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MÄRKTE EUROPA/Uneinheitlich - Immobilienaktien unter Druck

Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Börsen setzt sich am Dienstagmittag keine einheitliche Tendenz durch. Nach zwei Tagen mit kräftig erholten Kursen präsentiert sich der Handel mit angezogener Handbremse. DAX und Euro-Stoxx-50 können sich gut behaupten: Der DAX zieht um 0,1 Prozent an auf 11.731 Punkte, der Euro-Stoxx-50 um 0,2 Prozent auf 3.375 Punkte. Während die Aktien der Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs und Pharmatitel europaweit gefragt sind, stehen Versorger-, Luftfahrt- und Bankenaktien unter Druck. In Deutschland geben Immobilienaktien kräftig nach.

Für den Immobiliensektor ist es kein guter Tag, denn laut Beschluss des Bundesverfassungserichts verstößt die Mietpreisbremse nicht gegen das Grundgesetz. Die Regelungen verstoßen demnach weder gegen die Eigentumsgarantie noch gegen die Vertragsfreiheit oder den allgemeinen Gleichheitssatz. Der Index der deutschen Immobilienaktien verliert darauf 1,4 Prozent. Unter den Einzelwerten fallen Vonovia um 1,5, LEG um 2,5 und Ado 1,5 um Prozent.

Deutsche Wohnen geben um 2,4 Prozent nach. Vorbörslich hatte noch die Nachricht über den Verkauf eines Portfolios für etwa 615 Millionen Euro den Kurs gestützt.

Italia vor Conte-Rede "molto nervosa" 
 

Etwas zurück bleibt der italienische Aktienmarkt. Der FTSE-MIB fällt um 0,4 Prozent, und die Renditen der Anleihen steigen. Das drückt besonders auf die Kurse der Banken. Unicredit fallen um 1,7 und Intesa Sanpaolo um 0,8 Prozent. In Mailand macht sich zunehmend Nervosität breit, und nicht nur dort warten die Akteure gespannt auf Italiens Regierungschef Giuseppe Conte, der sich um 15.00 Uhr vor dem Senat zur politischen Krise im Land äußert.

Die Tage der Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechtsradikaler Lega dürften gezählt sein. Unklar ist, wie es dann weitergeht. Schnelle Neuwahlen wie von Lega-Chef Salvini gefordert und erhofft oder die Bildung einer wie immer gearteten Übergangsregierung. Aus der Fünf-Sterne-Bewegung und von den oppositionellen Demokraten gibt es Signale, eine neue Regierung zu bilden.

Gesucht sind in diesem Umfeld als sichere Häfen Anleihen anderer europäischer Staaten, vor allem deutsche. Die Zehnjahresrendite sinkt deswegen von minus 0,65 auf minus 0,69 Prozent.

Auch sonst bleibt die Zinsperspektive bestimmendes Thema 
 

Daneben rückt das Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole immer mehr in den Fokus der Marktteilnehmer. Am Freitag wird dort US-Notenbankchef Jerome Powell sprechen und Börsianer erhoffen sich Hinweise über den weiteren Zinskurs. Eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte im September wird am Zinsterminmarkt mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingepreist. Daneben beschäftigt die Anleger die Frage, ob es die US-Notenbank bei einer Senkung belassen wird oder ein Zinssenkungszyklus eingeleitet wird.

US-Präsident Donald Trump hat unterdessen erneut eine Zinssenkung gefordert, und zwar gleich um 100 Basispunkte. Der US-Präsident hat zudem Jerome Powell einen "horrenden Mangel an Weitsicht" vorgeworfen.

Spekulation um nachgebessertes Gebot treibt Osram-Aktie 
 

Osram reagieren mit einem Anstieg von 1,8 Prozent auf 35,29 Euro auf einen Bloomberg-Bericht, laut dem die Investoren Bain und Carlyle eine Erhöhung ihres Gebots von 35 Euro je Aktie in Erwägung ziehen. Neu ist die Spekulation nicht, sie ging bereits mit Bekanntwerden der Gegenofferte von AMS für Osram durch die Handelsräume. AMS bietet 38,50 Euro. AMS steigen um 0,8 Prozent.

BHP verlieren 0,9 Prozent nach Vorlage der Geschäftszahlen. Der Minenbetreiber hat im Geschäftsjahr 2018/19 so viel verdient wie zuletzt vor fünf Jahren und will die Aktionäre mit einer Rekorddividende von 1,33 US-Dollar bedenken. Einige Analysten hatten aber noch mehr erwartet, zum Beispiel eine Sonderdividende.

