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Seyit Binbir
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Private Immobilienauktionen: "Nicht mehr benötigtes Betriebsvermögen schnell und rechtssicher zu Geld machen"

Ob Eigenheim oder Mehrfamilienhaus – die seit Jahren historisch niedrigen Finanzierungskosten und die zunehmende Flucht in Sachwerte haben die Nachfrage nach Immobilien geradezu explodieren lassen. Zugleich sind die Preise von Häusern, Wohnungen und Grundstücken – zumal in den Metropolregionen – im Höhenrausch. Das hohe Preisniveau nutzen verstärkt Unternehmen, die sich von nicht mehr benötigtem Betriebsvermögen schnell und rechtssicher trennen wollen, sowie größere Vermögensverwalter zur Portfoliobereinigung. „Am freien Markt kann das im Zweifel schon mal ein Jahr oder länger dauern. Bei unseren privaten Immobilienauktionen gelingt die Vermarktung meist innerhalb weniger Monate.“, erklärt Gabor Kaufhold, öffentlich bestellter und vereidigter Auktionator sowie Vorstand der Westdeutsche Grundstücksauktionen AG in Köln. Die WDGA ist Tochter der börsennotierten Deutsche Grundstücksauktionen AG. Im Interview erläutert Kaufhold, wie eine private Immobilienauktion funktioniert und wer davon profitiert.


Bild:
Gabor Kaufhold - Westdeutsche Grundstücksauktionen AG

Herr Kaufhold, bei Ihrer jüngsten Herbstauktion haben Sie Immobilien im Gegenwert von rund 7 Millionen Euro veräußern können. Eines der besten Auktionsergebnisse in den vergangenen Jahren. Ähnlich war die Entwicklung bei den Auktionen der anderen Versteigerungshäuser im Firmenverbund der Deutsche Grundstücksauktion AG. Woran liegt das?

Das Zusammenspiel einiger unterschiedlicher Faktoren begünstigt schon seit längerem unser Geschäftsmodell. Zum einen die nach wie vor historisch niedrigen Zinsen. Sparprodukte von Banken und Sparkassen bringen praktisch keine Verzinsung mehr. Nach Steuern und Inflation werden die Ersparnisse Jahr für Jahr weniger. Entsprechend ist auch Baugeld rekordverdächtig preiswert. Wer also jetzt Wohneigentum erwirbt, verwendet seine Ersparnisse als Eigenkapital und finanziert den Rest zu sehr günstigen Konditionen. Vergleichbares geschieht bei Anlegern, die etwa ein Mehrfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung mit akzeptabler Verzinsung vermieten möchten.

Auf der anderen Seite sind die Immobilienpreise mancherorts davon galoppiert - insbesondere in den Großstädten und in den Metropolregionen. Dieses Preisniveau nutzen private Eigentümer und vermehrt Unternehmen sowie die öffentliche Hand, um sich von ihren Objekten zu trennen und Kasse zu machen.

Wie passt in dieses Umfeld und in diese Entwicklung während der vergangenen Jahre Ihr Geschäftsmodell, Immobilien im Rahmen von privaten Auktionen zu vermarkten?

Der besondere Charme unserer privaten Immobilienauktionen liegt in der Möglichkeit, gute und attraktive Objekte zu günstigen Konditionen zu erwerben. Auf der anderen Seite unterliegen Versteigerungen besonderen psychologischen und auch emotionalen Spielregeln. Wir haben die Erfahrung gemacht: Je attraktiver das Mindestgebot, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Bietergefecht kommt, an dessen Ende der Zuschlagspreis deutlich höher sein kann als vom Verkäufer und auch von uns erwartet. Davon können in der Regel beide profitieren - der Erwerber und der Veräußerer einer Immobilie.

Somit sind die WDGA sowie die anderen Auktionshäuser im Firmenverbund ein alternativer Vertriebsweg, um unterschiedlichste Immobilien in kurzer Zeit zum Höchstgebot zur verkaufen. Deutschlandweit berichten aber KollegInnen, dass das Angebot an Objekten angesichts der riesigen Nachfrage nach Immobilien nicht ausreicht. Wie ist das bei Ihnen?

Das spüren wir auch, insbesondere im privaten Bereich. Für viele Menschen ist die Immobilie angesichts der Corona-Krise und deren Unwägbarkeiten mehr denn je ein sicherer Hafen. Zumal: Was soll denn jemand tun, der ein paar 10.000 oder gar 100.000 Euro auf der Bank hat? Zuschauen, wie das Vermögen aufgrund der Strafzinspolitik über die Jahre weniger wird? Oder einfach verjubeln? Das dürfte nicht jedermanns Sache sein.

