(neu: mehr Details, Stellungnahme von Aktionär Krupp-Stiftung, Börsenreaktion)
ESSEN (dpa-AFX) - Der Industriekonzern Thyssenkrupp
Auch die Stahlsparte steht vor einer Umstrukturierung. Die Lage der Branche sei aktuell schlecht, sagte Kerkhoff. Im Zuge des geplanten Zusammenschlusses mit dem europäischen Stahlgeschäft von Tata Steel hatte der Konzern bereits den Abbau von 2000 Stellen angekündigt, die in dem neuen Restrukturierungsplan enthalten seien, so Kerkhoff.
Für die rund 27 000 Stahlarbeiter von Thyssenkrupp sei das Veto der EU-Kommission "ein harter Schlag", sagte Kerkhoff. Ihnen hätten die Fusion mit Tata "eine Zukunftsperspektive gegeben". Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht. Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Burkhard.
Thyssenkrupp hatte zuvor mitgeteilt, dass die seit mehr als einem Jahr angestrebte Stahlfusion mit Tata Steel voraussichtlich nicht zustande kommen werde. Man erwarte, dass die EU-Kommission die Fusion untersage. Kerkhoff zeigte sich enttäuscht und sprach von einem Rückschlag. Die Branche brauche eine Konsolidierung. So leide die Stahlindustrie unter erheblichen Überkapazitäten. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48 000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden.
Kerkhoff hat wegen der geplatzten Stahl-Ehe auch die geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter abgesagt. "Der Konzern bleibt als Ganzes erhalten", sagte er. Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff jetzt die profitable Aufzugsparte des Konzerns an die Börse bringen. Das hatten Investoren immer wieder gefordert. Dabei will der Konzern die Mehrheit an dem Unternehmen auch nach dem Börsengang behalten.
An der Börse feierten die Anleger vor dem Wochenende die neuen Pläne des Managements. Der geplante Börsengang der Aufzugsparte kam bestens an. Die zuletzt schwer angeschlagenen Papiere sprangen in der Spitze um mehr als 20 Prozent nach oben, am Nachmittag betrug das Plus zuletzt noch knapp 18 Prozent auf 13,23 Euro. Allerdings waren die Aktien am Vortag noch auf den niedrigsten Stand seit fast 16 Jahren abgesackt, nach monatelangen Verlusten.
Das Management von Thyssenkrupp will sich nun weiter nach Konsolidierungsmöglichkeiten in den Materialgeschäften umsehen. Man werde aber im Stahl sowie im Handel die Mehrheit behalten. Für andere Bereiche des Konzerns, zu dem auch Komponenten für die Automobilindustrie oder Anlagenbau gehören, kann sich Kerkhoff auch Partner vorstellen - auch in Teilbereichen.
Die Krupp-Stiftung, größter Aktionär bei Thyssenkrupp, sprach in einer Stellungnahme am Freitag von "einer herausfordernden Situation", in der alle Beteiligten gefordert" seien. Der Wunsch der Stiftung sei es, "dass das Unternehmen in allen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig aufgestellt ist, mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Dividendenfähigkeit", hieß es weiter. "Vor diesem Hintergrund werden wir die neuen Vorschläge bewerten."
Zu der Geschäftslage von Thyssenkrupp sagte Kerkhoff weitrer, diese liege unter den Erwartungen und sprach von einem "schwachen ersten Halbjahr". Thyssenkrupp will seine Zahlen für das zweite Quartal am kommenden Dienstag vorlegen./nas/hff/DP/tav/fba
ISIN DE0007500001 INE081A01012
AXC0198 2019-05-10/14:53
