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Wer hat im transatlantischen Aktienvergleich die Nase vorn?

Absolut betrachtet glänzen europäische Aktien mit einem robusten Börsenjahr 2019. Doch wie stehen sie gegenüber der US-Konkurrenz da, vor allem perspektivisch? Aufgrund eines wenig gemeinschaftlichen Auftretens der EU, ihrer geostrategischen Schwächen und einer schon sprichwörtlichen Reformfaulheit hieß es bei internationalen Aktienanlegern bislang "America First". Erschwerend kommt für die exportorientierte Region Europa die bis dato schwache weltkonjunkturelle Entwicklung hinzu. Immerhin verbreiten zuletzt versöhnlichere Handels-Töne wieder etwas mehr Hoffnung für europäische Titel. Aber kann Aktien-Europa mehr als nur einen Nachholeffekt zeigen?

Endlich Handelsentspannung?

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow versprühte zuletzt Handelsoptimismus: Demnach seien die USA und China in engem Kontakt und ein Abkommen könne schon bald geschlossen werden, die Stimmung sei ziemlich gut. Auch US-Präsident Trump betonte vor dem New Yorker Wirtschaftsclub erneut, es könne bald ein erstes Teil-Handelsabkommen mit China geben. Allerdings ernüchterte er die Finanzmärkte mit der Aussage, dass es nur einen für Amerika positiven Deal mit China geben wird. Anderenfalls drohen deutliche Zollerhöhungen auf chinesische Importe. An der EU lässt Trump ebenso kein gutes Haar, die er "in vielerlei Hinsicht schlimmer als China" bezeichnet.

Da die vermeintlich schlechte Behandlung Amerikas in Außenhandelsfragen ein populäres Wahlkampfthema ist, müssen sich die Börsen bis zur Präsidentschaftswahl im November weiter auf dieses Trumpsche Säbelrasseln einstellen. Hinter dieser scheinbar unnachgiebigen Fassade des Handelskriegers Trump findet sich jedoch auch schnöder Realitätssinn. Da Trump wiedergewählt werden will, muss er handelsseitige Reibungsverluste auch für die US-Konjunktur und die amerikanischen Aktienmärkte im Auge behalten und frühzeitig Friedenselemente einbauen.

Immerhin ist es wahrscheinlich, dass die von der US-Regierung angedrohten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf europäische Autos zunächst nicht erhoben werden. In sechs Monaten würde die US-Administration erneut prüfen, ob die europäischen Autohersteller die versprochenen Investitionsausweitungen in ihre US-Standorte auch wirklich umsetzen und 75 Prozent ihrer Autoteile anstatt bislang 62 bis 70 Prozent aus der nordamerikanischen Freihandelszone beziehen. Grundsätzlich werden deutsche Autohersteller gerne Produktionsausweitungen in den USA vornehmen. So verlaufen ihre Umsätze in den USA handelspolitisch reibungslos, langfristig wiegen Einsparungen bei Logistikkosten den Investitionsmehraufwand in Amerika auf und im Vergleich zu Deutschland günstigere US-Unternehmenssteuern kommen auch noch hinzu.

Die weltkonjunkturell sich verschärfende Gefahr einer sich gegenseitig hochschaukelnden Zollspirale zwischen Amerika und China bzw. der EU ist zwar vorläufig gebannt. Die große Bringschuld bleibt aber eine zumindest Teilbefriedung in den Handelskriegen. Einige Frühindikatoren sind hier bereits hoffnungsfroh. Laut ifo Institut jedoch driftet die Weltkonjunktur im IV. Quartal 2019 insbesondere wegen einer verschlechterten Lageeinschätzung noch weiter in Rezessionsterrain ab.

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