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MARKT-AUSBLICK/Mit der EZB in die Startblöcke für Jahresendrally

DJ MARKT-AUSBLICK/Mit der EZB in die Startblöcke für Jahresendrally

Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Konsolidierung an den Aktienmärkten dürfte sich in der kommenden Woche zunächst noch fortsetzen. Die große Rotation aus so genannten Stay-at-Home-Titeln in die Gewinner einer Normalisierung scheint zunächst gelaufen. Mit Blick auf das Jahresende schließen erste Marktteilnehmer nun ihre Bücher, vor allem im Handel mit Unternehmensanleihen. Auf der Aktienseite wartet der Markt nun auf die traditionelle Jahresendrally. Marktteilnehmer könnten sich im Umfeld der EZB-Sitzung in die Startblöcke begeben.

Aller Voraussicht nach wird die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag erneut klotzen und nicht kleckern. Nach Meinung von Commerzbank-Analyst Michael Schubert wird sie das Anleihenkaufprogramm mindestens bis zum Ende des kommenden Jahres verlängern und das Volumen um 600 Milliarden Euro ausweiten. Mit einer Erhöhung von mehr als 400 Milliarden Euro könnte die EZB die hohen Kauf-Auftrage der vergangenen Wochen noch einmal steigern. Damit ist 400 Milliarden wohl die Messlatte: Auf alles darunter könnte der Markt verschnupft reagieren, bei Volumina darüber könnte er die Startblöcke lösen.

Sollte die EZB darüber hinaus die Freibeträge beim Staffelzins erhöhen und weitere günstige Sonderliquidität über TLTROs ankündigen, würde wohl die Stunde der Bank-Aktien schlagen. Einerseits würden sie direkt profitieren, andererseits würde auch die Kreditvergabe angeschoben mit positiven Effekten auf die Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr.

Damit liegt es also wohl an der EZB, ob die Jahresendrally bereits am kommenden Donnerstag startet und damit etwa eine Woche früher als sonst üblich. Daneben stehen in der kommenden Woche die deutsche, die französische, die italienische und die britische Industrieproduktion, die ZEW-Kojunkturerwartungen, die chinesischen Außenhandelszahlen und die Preisentwicklung in den USA im Blick der Marktteilnehmer.

Hohes Vertrauen in gutes Börsenjahr 2021 

Generell ist ein größerer Rückschlag kurz vor dem Jahresende unwahrscheinlich. Gegen einen solchen spricht auch das hohe Vertrauen in die Aktienanlagen, mit dem die Anleger dem kommenden Jahr entgegensehen, heißt es bei Sentix oder auch bei Wellenreiter-Invest. Ein größerer Rücksetzer droht demnach frühestens im Januar.

Sollte die Pandemie im kommenden Jahr enden, dürften die Aktienmärkte deutlich zulegen. Viele Banken haben die 14.000er Marke als DAX-Ziel ausgegeben. Sollte der DAX neue Allzeithochs über 13.800 Punkten erreichen, dürfte da aber nicht Schluss sein. Dann wäre eine Neubewertung mit etwa 10 Prozent Aufwärtspotenzial aus technischer Sicht keine Überraschung.

Die Metzler-Analysten empfehlen, einen Schwerpunkt auf Aktien deutscher Unternehmen zu setzen, die von mehreren "Top down"-Investmentthemen profitieren dürften. Das seien insbesondere Gesellschaften, denen die großen Fiskalpakte in die Karten spielten, ohne dass sie existenziell davon abhängig seien.

Ein Beispiel hierfür sei Stratec, Produzent vollautomatischer Analysesysteme für die klinische Diagnostik und die Biotechnologie. Ein weiterer Fokus liege auf Branchen, die von der Beschleunigung struktureller Wachstumstrends wie dem demografischen Wandel und dem Trend zur Digitalisierung aufgrund der Covid-19-Pandemie Rückenwind erhielten; hierzu zählten unter anderem die Aktien des Kochboxenanbieters Hellofresh. Des Weiteren empfehlen die Metzler-Analysten Aktien von Unternehmen, die vom Klimawandel profitieren dürften, als Beispiel nennen sie RWE. Und schließlich favorisieren sie Gesellschaften mit starker Geschäftsaktivität in Asien, insbesondere in China, ein Beispiel hierfür sei Daimler.

Die Commerzbank rechnet damit, dass die Rotation in die Verlierer der Pandemie im kommenden Jahr weitergeht. Daneben sollten Anleger auf Marktanteile in China schauen, auf das Potenzial für Restrukturierungen und auf eine nachhaltige Dividendenstrategie. Das Haus meint, Beiersdorf, Continental, Linde, Aixtron, Cancom, Duerr, Evonik, Fraport, Hugo Boss und Metro sollten von der Kombination dieser Themen mit ihrem aktuell relativ niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis am meisten profitieren.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/hru/ros

(END) Dow Jones Newswires

December 04, 2020 05:02 ET (10:02 GMT)

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© 2020 Dow Jones News
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