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DIW setzt auf Sommerhoch nach konjunkturellem Wintertief

DJ DIW setzt auf Sommerhoch nach konjunkturellem Wintertief

Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft dürfte nach einer neuen Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in diesem Jahr um 3,0 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 2,9 Prozent. "Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft nach wie vor im Griff", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

"Vorschnell das Ende der Pandemie zu erklären, wäre falsch - nichtsdestotrotz wird sich die wirtschaftliche Lage Richtung Frühsommer wohl deutlich verbessern." Die Auftragsbücher vieler Unternehmen seien voll. "Sie stehen schon in den Startlöchern und warten nur darauf, mehr produzieren zu können, wenn entsprechende Lieferketten wieder intakt sind."

Erkrankungen und Lieferketten als Winter-Bremse 

Derzeit sorge die Omikron-Infektionswelle für einen trüben Winter: Zwar seien die Einschränkungen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens vor allem dank der Impffortschritte nicht so weitreichend wie vor einem Jahr, doch nie zuvor im Laufe der Pandemie seien so viele Menschen und damit auch Arbeitskräfte gleichzeitig erkrankt gewesen wie zuletzt.

Auch aufgrund unterbrochener Lieferketten stocke die Produktion vielerorts. Gleichzeitig mieden viele Menschen kontaktintensive Dienstleistungen wie Restaurantbesuche oder Hotelübernachtungen. Das DIW begründete seine Wachstumserwartung mit einem "mauen Jahresbeginn".

Heikle Entwicklung der Weltwirtschaft 

Die Omikron-Variante des Coronavirus habe auch die Erholung der Weltwirtschaft unterbrochen. Für die traditionell sehr exportorientierte deutsche Wirtschaft sei das besonders heikel. Trotz eines Dämpfers zum Jahresbeginn dürfte die Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten aber in diesem und im nächsten Jahr nach Einschätzung des Instituts deutlich steigen, wenn die Pandemie wie angenommen abebbe.

"Ein Selbstläufer ist das aber nicht", warnte das DIW. Die Corona-Pandemie könnte neue Kapriolen schlagen, zudem lauerten weitere Risiken. So stelle vor allem der Russland-Ukraine-Konflikt eine Gefahr dar. Zudem drohe eine größere Finanzkrise aus Chinas Immobiliensektor.

Deutlich mehr Erwerbstätige 

Eine sichere Bank sei und bleibe hingegen der deutsche Arbeitsmarkt. "Die aktuellen wirtschaftlichen Einschränkungen beeinträchtigen den Arbeitsmarkt hierzulande kaum", erklärte der DIW-Experte für die deutsche Wirtschaft, Simon Junker. Betroffene Dienstleistungsunternehmen dürften die Umsatzflaute im Winter aber erneut vor allem mit Kurzarbeit auffangen. Die Zahl der Erwerbstätigen steige in diesem Jahr um voraussichtlich 370.000 Personen und im kommenden Jahr um weitere 280.000 - das Vorpandemieniveau des Jahres 2019 wäre dann bereits Ende 2022 erreicht.

Der private Konsum dürfte in diesem Jahr nominal fast zweistellig zulegen - selbst nach Abzug der vorübergehend hohen Inflation verbleibe ein reales Plus von knapp 6 Prozent. Auch damit wäre nach der Prognose des DIW das Vorpandemieniveau wieder erreicht.

Inflation bleibt vorerst hoch 

Die Inflation könnte in diesem Jahr mit durchschnittlich 3,8 Prozent sogar noch höher als im vergangenen Jahr ausfallen, in erster Linie aufgrund der stark steigenden Energiepreise und Knappheiten bei vielen Gütern. Schon für das kommende Jahr erwartete das DIW mit 1,5 Prozent jedoch wieder eine Inflationsrate deutlich unter der von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Zwei-Prozent-Marke.

Fratzscher konstatierte, der Blick in die Zukunft sei und bleibe unter dem Strich ungewisser als in normalen Zeiten. "Für die deutsche Wirtschaft kommt es darauf an, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen - das liegt aber nicht allein in unserer Hand", sagte er.

"Umso wichtiger ist es, die großen Herausforderungen mit Blick auf die Transformation hin zu einer klimagerechten und digitalisierten deutschen Wirtschaft anzugehen." Die neue Bundesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag sinnvolle Vorhaben benannt, die nun aber auch zügig umgesetzt werden müssten, so Fratzschers Forderung.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

February 23, 2022 03:30 ET (08:30 GMT)

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