Von Christian Grimm
BERLIN (Dow Jones)--Die Autohändler in Deutschland haben im vergangenen Jahr wegen der Dieselkrise sinkende Profite verdauen müssen. Nach der Auswertung des Zentralverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) sank die Rendite gegenüber 2017 von 1,5 auf 1,3 bis 1,0 Prozent. Die nicht enden wollenden Diesel-Diskussionen und die Zulassungsprobleme der Hersteller bei dem neuen Abgastest "haben dem Automobilhandel arg zugesetzt", beklagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski in Berlin.
Druck auf die Erträge kommt ihm zufolge von den Umweltprämien zum Tausch älterer Diesel, von denen ein Teil von den Autohäusern zu tragen ist. Außerdem haben ältere Diesel mit der Abgasklasse Euro 5 wegen der Angst vor Fahrverboten deutlich an Wert verloren. Nach einer Umfrage des ZDK unter den Händlern seien die Wagen nur mit Abschlägen von 30 Prozent zu verkaufen. Auf den Höfen stehen derzeit 190.000 Euro-5-Modelle auf Halde.
Für das laufende Jahr erwartet der Verband ein Geschäft auf dem Niveau des Vorjahres.
Das Kfz-Gewerbe verlangte von den Autokonzernen Tempo bei der umfassenden Nachrüstung von Selbstzündern mit Harnstoffkatalysatoren. "An die Automobilhersteller richtet sich unser dringender Appell, jetzt mit den Anbietern von Nachrüstsystemen zu kooperieren", verlangte Karpinski. Noch gibt es keine vom Kraftfahrtbundesamt zugelassenes Nachrüstsets. Der Einbau der Katalysatoren wäre für die Branche eine willkommene Sonderkonjunktur.
Außerdem würde damit wohl der Preisverfall bei älteren Dieseln gebremst. Karpinski forderte sowohl eine Überprüfung der Grenzwerte für Stickoxide als auch der Standorte der Messstationen. Fahrverbote dürften nur die letzte Option sein, um die Luft in Städten zu verbessern.
Nach den Zahlen des ZDK setzten Autohäuser und Werkstätten im vergangenen Jahr 179 Milliarden Euro um und damit 2,6 Prozent mehr als 2017. Höhere Neuwagenpreise seien der Hauptgrund für das Umsatzplus. Von den Gesamterlösen stammen jeweils 66 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen.
Vergangenes Jahr gab es in der gesamten Republik 36.750 Kfz-Betriebe und damit 720 weniger. Sie beschäftigten 441.000 Mitarbeiter.
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February 14, 2019 05:35 ET (10:35 GMT)
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