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Merkel spricht von bitteren Stunden - Regierung treibt Evakuierung voran

DJ Merkel spricht von bitteren Stunden - Regierung treibt Evakuierung voran

Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich alarmiert gezeigt über die Situation in Afghanistan. "Wir erleben bittere Stunden, jetzt müssen wir uns auf die Rettung konzentrieren", zitierte ein Teilnehmer, der nicht namentlich genannt werden wollte, die Bundeskanzlerin während einer CDU-Gremiensitzung. Es habe nach dem Abzug der westlichen Truppen einen Dominoeffekt gegeben, so Merkel. Zuerst hatte die Bild-Zeitung über die Äußerungen berichtet.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Priorität der deutschen Regierung sei es, "so viele der afghanischen Ortskräfte wie möglich außer Landes und in Sicherheit zu bringen". Insgesamt machten die Entwicklungen in Afghanistan der Regierung "große Sorgen". Zudem seien es "bittere Entwicklungen" vor dem Hintergrund des 20-jährigen militärischen Einsatzes der westlichen Staatengemeinschaft in Afghanistan.

"Kaum jemand hat mit dieser rasenden Preisgabe der Hauptstadt Kabul gerechnet", auch viele Afghanen nicht, so Seibert. Das Verhalten der afghanischen Streitkräfte werde zu einer anderen Zeit zu bewerten sein. Die klare Aufgabe der Bundesregierung sei es nun, die deutschen Mitarbeiter der deutschen Botschaft sowie der in Afghanistan tätigen deutschen Organisationen außer Landes und in Sicherheit zu bringen und sowie die vielen schutzsuchende afghanischen Ortskräfte.

Merkel werde am Montagabend erneut die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen über die Lage unterrichten. Das Bundesverteidigungsministerium kündigte an, es werde tägliche Unterrichtungen für das Parlament und die Öffentlichkeit geben.

Auswärtiges Amt ruft zu Geduld auf 

Das Auswärtige Amt erklärte, dass bislang 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft aus Kabul ausgeflogen wurden und noch ein kleines operatives Kernteam im einstelligen Bereich am Flughafen in Kabul verblieben sei, um bei der Evakuierung vor Ort zu helfen. Insgesamt sei wohl eine hohe zweistellige Zahl an deutschen Staatsbürger in Afghanistan, die mit ihren Kernfamilien zu evakuieren sei.

Die Menschen, die für die Evakuierungsflüge vorgesehen sind, würden direkt kontaktiert werden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts rief diese Personen auf, sich in jetziger Situation nicht auf eigene Faust auf den Weg zum Flughafen zu machen, da die Situation zu riskant sei und man nicht erwarten könne, in den Flughafen zu kommen, wenn man nicht auf der Passagierliste der Flüge stehe. Die für die Evakuierung vorgesehen Menschen sollten sich an den für sie sichersten Ort begeben, um auf den Abflug zu warten, so der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Christofer Burger.

(Mitarbeit: Andreas Kissler)

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

August 16, 2021 06:42 ET (10:42 GMT)

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