DJ ÜBERBLICK am Abend/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Fed/Powell befürchtet wegen Ukraine-Krieg höhere Inflation
Der Krieg in der Ukraine wird nach Einschätzung von Fed-Chef Jerome Powell wahrscheinlich kurzfristig die Inflation ankurbeln. "Wir werden einen Aufwärtsdruck auf die Inflation erleben, zumindest für eine Weile", sagte Powell bei einem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die einzige Frage, die sich stelle, sei, wie lange dieser Druck anhalten werde. Nach Untersuchungen der Fed würden höhere Inflationserwartungen es der Zentralbank erschweren, die Inflation zu senken. Auch der Konflikt in der Ukraine verschärft laut Powell die Probleme in der globalen Versorgungskette, was zu weiteren Inflationsproblemen führen wird.
Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe gesunken
Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung hat in der Woche zum 26. Februar stärker abgenommen als erwartet. Im Vergleich zur Vorwoche fiel die Zahl der Anträge auf saisonbereinigter Basis um 18.000 auf 215.000, wie das US-Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf 225.000 vorhergesagt.
US-Produktivität steigt im vierten Quartal um 6,6 Prozent
Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA ist im vierten Quartal 2021 nach revidierter Rechnung saisonbereinigt und auf das Jahr hochgerechnet um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten ein Plus von 6,7 Prozent erwartet, nachdem bei der ersten Schätzung eine Zunahme von 6,6 Prozent ausgewiesen worden war.
Markit: US-Dienstleister mit anziehendem Geschäft im Februar
Die Geschäftsaktivität in der US-Dienstleistungsbranche hat sich im Februar lebhafter als im Vormonat gezeigt. Der von IHS Markit für den Sektor ermittelte Einkaufsmanagerindex erhöhte sich auf 56,5 von 51,2 Punkten. Volkswirte hatten einen Stand von 56,8 vorhergesagt. Vorläufig war für Februar ein Wert von 56,7 ermittelt worden. Insgesamt hat sich die Entwicklung in der US-Wirtschaft im Februar beschleunigt. Der Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - stieg auf 55,9 von 51,1 Punkten im Vormonat.
Auftragseingang der US-Industrie im Januar gestiegen
Der Auftragseingang der US-Industrie hat sich im Januar um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat erhöht. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet. Für den Vormonat ergab sich ein Plus von 0,7 Prozent, wie das US-Handelsministerium weiter mitteilte. Vorläufig war eine Abnahme von 0,4 Prozent berichtet worden. Der Bestelleingang für langlebige Wirtschaftsgüter für Januar verblieb unverändert bei plus 1,6.
Protokoll: EZB-Falken gaben bei Februar-Sitzung den Ton an
Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) haben bei den Beratungen am 2. und 3. Februar die geldpolitischen Falken den Ton angegeben. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Protokoll der Sitzung hervorgeht, forderten einige von ihnen eine sofortige Änderung der Forward Guidance zu den Wertpapierkäufen. Nachdem die Inflationsrate im Januar erneut unerwartet gestiegen war, herrschte in dem Gremium aber auch insgesamt die Meinung vor, dass das bis dahin gültige "Narrativ" einer demnächst sinkenden Inflation nicht aufrecht zu erhalten sei.
Deutsche Bank: EZB könnte neues Ankaufprogramm auflegen
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte nach Meinung von Analysten der Deutschen Bank ein neues, flexibles Wertpapierankaufprogramm schaffen, mit dem sie einen Anstieg der Staatsanleihe-Spreads verhindern könnte, während sie zugleich die Zinsen erhöht. Die Analysten um Chefvolkswirt Mark Wall weisen darauf hin, dass EZB-Offizielle seit der Ratssitzung im Dezember die Notwendigkeit von Flexibilität betont hätten, was sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs noch verstärkt habe.
ING: EZB-Protokoll weitgehend historisches Dokument
Das Protokoll der Beratungen des EZB-Rats von 2./3. Februar weist nach Aussage von ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski auf eine zunehmend "hawkishe" Stimmung in dem Gremium hin. Es ist seiner Meinung nach aber nicht dazu geeignet, die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) der nächsten Ratssitzung zu prognostizieren. Angesichts des Krieges in der Ukraine ist das Protokoll der EZB-Sitzung vom Februar eher "ein historischer Beleg", schreibt Brzeski in einem Kommentar.
