DJ Regierung sieht spürbare Wirtschaftserholung
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die Bundesregierung hat zunehmende Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung betont. "Im zweiten Quartal 2021 zeichnet sich eine spürbare Erholung der wirtschaftlichen Aktivität ab, während es im ersten Quartal 2021 im Zuge der dritten Pandemiewelle zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent gekommen war", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium in seinem aktuellen Monatsbericht. "Angesichts des Impffortschritts und der damit einhergehenden rückläufigen Infektionszahlen dürfte die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf verstärkt an Fahrt aufnehmen."
Die Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung mehrten sich: "In der Industrie hat sich das Geschäftsklima in den letzten Monaten stetig verbessert, und auch bei den Dienstleistungen war zuletzt wieder spürbar mehr Optimismus zu verzeichnen", konstatierte das Ministerium. "Die deutsche Wirtschaft überwindet allmählich die dritte Pandemiewelle und es herrscht Aufbruchsstimmung." Die robuste Industriekonjunktur werde allerdings in einzelnen Branchen gebremst.
Die Produktion in der Industrie habe im April einen leichten Dämpfer erlitten. Vor allem im Baugewerbe habe es ein deutliches Minus gegeben. Grund sei eine Knappheit an Vorleistungsgütern. Die Auftragseingänge seien gegenüber dem Vormonat zwar leicht gefallen, lägen aber weiter auf hohem Niveau. Ausschlaggebend für die jüngste Seitwärtsbewegung waren laut den Konjunkturexperten von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) "gegenläufige Entwicklungen einer schwachen Inlandsnachfrage sowie einer starken Auslandsnachfrage". Die Stimmung in den Unternehmen habe sich weiter positiv entwickelt.
Im Einzelhandel hätten sich die Umsätze im April wieder verringert, aber der Ausblick für die kommenden Monate sei "in Anbetracht des günstigeren Pandemieverlaufs spürbar optimistischer". Die Inflationsrate habe im Mai aufgrund von Sonderfaktoren wie Rohstoffpreise und CO2-Bepreisung einen neuen Höchstwert erreicht. In der zweiten Jahreshälfte sei aufgrund eines Basiseffektes wegen der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor sogar mit Raten um die 3 Prozent zu rechnen. "Nach Auslaufen der Sondereffekte sollte sich die Inflationsrate aber zu Beginn des Jahres 2022 wieder deutlich verringern", erwarteten die Ökonomen.
Vom Arbeitsmarkt kämen nach wie vor positive Signale. Die Arbeitslosigkeit sei im Mai saisonbereinigt leicht zurückgegangen, und die Erwerbstätigkeit habe im April saisonbereinigt erneut zugenommen. Die Kurzarbeit habe sich im März spürbar verringert, und die Anzeigen für Kurzarbeit deuteten "auf ein weiteres Absinken hin". Der Anstieg der eröffneten Regelinsolvenzverfahren vom Februar und März habe sich nicht weiter fortgesetzt. Im April sei es zu einem deutlichen Rückgang gekommen. Insgesamt sei für das Jahr 2021 "jedoch mit einem signifikanten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen".
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June 14, 2021 04:04 ET (08:04 GMT)
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