DJ Scholz macht sich für Globalisierung und Handelsabkommen mit USA stark
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich für die Globalisierung und einen neuen Anlauf für ein Handelsabkommen mit den USA stark gemacht. Seine jüngste Reise nach Asien habe ihm erneut deutlich gemacht, dass die Welt sich gerade in einer neuen Phase der Globalisierung befindet. Auch gehe es darum, sich als Land und Wirtschaft stärker zu diversifizieren, damit man nicht noch einmal in eine solch große Abhängigkeit gegenüber ein Land gerate, wie Deutschland es in Bezug auf Gas bei Russland erlebt habe.
"Eine zunehmend multipolare Welt sortiert sich gerade fundamental neu", sagte Scholz beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. "Das Versprechen der Globalisierung war stets, dass sie Wohlstand schafft. Und tatsächlich hat sie Milliarden weltweit aus bitterer Armut geführt."
Bei aller berechtigten Kritik an der Globalisierung dürfe man dies nicht vergessen, denn eine Abkehr von diesem Weg würde auch für ein Exportland wie Deutschland Schaden mit sich bringen.
"Die Deglobalisierung ist ein gefährlicher Holzweg. Nicht nur, weil weite Teile der Welt diesen Weg nicht mitgehen würden. Gerade Deutschland und Europa mit ihrer hochtechnologischen und exportorientierten Wirtschaft sind auf internationale Arbeitsteilung angewiesen", so Scholz.
Er verwies zudem auf jüngste Handelsabkommen, die in Asien geschlossen wurden. Es gelte, Handel mit diesen aufstrebenden Regionen zu führen - und zwar zu fairen Regeln, bei denen Europa die Regeln auch mitgestalte. In Asien gebe es nicht nur das eine große Land China, sondern viele große andere Länder, deren Aufstieg stärker wahrgenommen werden sollte.
Neuer Anlauf mit USA
Scholz signalisierte zudem, dass er einen neuen Anlauf der Europäischen Union für ein Industriezollabkommen mit den USA unterstützen würde.
"Schließlich ist solch ein Abkommen allemal besser als ein Überbietungswettbewerb bei Subventionen und Schutzzöllen, wie ihn manche in Folge des amerikanischen 'Inflation Reduction Act' auf uns zukommen sehen", sagte Scholz. Mit diesem neuen Gesetz will die US-Regierung die amerikanische Industrie massiv subventionieren und gegen ausländische Konkurrenz wie der aus der EU schützen.
Scholz betonte, dass eine einseitige Verzerrung im Wettbewerb verhindert werden müsse. Dazu sei er im Gespräch mit US-Präsident Joe Biden.
In seiner Rede ging Scholz auch auf die Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ein. Durch Russlands Einsatz von Gas als Waffe sei deutlich, dass Diversifizierung ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft sei. Seine Wahrnehmung aus Gesprächen mit der Wirtschaft sei: "Dieser Fehler passiert uns kein zweites Mal", so Scholz.
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November 22, 2022 07:07 ET (12:07 GMT)
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