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IWH sieht 1,1% BIP-Wachstum für 2020 und 1,6% für 2021

Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht "Deutschland zunächst weiter im Abschwung". Das erklärte das Institut in seiner jüngsten Konjunkturprognose. Darin sagten die Ökonomen eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,1 Prozent in diesem Jahr und 1,6 Prozent im nächsten Jahr nach einem Plus von 0,5 Prozent in diesem Jahr voraus.

Die Weltwirtschaft ziehe wieder etwas an, weil der Gegenwind von den Handelskonflikten nachlasse. "In Deutschland erholt sich die Industrie aber nur langsam", erklärte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Ohne eine besonders hohe Zahl an Arbeitstagen wäre die Zunahme 2020 noch geringer - arbeitstäglich bereinigt sind es lediglich 0,7 Prozent.

"Alles in allem ist mit einer langsamen Belebung der deutschen Wirtschaft im Laufe des Jahres 2020 zu rechnen", erklärte das Institut. Im Winterhalbjahr bleibe die Konjunktur aber noch schwach. So sprächen die Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe lediglich für eine Stabilisierung der Produktion, und der weitere Rückgang der Industrieproduktion im Oktober deute auf ein erneut schwaches viertes Quartal 2019 hin.

Allmählich dürfte der Produktionszuwachs nach den Berechnungen des IWH etwas anziehen und in der zweiten Jahreshälfte 2020 in etwa wieder die Potenzialwachstumsrate erreichen. Angesichts des nunmehr schon länger andauernden Abschwungs dürften die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten mittlerweile unterausgelastet sein. Erst für das Jahr 2021 sei damit zu rechnen, dass sich die Unterauslastung der Kapazitäten wieder verringere.

Auslandsnachfrage weiter schwach 

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter im Abschwung", konstatierten die Ökonomen. Ursache sei im Wesentlichen eine schwache Auslandsnachfrage nach Produkten des verarbeitenden Gewerbes, bedingt durch die von den USA ausgehenden protektionistischen Tendenzen und den bevorstehenden Brexit. Als ein weiterer Faktor kämen die Probleme im Automobilbau hinzu, denn die Branche stehe mit dem technologischen Schwenk zum Elektroantrieb am Beginn eines drastischen Strukturwandels.

Im Jahr 2020 dürfte eine leichte Belebung der internationalen Konjunktur die Nachfrage nach Industriegütern und damit den deutschen Export wieder anziehen lassen. Die Exporte sollen 2020 um 3,3 Prozent und 2021 um 4,0 Prozent zunehmen nach einem Plus von 1,2 Prozent im Jahr 2019. Die Importe sollen dieses Jahr um 3,8 Prozent und nächstes um 4,7 Prozent wachsen nach 2,4 Prozent dieses Jahr. Auf der anderen Seite stabilisierten die recht deutlichen Lohnzuwächse die binnen-wirtschaftliche Nachfrage.

Das wichtigste Konjunkturrisiko sehen die Ökonomen des IWH in einer erneuten Zuspitzung der Handelskonflikte zwischen den USA und China oder der Europäischen Union. Ein Risiko speziell für die deutsche Konjunktur bestehe darin, dass der Strukturwandel in der Automobilindustrie mehr gutbezahlte Arbeitsplätze koste und mehr Unternehmen aus dem Markt dränge als für die Prognose unterstellt. "Der Kaufkraftrückgang, der mit einer Krise des Automobilsektors verbunden wäre, könnte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Deutschland spürbar dämpfen", so das IWH.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

(END) Dow Jones Newswires

December 12, 2019 07:00 ET (12:00 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.

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