BERLIN (Dow Jones)--Der Chef der fünf Wirtschaftsweisen, Lars Feld, hat sich für eine Staatsbeteiligung des Bundes an der Lufthansa stark gemacht. "Es bietet die Chance, ohne Insolvenz der für Deutschland so wichtigen Fluggesellschaft durch die Krise zu kommen. Vorzuziehen ist eine stille Beteiligung des Bundes", sagte er dem digitalen Wirtschaftsmagazin Business Insider. "Kontrollrechte der Politik bergen die Gefahr, dass Geschäftsfremde Interessen dominant werden und der Staat sich auf Dauer bei der Lufthansa ausbreitet", warnte der Ökonom.
Eine Insolvenz sei jedoch nicht völlig abwegig. "Ein Schutzschirmverfahren ermöglicht der Lufthansa eine leichtere Kostenanpassung", betonte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR). "Davon wären die Arbeitnehmer aber auch andere Vertragspartner wie die Flughäfen betroffen."
Feld sprach sich zudem gegen Kaufprämien für Autos oder Konsum-Schecks zum Ankurbeln der Wirtschaft aus. Von Kaufprämien, wie sie zuletzt die Autoindustrie ins Spiel gebracht habe, halte er "nichts", sagte der Ökonom. "Prämien für E-Autos gibt es schon", betonte er. Autos mit Verbrennungsmotor zu fördern, habe im Sinne des Klimaschutzes keine Priorität. Die Autohändler wären zudem nach seiner Überzeugung "gar nicht erfreut", weil zunächst alle abwarten würden, bis die Kaufprämien stünden und bewilligt seien.
"Das kann dauern und würde nicht über die akuten Probleme hinweg helfen", warnte der SVR-Vorsitzende. "Den angebotsseitigen Problemen der Autoindustrie aufgrund unterbrochener Lieferketten helfen Kaufprämien ebenfalls nicht." Auch Konsum-Schecks, wie sie zuletzt von Handelsverbänden oder Gewerkschaften ins Spiel gebracht wurden, hielt Feld in der aktuellen Situation für wenig sinnvoll. "Es ist besser, die knappen Mittel zielgenau statt mit der Gießkanne auszugeben", betonte er.
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April 29, 2020 06:04 ET (10:04 GMT)
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