DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Nagel: Gefahr einer länger erhöhten Inflation überwiegt
Der neue Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, hat sich besorgt über die hohe Inflation im Euroraum geäußert. Bei der Feierstunde zur Verabschiedung seines Amtsvorgänger Jens Weidmann sagte Nagel: "Richtig ist, dass die hohen Raten auch auf Sondereffekte zurückzuführen sind, die automatisch auslaufen. Aber nicht nur." Der mittelfristige Preisausblick sei außergewöhnlich unsicher.
Weidmann: Koordinatensystem der EZB hat sich verschoben
Der ehemalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich zu seinem offiziellen Abschied kritisch über den Zustand von Währungsunion und Europäischer Zentralbank (EZB) geäußert. In der Feierstunde zu seiner Verabschiedung sagte Weidmann, die Geldpolitik habe in den Krisen der vergangenen Jahre eine bedeutende, stabilisierende Rolle gespielt. Er fügte hinzu: "Sie ist dabei aber nie ganz aus dem Krisenmodus herausgekommen. Und der permanente Ausnahmezustand hat Spuren hinterlassen. Das Koordinatensystem hat sich verschoben."
Lagarde: EZB nimmt Sorgen wegen steigender Preise sehr ernst
Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt die momentan hohe Inflation im Euroraum nach den Worten ihrer Präsidentin Christine Lagarde sehr ernst. "Wir verstehen, dass steigende Preise für viele Menschen ein Grund zur Sorge sind, und wir nehmen diese Sorge nicht auf die leichte Schulter, sondern sehr ernst", sagte Lagarde bei der Feierstunde zur Verabschiedung des ehemaligen Bundesbankpräsidenten und EZB-Ratsmitglieds Jens Weidmann.
Lane: Inflation nähert sich 2023/2024 dem EZB-Ziel
Der überraschende Anstieg der Euroraum-Inflation im Dezember auf 5,0 Prozent ändert aus Sicht von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane noch nichts an den Erwartungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für die mittelfristige Inflationsentwicklung. "Nicht nur wird die Inflation in diesem Jahr zurückgehen, sie wird sich auch 2023 und 2024 unter unserem Zielwert einpendeln", sagte Lane in einem Interview mit der Zeitung Il Sole 24 Ore. Dies sei nach wie vor die Ansicht der EZB. "Im Laufe des Jahres werden wir über mehr Daten verfügen und die Situation weiter bewerten", fügte er hinzu.
Enria: Bestimmte Finanzsektoren besonders anfällig für Zinsschock
EZB-Bankenaufsichtschef Andrea Enria hat darauf hingewiesen, dass bestimmte Teile des Finanzsektors besonders anfällig für Zinsschocks sind. "Wir sehen einige Bereiche, in denen die Bewertungen überzogen sind, mit übermäßiger Hebelung oder zu stark konzentrierten Engagements", sagte Enria der Zeitung Les Echos und fügte hinzu: "Dies gilt für Leveraged Lending und Dienstleistungen für Hedgefonds (Prime Brokerage), wie der Fall Archegos gezeigt hat."
Inflation im OECD-Raum auf höchstem Stand seit 25 Jahren
Die jährliche Inflationsrate im OECD-Raum ist im November auf 5,8 Prozent gestiegen. Das ist die höchste Rate seit Mai 1996, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mitteilte. Im Oktober hatte die Rate 5,2 Prozent betragen. Vor einem Jahr, im November 2020 war lediglich eine Rate von 1,2 Prozent registiert worden.
Bostic offen für Fed-Zinserhöhung im März
Der Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, Raphael Bostic, hat sich offen für eine Zinserhöhung im März gezeigt. Er erwarte, dass die Fed ihren Leitzins im Laufe des Jahres wahrscheinlich dreimal anheben werde. "Jede Sitzung hat das Potenzial für geldpolitische Maßnahmen, und ich bin völlig offen dafür, dass im März eine Sitzung stattfindet, bei der Zinsänderungen in Betracht gezogen werden", sagte Bostic in einem Interview mit dem Wall Street Journal.
Habeck: Müssen Geschwindigkeit der Emissionsminderung verdreifachen
Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) will die Anstrengungen der Bundesregierung zum Einhalten der Klimaziele deutlich erhöhen. Deutschland müsse die Geschwindigkeit bei der Emissionsminderung verdreifachen, wenn man wie geplant bis 2045 klimaneutral werden und bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 80 Prozent erhöhen wolle. Ein erstes Klimaschutz-Paket will die Bundesregierung bis Ende April vorstellen, ein zweites soll im Sommer kommen.