Lufthansa bleiben unter Druck und verlieren 1,8 Prozent. Die Stimmung für die Aktie bleibt angeschlagen. Überkapazitäten und ein schwieriger Heimatmarkt drücken. Daneben verlieren aber auch Ryanair, Easyjet und IAG ähnlich stark.

Bayer mit Verkauf der Tiergesundheitssparte leicht im Plus 
 

Dagegen ziehen Bayer um 0,5 Prozent an. Bayer hat den Verkauf der Sparte Tiergesundheit unter Dach und Fach gebracht. Wie der DAX-Konzern mitteilte, verkauft er den Bereich für 7,6 Milliarden US-Dollar an Elanco Animal Health. Elanco zahlt 5,3 Milliarden Dollar in bar und 2,3 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Der Verkauf war allgemein erwartet worden.

Nach besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen geht es für Datagroup um 1,2 Prozent nach oben und für Helma Eigenheimbau um 2,1 Prozent. GK Software fallen mit einer Kapitalerhöhung um 2,4 Prozent auf 64,40 Euro.

Pfund und Lira unter Druck 
 

Am Devisenmarkt steht das Pfund unter Druck und fällt zu Euro wie Dollar zurück. Immer mehr Banken gehen in ihrem Hauptszenario nun davon aus, dass Großbritannien Ende Oktober ohne Folgeabkommen aus der EU ausscheiden wird. Mit anderen Worten: Ein harter Brexit wird als immer wahrscheinlicher angesehen. Komme es Ende Oktober tatsächlich zu einem "No-Deal-Brexit", könne die britische Währung durchaus um weitere 10 Prozent abwerten, heißt es von der Commerzbank.

Verluste verzeichnet auch die türkische Lira. Sie war bereits am Vortag unter Druck geraten in Reaktion auf eine Lockerungsmaßnahme der türkischen Notenbank und verliert nun weiter an Boden. Dies sei die falsche Zeit für expansive Schritte, heißt es von der Commerzbank mit Blick auf die weiter zu hohe Inflation in dem Land. Die Notenbank in der Türkei steht unter starkem politischen Druck, denn Präsident Erdogan fordert immer wieder niedrigere zinsen. Vor wenigen Wochen hatte er deswegen den Notenbankchef ausgetauscht und kurz darauf auch leitende Mitarbeiter der Bank.

Aktienindex              zuletzt      +/- %     absolut  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50           3.371,23       0,06        2,04      12,32 
Stoxx-50                3.102,39       0,27        8,27      12,40 
DAX                    11.712,67      -0,02       -2,70      10,93 
MDAX                   25.194,82       0,08       18,95      16,71 
TecDAX                  2.757,01       0,18        4,96      12,52 
SDAX                   10.531,00       0,06        6,44      10,75 
FTSE                    7.223,52       0,47       33,87       6,86 
CAC                     5.379,43       0,15        7,88      13,72 
 
Rentenmarkt              zuletzt                absolut    +/- YTD 
Dt. Zehnjahresrendite      -0,69                  -0,04      -0,93 
US-Zehnjahresrendite        1,57                  -0,04      -1,11 
 
 
DEVISEN                  zuletzt      +/- %    Di, 8:15  Mo, 17:14    % YTD 
EUR/USD                   1,1083     +0,03%      1,1083     1,1097    -3,3% 
EUR/JPY                   117,85     -0,23%      118,02     118,18    -6,3% 
EUR/CHF                   1,0851     -0,22%      1,0866     1,0882    -3,6% 
EUR/GBP                   0,9177     +0,46%      0,9143     0,9143    +2,0% 
USD/JPY                   106,33     -0,26%      106,48     106,51    -3,0% 
GBP/USD                   1,2078     -0,41%      1,2122     1,2138    -5,4% 
USD/CNY                   7,0614     +0,15%      7,0638     7,0498    +2,7% 
Bitcoin 
BTC/USD                10.689,50     -0,18%   10.770,75  10.680,75  +187,4% 
 
 
 
ROHOEL                   zuletzt  VT-Settl.       +/- %    +/- USD    % YTD 
WTI/Nymex                  56,03      56,21       -0,3%      -0,18   +17,1% 
Brent/ICE                  59,76      59,74       +0,0%       0,02    +8,1% 
 
METALLE                  zuletzt     Vortag       +/- %    +/- USD    % YTD 
Gold (Spot)             1.504,30   1.495,30       +0,6%      +9,00   +17,3% 
Silber (Spot)              17,02      16,89       +0,8%      +0,13    +9,8% 
Platin (Spot)             851,02     852,15       -0,1%      -1,13    +6,8% 
Kupfer-Future               2,58       2,60       -0,7%      -0,02    -2,3% 
 

DJG/hru/gos

(END) Dow Jones Newswires

August 20, 2019 06:38 ET (10:38 GMT)

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