BERLIN (Dow Jones)--Der finnische Energieversorger Fortum hat einen Vorschlag seines Anteilseigners World Wide Fund for Nature (WWF) für einen schnelleren Kohleausstieg abgelehnt. Die Empfehlung habe der Aufsichtsrat "nach eingehender Überprüfung und Abwägung" der Vorschläge gegeben, erklärte das Staatsunternehmen in Helsinki. Mehr als 80 Prozent von Fortums Emissionen kämen von Russland, "wo die Energieproduktion noch immer sehr stark von fossilen Brennstoffen abhängt". Die Anlagen dort seien überwiegend gasbefeuert und die "neuesten und effizientesten" in ihrer Vergleichsgruppe.
WWF Finnland hatte während der Fortum-Aktionärsversammlung Anfang des Monats angeregt, das Ziel des Pariser Klimaabkommens in die Unternehmenssatzung aufzunehmen. Der Vertrag von 2015 verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, die Erderwärmung auf bestenfalls 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Der Energiekonzern müsse ab der Aktionärsversammlung 2021 regelmäßig Rechenschaft über Fortschritt und Umsetzung des Ziels ablegen, forderte der WWF.
Fortum erklärte indes, das 1,5-Grad-Ziel würde für die OECD-Staaten und Russland "mit wenigen Ausnahmen" ein Kohle-Aus bis 2031 bedeuten. Zudem müsse sich das Unternehmen der Science Based Targets Initiative (SBTI) anschließen, also der Verpflichtung, sich innerhalb ein wissenschaftsbasiertes Klimaziel zu setzen. Laut WWF haben sich weltweit bereits 805 Firmen dieser Initiative angeschlossen. Fortum erklärte, 95 Prozent der eigenen Emissionen diesem SBTI-Plan zu unterwerfen, sei in Russland "kurzfristig nicht möglich".
Wegen seiner Investitionen in den Düsseldorfer Energiekonzern Uniper SE sei der finnische Konzern zudem "mitten in einer Transition" und könne für die gemeinsamen Portfolios von Uniper und Fortum keine langfristigen Ziele setzen, die in Übereinstimmung mit den SBTI-Zielen stünden. Zudem würde der WWF-Vorschlag Fortum von seinem Zweck abhalten, "langfristig Profite für seine Aktionäre zu erwirtschaften". Fortums größter Aktionär ist mit 50,8 Prozent der finnische Staat.
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February 24, 2020 07:19 ET (12:19 GMT)
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