ausgefallen, und das Einzelhandelsgeschäft verlaufe nur schleppend, heißt es. Die Analysten gehen davon aus, dass sich das Wachstum auf 6,6 von 6,8 Prozent verlangsamt hat. Das sind keine gute Voraussetzungen für einen langwährenden Handelskonflikt mit den USA.
Übersetzt man die Gemengelage für die Börsen heißt dies, dass sich der lethargische Handel fortsetzen wird. Strategisch ist der DAX derzeit kein Kauf trotz seiner moderaten Bewertung. Taktisch werden sich in Abhängigkeit der Nachrichtenlage immer wieder Chancen auf der Short- bzw Longseite ergeben. Übergeordnet dürfte die breite Seitwärtsspanne zwischen 11.800 und der 200-Tagelinie bei 12.778 Punkten weiter Bestand haben. Dabei überwiegen die Abwärtsrisiken bei einer Verschärfung der Lage hin zum einem Handelskrieg - dann droht dem DAX der Absturz.
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July 13, 2018 06:46 ET (10:46 GMT)
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