DJ EZB/Enria: Banken sollten bei Ausschüttungen vorsichtig bleiben
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Chef der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, hat die Banken des Euroraums aufgefordert, angesichts des unsicheren Umfelds vorsichtig bei Ausschüttungen zu sein. Bei einer Veranstaltung in Frankfurt sagte Enria laut veröffentlichtem Redetext, dass die Institute dabei auch die Möglichkeit einer Rezession im Auge behalten müssten.
"Wir fordern die einzelnen Banken auf, ihre Kapitalpläne zu überprüfen, und dabei ausreichend konservative und aktualisierte negative makroökonomische Szenarien einzubeziehen, die insbesondere auch die Annahme einer Rezession in dem von den offiziellen Prognosen gedeckten Ausmaß beinhalten", sagte Enria. Er bezog sich dabei auf das von der EZB im Juni veröffentlichte Negativszenario, das für 2023 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent vorsieht.
"Im Einklang mit unserer üblichen Politik für bankenspezifische Ausschüttungen sollten diese Kapitalprognosen von den Banken bei der Ankündigung von Ausschüttungsplänen nach einem Dialog mit ihren Aufsichtsteams verwendet werden", sagte Enria.
Der EZB-Bankenaufsichtschef warnte die Banken vor einem Szenario, in dem die Zinsen trotz einer Rezession steigen. "Sollten die Zinssätze im allgemeinen Kontext einer wirtschaftlichen Rezession steigen, würde sich die Ertragslage der Banken nicht nur durch eine wesentlich stärkere Verschlechterung der Qualität der Aktiva verschlechtern, sondern auch durch einen Rückgang der Nettozinserträge", sagte er.
Der Druck auf die Finanzierungskosten der Banken würde überwiegen, da die gezielten Kreditgeschäfte und andere außerordentliche geldpolitische Maßnahmen allmählich zurückgenommen würden.
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July 07, 2022 05:10 ET (09:10 GMT)
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