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MÄRKTE EUROPA/Tapering-Diskussion drückt den DAX

MÄRKTE EUROPA/Tapering-Diskussion drückt den DAX

Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten geht es am Dienstagnachmittag weiter nach unten. Der DAX fällt um 1,1 Prozent auf 15.206 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gibt um 1,4 Prozent auf 3.964 Punkte nach. "Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank setzen Gewinnmitnahmen ein", sagt ein Händler. Die Währungshüter kommen am Donnerstag zur Diskussion über die Geldpolitik zusammen. "Früher oder später dürfte auch im Frankfurter Ostend die Debatte über eine Rücknahme der Pandemie-Stützen beginnen", so der Marktteilnehmer. Einige Anleger fürchteten, dass diese schon in dieser Woche angestoßen werden könnte. Solche so genannten Tapering-Diskussionen um ein Ende der Anleihenkäufe durch Zentralbanken waren schon in der Vergangenheit immer wieder für längere Konsolidierungen und Rücksetzer an den Aktienmärkten gut.

Wasser auf die Mühlen der Tapering-Diskussion kommt von deutschen Preisdaten. Im März ging es mit den Erzeugerpreisen um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben, erwartet worden waren nur 3,3 Prozent. Im Vormonat waren es sogar nur plus 1,9 Prozent gewesen. "Wir fragen uns, wann das auf die Verbraucherpreise durchschlägt und wann es die EZB zum Handeln zwingt", meint ein weiterer Händler. Profiteur der Entwicklung ist der Euro, der zeitweise auf dem höchsten Stand seit fast sieben Wochen gehandelt wird und mit 1,2050 Dollar die Marke von 1,20 Dollar weiter hinter sich lässt.

Aus technischer Sicht besteht nun die Gefahr eines Fehlausbruchs. Nachdem der DAX erst am Freitag das vorletzte Hoch bei 15.312 Punkten überwunden hatte, ist er nun wieder in die Konsolidierungszone der vergangenen Wochen zurückgefallen. Erschwerend kommt laut Marktanalysten hinzu, dass die überkaufte Situation vor dem Ausbruch vom Freitag noch nicht bereinigt war.

Tabak-Aktien an der Spitze der Verlierer 

Unter den Gewinnmitnahmen leiden vor allem die großen Gewinner des bisherigen Börsenjahres wie die Reise- und Freizeit-Aktien. Ihr Branchenindex fällt um 2,6 Prozent. Der Index der Banken gibt ebenfalls um 2,6 Prozent nach. Kräftig unter Druck geraten die britischen Tabak-Aktien: Hier fallen Imperial Brands um 7 Prozent und BAT um 7,6 Prozent.

Auslöser der Kursverluste war am Vorabend ein Bericht des Wall Street Journal, wonach die neue US-Regierung geringere Nikotingehalte in Zigaretten fordert. Da Nikotin mit dem Suchtpotenzial in Verbindung gebracht wird, könnte dies den Absatz drücken, so die Befürchtung.

Im DAX ziehen Deutsche Post gegen den Trend um 0,4 Prozent an. Händler verweisen auf das ideale Umfeld für den Versandhandel mit der Erwartung eines verschärften Lockdown.

Adidas gehören dagegen mit 2,7 Prozent Minus zu den größten DAX-Verlierern. Mit Aussagen der Citi-Analysten holt die Diskussion um Uiguren-Zwangsarbeit in der Baumwolle-Industrie den Titel wieder ein. Die Citi bezieht sich auf eine Umfrage, nach der vergleichsweise viele chinesische Konsumenten den Kauf von Adidas-Produkten wegen der ablehnenden Haltung des Konzerns zur Zwangsarbeit einschränken könnten. Dabei hatte der Kurs von Adidas in der vergangenen Woche gerade von der Erwartung profitiert, der Umsatz in China könnte sich im ersten Quartal mehr als verdoppelt und damit auf das Niveau vor der Pandemie erholt haben.

BMW und VW mit Relativer Stärke nach guten Zahlen 

Vergleichsweise gut kommen bei den jüngsten Gewinnerbranchen die Autotitel weg, ihr Stoxx-Branchenindex fällt um 1,2 Prozent. BMW können sich mit 0,7 Prozent Minus relativ gut halten. Der Münchener Autokonzern hat im ersten Quartal mehr verdient als im Vergleichszeitraum und die Markterwartungen übertroffen. Dabei profitierte der Autobauer von einem höheren Absatz in allen Regionen, vor allem China, und bei allen Marken. BMW erzielte im Autosegment eine EBIT-Marge von 9,8 Prozent. Die Analysten der Citi stellen auch den Cashflow positiv heraus, fragen sich aber auch, ob die Dynamik im zweiten Quartal aufrechterhalten werden kann.