Gemeindebund erwartet von Bevölkerung Widerstand bei Ausbau von Windkraft
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund erwartet Probleme bei dem von der Bundesregierung geplanten massiven Ausbau der Windenergie. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte im ZDF-Morgenmagazin, dass es in der Bevölkerung Widerstand geben werde, wenn es um den Aufbau von Windanlagen gehe. Die Bundesregierung plant, die Gesamtfläche für die Windkraftanlagen in Deutschland auf 2 Prozent zu vervierfachen.
FDP fordert attraktive Investitionsmöglichkeiten für Gaskraftwerke
Die FDP hat von Bundeswirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) geforderte, den schnelleren Bau von Gaskraftwerken zu ermöglichen. Es müsse schnell attraktive Investitionsmöglichkeiten für den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland geben, sagte FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Bitkom erwartet 2022 Umsatzplus für ITK-Branche und mehr Jobs
Die deutsche IT- und Telekommunikationsbranche erwartet für dieses Jahr trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ein stabiles Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung. Besonders die Informationstechnik dürfte 2022 wie im Vorjahr überdurchschnittlich wachsen. Die Unterhaltungselektronik werde hingegen erneut ein Minus einfahren, erklärte der Digitalverband Bitkom in seiner neuen Jahresprognose. Insgesamt profitiere die Branche während der Corona-Pandemie von dem steigenden Bedarf an Digitalisierung.
Karlsruhe erklärt Verbot von Atomtransporten über Bremer Häfen für nichtig
Das von Bremen im Jahr 2012 beschlossene Verbot, in den Häfen des Bundeslands Kernbrennstoffe umzuschlagen, ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Regelung in Karlsruhe für nichtig. Die Gesetzgebungsbefugnis für die friedliche Nutzung der Kernenergie stehe ausschließlich dem Bund zu, nicht dem Land Bremen.
Mehr als eine Million Sterbefälle in der Bundesrepublik
Erstmals seit dem Bestehen der Bundesrepublik hat es 2021 mehr als eine Million Sterbefälle innerhalb eines Jahres gegeben. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt rund 1,02 Millionen Sterbefälle registriert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) unter Berufung auf erste vorläufige Ergebnisse mitteilte. Grund dafür dürften die Alterung der Bevölkerung und die Folgen der Corona-Pandemie sein.
Kreml bewertet Gespräche mit Washington "positiv"
Russland hat die Gespräche mit den USA über die Ukraine-Krise und die europäische Sicherheitsarchitektur als "positiv" bewertet. Dennoch sei es zu früh, um optimistisch über mögliche Ergebnisse zu sprechen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Man hätte naiv sein müssen, um zu glauben, dass eine erste Runde umfassende Ergebnisse bringt", ordnete er die Verhandlungen ein. Am Montag waren beide Seiten in Genf zusammengekommen. Nach sieben Stunden waren die Verhandlungen ohne Durchbruch zu Ende gegangen. Washington warnte Moskau dabei erneut vor einem Einmarsch in die Ukraine.
Kasachstans Präsident kündigt Abzug der von Russland angeführten Truppen an
Kasachstans Präsident Kassym-Jomart Tokajew hat nach den Massenprotesten in seinem Land den Abzug der Truppen eines von Russland geführten Militärbündnisses angekündigt. "In zwei Tagen wird ein schrittweiser Abzug der OVKS-Friedenstruppen beginnen", sagte er in einer Videokonferenz mit der Regierung und dem Parlament. Das Parlament bestätigte zudem einstimmig die Nominierung des von Tokajew unterstützten Alichan Smailow zum neuen Ministerpräsidenten.
UNO fordert 5 Milliarden Dollar Nothilfe für Afghanistan
Angesichts der humanitären Krise in Afghanistan haben die Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um Milliardenhilfen für das Land gebeten. Insgesamt seien 5 Milliarden Dollar nötig, um eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern, erklärte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Innerhalb Afghanistans seien 22 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen.
+++ Konjunkturdaten +++
Brasilien Verbraucherpreise Dez +0,73% (Nov: +0,95%)
Brasilien Verbraucherpreise 12-Monats-Rate Dez +10,06% (Nov: +10,74%)
Mexiko Industrieproduktion Nov -0,1% gg Vormonat
Mexiko Industrieproduktion Nov +1,6% (PROG: +2,6%) gg Vj
DJG/DJN/AFP/apo
(END) Dow Jones Newswires
January 11, 2022 07:30 ET (12:30 GMT)
Copyright (c) 2022 Dow Jones & Company, Inc.