Habeck: Konsequenzen der Sanktionen für Wirtschaft deutlich absehbar
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht von deutlichen Folgen der gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen für die deutsche Wirtschaft aus und will deshalb ein Kreditprogramm mit niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten nach dem Vorbild von Maßnahmen in der Corona-Krise auflegen. "Für die deutsche Wirtschaft ... sind die Konsequenzen der Sanktionen und des Krieges deutlich absehbar und auch schon in Teilen zu spüren", sagte Habeck bei einem Pressestatement in Berlin nach kurzfristig anberaumten Gesprächen mit Vertretern der Wirtschaft über die Auswirkung der Sanktionen.
Klingbeil sieht Schröder in der SPD "komplett isoliert"
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) steht in seiner Partei nach Ansicht des Vorsitzenden Lars Klingbeil wegen seiner Verbindungen zu Russland völlig allein da. In einer Sitzung des SPD-Vorstands mit dem Länderrat sei deutlich geworden, dass Schröder "komplett isoliert" sei, sagte Klingbeil. Es gebe niemanden, der Schröders Gebaren "auch nur ansatzweise gutheißt" oder es rechtfertige.
SPD-Gremien stellen sich hinter 100-Milliarden-Paket für Bundeswehr
Die SPD sieht angesichts der aggressiven Politik Russlands und seines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine keine Alternative zu der angekündigten, massiven Aufstockung der Mittel für die Bundeswehr. Es gehe dabei darum, "dass wir nachholen, was in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde", sagte Parteichef Lars Klingbeil bei einer Online-Pressekonferenz nach Beratungen des Parteivorstands mit dem Länderrat. Die Gremien hätten sich einmütig hinter den Kurs von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gestellt.
Macron erneut im Gespräch mit Putin und Selenskyj
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat erneut mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen. Das Gespräch mit Putin habe eineinhalb Stunden gedauert, teilte der Élysée mit. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt. Macron hatte am Vorabend angekündigt, dass er mit Putin im Gespräch bleiben wolle, um eine Ausweitung des Konfliktes zu verhindern. Er ist der letzte westliche Staatschef, der in den vergangenen Wochen direkten Kontakt mit Putin hatte. Macron steht nach eigenen Angaben auch in regelmäßigem Austausch mit Selenskyj.
Lawrow wirft Westen Gedankenspiele über Atomkrieg vor
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen vorgeworfen, im Konflikt mit Russland über den Einsatz von Atomwaffen nachzudenken. "Die ganze Welt sagt, dass ein Dritter Weltkrieg ein Atomkrieg sein wird", sagte Lawrow bei einer Online-Pressekonferenz. "Aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Idee eines Atomkrieges in den Gedanken westlicher Politiker herumschwirrt, nicht in den Köpfen Russlands." Zugleich warnte Lawrow den Westen vor "jeglicher Provokation".
Polen will Verteidigungsausgaben auf drei Prozent erhöhen
Als Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ukraine wird Polen seine Verteidigungsausgaben im nächsten Jahr auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Für die Folgejahre kündigte der stellvertretende Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski am Donnerstag weitere Erhöhungen an. Derzeit gibt Warschau bereits 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus - und ist in dieser Höhe eine der Ausnahmen unter den Nato-Ländern.
Georgien reicht Antrag für EU-Mitgliedschaft ein
Georgien hat offiziell einen Antrag für die Aufnahme in der Europäischen Union (EU) eingereicht. "Wir beantragen heute die EU-Mitgliedschaft", erklärte am Donnerstag Regierungschef Irakli Garibaschwili nach der Unterzeichnung des Antrags. Georgien sei ein "europäischer Staat".
Moldau beantragt EU-Mitgliedschaft
Die Republik Moldau hat offiziell einen Antrag für die Aufnahme in die Europäische Union (EU) eingereicht. Dies teilte die Präsidentschaft in Chisinau am Donnerstag mit. Zuvor hatte bereits Georgien unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine die Aufnahme in die EU beantragt.
IEA legt Zehn-Punkte-Plan für mehr Unabhängigkeit von russischen Gasimporten vor
Der russische Angriff auf die Ukraine hat die europäische Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland offengelegt. Die Internationale Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris legte deshalb am Donnerstag einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit dem die Gasimporte aus Russland innerhalb eines Jahres um ein Drittel reduziert werden sollen. Russland nutze seine Gasressourcen als "wirtschaftliche und politische Waffe", kritisierte IEA-Direktor Fatih Birol anlässlich der Vorstellung des Plans.
DJG/DJN/AFP/apo/err
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March 03, 2022 13:01 ET (18:01 GMT)
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