VW geben nach Zahlen ihrer LKW-Tochter Traton um 0,5 Prozent nach, Traton notieren unverändert. Traton wird nach einem guten ersten Quartal zuversichtlicher für das Gesamtjahr. Die Volkswagen-Tochter hob das obere Ende der Prognosespanne für die erwartete Marge im laufenden Jahr an. Auf Basis vorläufiger Zahlen hat sie den Umsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro gesteigert. Im laufenden Jahr rechnet Traton nun mit einer operativen Marge von 5,0 bis 7,0 Prozent, das entspricht etwa dem Konsens, der mit einem Plus von 5,8 Prozent rechnet.

Munich Re im Umfeld erster Zahlen schwächer 

Wenig Interesse an Munich Re gibt es dagegen nach der Veröffentlichung erster Quartalszahlen. Die Aktie notiert 1,7 Prozent tiefer. Der Rückversicherer hat ein Nettoergebnis von rund 600 Millionen Euro erzielt, was über einem selbstermittelten Konsens von 466 Millionen Euro liege. Für gedämpfte Stimmung sorge aber, dass das Unternehmen von "überdurchschnittlich hohen Belastungen durch Großschäden" spreche.

Rheinmetall fallen um 4 Prozent. Die Zahlen liegen im Rahmen der Erwartungen und den Ausblick hat der Konzern lediglich bestätigt. Die Aktie von Deutz wiederum tendiert 0,3 Prozent fester. Mit der am Vorabend erhöhten Prognose dürfte der Motorenbauer den Markt überrascht haben, heißt es.

Die Zustimmung der US-Justizbehörde zum Verkauf der Americas-Sparte führt zu behaupteten Kursen bei K+S. Wie die Analysten von Baader anmerken, ist der Verkauf klar positiv, da sich das Unternehmen nun schneller entschulden könne.

Im SDAX gewinnen Zooplus 8,9 Prozent auf den neuen Rekordkurs von 273,40 Euro. Angesichts der günstigen Perspektiven für Tierbedarf hat JP Morgan das Kursziel auf 350 Euro von bisher 225 Euro angehoben.

=== 
Aktienindex         zuletzt +/- % absolut +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50       3.964,01 -1,39  -55,90   11,58 
Stoxx-50          3.366,36 -1,34  -45,64    8,30 
DAX            15.206,06 -1,06 -162,33   10,84 
MDAX           32.729,58 -1,11 -368,88    6,28 
TecDAX           3.481,76 -0,84  -29,63    8,37 
SDAX           15.802,61 -0,78 -124,76    7,03 
FTSE            6.898,34 -1,45 -101,74    8,35 
CAC            6.191,13 -1,68 -105,56   11,52 
 
Rentenmarkt         zuletzt     absolut  +/- YTD 
Dt. Zehnjahresrendite     -0,24      -0,01   -0,48 
US-Zehnjahresrendite      1,59      -0,01   -1,09 
 
DEVISEN        zuletzt   +/- % Di, 8:28 Uhr Mo, 17:25 Uhr  % YTD 
EUR/USD        1,2050   +0,10%    1,2052     1,2032  -1,3% 
EUR/JPY        130,40   +0,16%    130,50     129,97  +3,4% 
EUR/CHF        1,1018   +0,03%    1,1032     1,1010  +1,9% 
EUR/GBP        0,8627   +0,22%    0,8615     0,8600  -3,4% 
USD/JPY        108,21   +0,05%    108,28     108,06  +4,8% 
GBP/USD        1,3969   -0,11%    1,3990     1,3987  +2,2% 
USD/CNH (Offshore)   6,4970   -0,20%    6,4910     6,5091  -0,1% 
Bitcoin 
BTC/USD       56.266,97   -0,11%   54.653,26   55.276,03 +93,7% 
 
ROHOEL        zuletzt VT-Settl.     +/- %    +/- USD  % YTD 
WTI/Nymex        63,38   63,38      0%      0,00 +30,2% 
Brent/ICE        67,28   67,05     +0,3%      0,23 +30,4% 
 
METALLE        zuletzt   Vortag     +/- %    +/- USD  % YTD 
Gold (Spot)     1.777,92  1.770,30     +0,4%     +7,62  -6,3% 
Silber (Spot)      26,08   25,83     +1,0%     +0,25  -1,2% 
Platin (Spot)    1.206,78  1.210,05     -0,3%     -3,28 +12,7% 
Kupfer-Future      4,27    4,24     +0,8%     +0,04 +21,3% 
=== 

DJG/hru/cln/gos

(END) Dow Jones Newswires

April 20, 2021 10:27 ET (14:27 GMT)

Copyright (c) 2021 Dow Jones & Company, Inc.

© 2021 Dow Jones News
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