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HINTERGRUND/Deutsche Autobauer fertigen schon jetzt massiv in Nordamerika

Von Al Root

WASHINGTON (Dow Jones)--Das US-Handelsministerium knöpft sich die Auslands-Autobauer vor. Toyota reagierte bereits mit einer scharf formulierten Replik. Wie lauten also die Fakten bei diesem umstrittenen Thema?

Der Anteil der US-Autobauer am heimischen Markt ist laut Ministerium von 67 Prozent 1985 auf nur noch 22 Prozent vor zwei Jahren eingebrochen. Toyota hält dagegen und argumentiert, dass sie Millionen Autos in den USA fertigt sowie dabei Hunderttausende Stellen schafft. Das Unternehmen fühlt sich nach eigenen Worten in den USA "nicht willkommen".

VW fertigt vor allem in Mexiko 
 

In diesem Fall scheinen beide Seiten über gute Argumente zu verfügen. So nimmt der Import von Autos in die USA zu, während die Binnenproduktion zurückgeht. Doch jeder international bedeutende Autokonzern fertigt zahlreiche Modelle in Nordamerika.

Toyota, Honda und Nissan etwa setzen Jahr für Jahr rund 6,6 Millionen Autos in den USA ab. Davon werden mehr als 70 Prozent in Nordamerika produziert. Alle drei kommen laut Ward's Automotive auf 22 Werke in Nordamerika.

Ford, Fiat Chrysler und GM setzen im Jahr rund 9 Millionen Autos in Nordamerika ab. Davon entstammt das absolute Gros aus heimischer Fertigung. Die drei Detroiter Konzerne betreiben Stand Ende 2017 zusammen 41 Fabriken in Nordamerika.

Bei den deutschen Autobauern ist das Bild differenzierter. VW kommt auf fünf Werke in Nordamerika, aber vier davon in Mexiko und nur eins in den USA, in Tennessee. VW fertigt 500.000 Autos in Nordamerika, was der Hälfte des dortigen Verkaufsvolumens entspricht. Doch das meiste kommt aus Mexiko.

Konzernstrategien nutzen Vorteile der Nafta aus 
 

BMW hat in South Carolina eines seiner größten Auslandswerke. In den USA stellt der Münchner Produzent rund 75 Prozent der verkauften Autos auch dort her. Allerdings überkreuzen sich im Konzern die Wege. Aus South Carolina stammen SUV und Crossovers. Andere Werke des Konzerns außerhalb der USA liefern die Limousinen. Diese Fertigungsstrategie fußt auf einer Welt mit Freihandel.

Daimler beschäftigt in Nordamerika rund 26.000 Menschen und baut mehr als 300.000 Autos allein in den USA, was in etwa bei 60 Prozent des Verkaufsvolumens liegt.

Unter dem Strich können Japan und Deutschland nichts für die Produktionsrückgänge in den USA. Sie sind am Ende Folge der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta). So werden die meisten dieser Autos in die USA aus Mexiko und Kanada importiert. Nur rund 20 Prozent der in Mexiko hergestellten Autos werden dort auch verkauft. In Kanada sind es gar nur etwa 12 Prozent.

Letztlich könnten die Verbraucher höhere Preise zu spüren bekommen 
 

Selbst GM und Ford berichten über Nordamerika als Ganzes in ihren Konzernberichten. Sowohl in Kanada als auch in Mexiko haben sie umfangreiche Produktionskapazitäten. Sollte das Weiße Haus den Fahrzeug-Import begrenzen, dürften die Preise zulegen. Am Ende ist es so, dass auch inländisch gefertigte Autos importierte Teile brauchen. So käme keiner der entsprechenden Schritte Washingtons um weiteren Gegenwind für die US-Autonachfrage herum.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/smh

(END) Dow Jones Newswires

May 22, 2019 05:47 ET (09:47 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.

© 2019 Dow Jones News
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