Von Andrew Tangel
CHICAGO (Dow Jones)--Boeing-CEO David Calhoun will auf finanzielle Hilfen des Steuerzahlers in Form einer Staatsbeteiligung verzichten. "Ich brauche keine Kapitalbeteiligung des Staates", sagte Calhoun am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox Business Network. "Wenn sie dies erzwingen, würden wir uns einfach alle anderen Optionen ansehen, und wir haben genug davon." Unterdessen machte sich der Internationale Luftverkehrsverband IATA für möglichst schnelle Unterstützung der Branche stark.
Calhouns Äußerungen müssen vor dem Hintergrund gesehen werden, dass der US-Kongress über Einzelheiten eines staatlichen Hilfspakets im Volumen von mehr als 1,6 Billionen Dollar verhandelt, das die wirtschaftlichen Folgen der sich immer weiter verschärfenden Coronavirus-Pandemie abmildern soll. Das Paket könnte Firmen wie Boeing und US-Fluggesellschaften zugutekommen und Arbeitsplätze sichern.
Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 hatte das Finanzministerium sich über das TARP-Programm direkt an Banken beteiligt.
Calhoun ist gegen ein solches Vorgehen in der aktuellen Krise. Er sprach sich stattdessen für die Vergabe von öffentlich finanzierten Krediten an Unternehmen aus. "Ich möchte, dass sie die Kreditmärkte unterstützen, Liquidität bereitstellen und es uns ermöglichen, Kredite für unsere Zukunft aufzunehmen, an die wir alle sehr sicher glauben", sagte der Manager.
Als Reaktion auf die Liquiditätsverluste hat Boeing bereits seine Quartalsdividende ausgesetzt und eine Kreditlinie in Anspruch genommen. Das Unternehmen bemüht sich um mindestens 60 Milliarden Dollar an öffentlichen und privaten Geldern für sich selbst, seine Zulieferer und die Luftfahrtindustrie insgesamt. Am Montag erklärte Boeing, die Produktion im Raum Seattle werde für zwei Wochen eingestellt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Calhoun ist nach eigenem Bekunden zuversichtlich, dass sich die Luftfahrtbranche schneller erholen wird, als es die schlimmeren Prognosen vorhersagen.
Die großen US-Airlines arbeiten nach einem Bericht des Wall Street Journal an Plänen für einen freiwilligen Stopp fast aller Passagierflüge in den USA. Die Zeitung zitiert Vertreter der Branche und der US-Regierung. Auch die Behörden erwägen danach die Anordnung eines solchen Schrittes. Endgültig entschieden haben sich den Informanten zufolge weder die Carrier noch das Weiße Haus.
Am Dienstag hat die IATA ihre neueste Prognose für den weltweiten Flugverkehr vorgelegt. Danach wird dieser 2020 um 38 Prozent sinken und bei den Fluggesellschaften zu Umsatzeinbußen von insgesamt 252 Milliarden Dollar führen. Das ist das Doppelte wie zuvor geschätzt. IATA drängt weltweit Regierungen dazu, die Luftfahrtbranche zu unterstützen.
"Wir brauchen ein großes Rettungspaket jetzt", sagte IATA-Chef Alexandre de Juniac in einer Telefonpressekonferenz. Weltweit bräuchten die Fluggesellschaften rund 200 Milliarden Dollar an Hilfen, um ihre Fixkosten zu decken.
(Mitarbeit: Doug Cameron)
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March 24, 2020 10:50 ET (14:50 GMT)
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