Anders sieht es da schon bei Unternehmen, der öffentlichen Hand und auch größeren Vermögensverwaltern aus. Diese trennen sich zunehmend von Immobilien, die nicht mehr benötigt werden oder nicht mehr in die eigene Strategie passen. Traditionell vermarkten wir für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Deutsche Bahn AG, die RAG sowie mittelständische Unternehmen und namhafte Vermögens- und Insolvenzverwalter Einzelobjekte und Immobilienpakete.

Weshalb kommen denn Institutionen, Firmen und andere zu Ihnen? Die Immobilien könnten die Auftraggeber doch auch mit "normalen Maklern" vermarkten?

Theoretisch ja, aber in der Praxis ist dies nicht immer so einfach. Was für uns spricht, sind Schnelligkeit, Effizienz, Rechtssicherheit, hohe Zuschlagspreise und sehr hohe Verkaufsquoten - zumal die öffentliche Hand und auch Unternehmen meist nicht nur einzelne Objekte einliefern, sondern oft Pakete mit manchmal mehr als zehn Immobilien. Der "normale" Makler kann eine termingebundene Dienstleistung mit so massiv unterschiedlichen, regionalen und überregionalen Immobilien in dieser Art und Weise nicht erbringen. Daher sind wir auf unser umfangreiches Leitungsangebot stolz.

Weshalb trennen sich eigentlich Unternehmen von Immobilien. Die sind doch, zumal in der heutigen Zeit, eine sichere Sache…

Letztlich reden wir nicht von Grundstücken als Kapitalanlage, sondern von Betriebsvermögen, das für betriebliche Zwecke eingesetzt wird. Etwa als Lager, Produktionshalle, Büro- oder Unterkunftsgebäude - was auch immer. Sobald Firmen ihre Strategie anpassen, rationalisieren oder auch ihr Geschäftsmodell ändern, sind manche Immobilien nicht mehr betriebsnotwendig. Meist soll eine schnelle Veräußerung für die an anderer Stelle benötigte Liquidität sorgen. Vergleichbares gilt für Vermögensverwalter oder auch Family-Offices, die zahlreiche unterschiedliche Assets managen - Aktien, Anleihen, außerbörsliche Beteiligungen und eben Immobilien. Nicht immer passt ein großflächiges Grundstück, ein Paket aus Mehrfamilienhäusern oder ein kleines Logistikzentrum zur künftigen Investmentstrategie.

Anfangs sprachen Sie von Rechtssicherheit bei ihren Auktionen. Was meinen Sie damit?

Kurz zum Hintergrund, ohne in die juristischen Details zu gehen: Bisweilen bekamen Finanzvorstände oder Finanzgeschäftsführer von Unternehmen Probleme, wenn sie nicht mehr betriebsnotwendige Immobilien unter Marktwert vermarkteten. Oft wurde in diesen Fällen von Kritikern angezweifelt, dass der Zuschlagspreis mit dem Verkehrswert des jeweiligen Objekts identisch sei. Eine durchaus heikle Sache, die Haftungsprobleme aufwerfen konnte. Nach Urteilen des Landgerichts Berlin aus den Jahren 1995 und 2007(Aktenzeichen: 86 T 77/95 und 20 O 114/07) steht fest: Der Zuschlagspreis entspricht dem Verkehrswert.

Allgemein bekannt sind Immobilien-Zwangsversteigerungen sowie Immobilien-Teilungsversteigerungen. Private Immobilienauktionen kennen, so scheint es jedenfalls, nur wenige. Wo liegen die Unterschiede?

Laienhaft ausgedrückt: Zwangsversteigerungen und Teilungsversteigerungen haben eine juristische Veranlassung. Im ersten Fall kommt der Immobilieneigentümer nicht mehr seinen finanziellen Verpflichtungen, meist aus dem Hypothekendarlehen, nach. Bei einer Teilungsversteigerung will häufig eine Erbengemeinschaft Kasse machen und zügig zu Geld kommen. Bei privaten Immobilienauktionen gibt es jene rechtlichen Vorgaben nicht. Ein Objekt von uns vermarkten lassen, egal ob Grundstück, Tiefgaragenplatz, ein größeres Waldareal, Haus, Wohnung, Investmentobjekt oder Firmengebäude, ist eine freie Entscheidung eines Jeden - ob nun juristische oder natürliche Person.

Enthaltene Werte: DE0009809566,DE0005533400,DE0009653394,DE000SLA5T64,CH0420019983

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