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IWH sieht keine tiefe Rezession trotz Energiekrise und Zinsanstieg

DJ IWH sieht keine tiefe Rezession trotz Energiekrise und Zinsanstieg

Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert für 2022 eine Zunahme des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,8 Prozent, für 2023 eine Stagnation und für 2024 ein Wachstum von 1,9 Prozent. "Die hohen Energiepreise und die Verschlechterung des Finanzierungsumfelds belasten die deutsche Konjunktur", erklärte das Institut. "Allerdings dürfte die Schwächephase über den Winter moderat ausfallen, auch weil die Energiepreisbremsen die privaten Einkommen stützen." Die Inflation gehe nach 7,8 Prozent im Jahr 2022 auf 6,5 bzw 3,5 Prozent in den Folgejahren zurück.

Zum Jahreswechsel sehe die deutsche Wirtschaft schwierigen Zeiten entgegen: Die Terms of Trade hätten sich deutlich verschlechtert, der Energiepreisanstieg erhöhe die Lebenshaltungskosten, und die Finanzierungsbedingungen hätten sich auch wegen der vorsichtigeren Kreditvergabe durch die Banken verschlechtert.

Energiesubventionierung hilft 

"Die deutsche Konjunktur zeigt sich jedoch bislang recht robust, und die Produktion hat im Zuge der Erholung von der Pandemie bis in den Herbst hinein expandiert", sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Im Winter, wenn der Energiepreisanstieg sein Maximum erreiche, würden die Realeinkommen deutlich sinken, doch die Subventionierung von Energie durch die Gas- und Strompreisbremsen werde den Rückgang von Realeinkommen und privatem Konsum dämpfen.

Ab dem Frühjahr dürfte eine weitere Entspannung der internationalen Lieferketten und eine Belebung der Weltkonjunktur die Konjunktur stützen. Impulse kämen auch vom hohen Modernisierungsdruck auf die deutsche Wirtschaft. Das betreffe etwa die energetische Sanierung als auch eine Anpassung an veränderte Kostenstrukturen. Ein begrenzender Faktor dürften in vielen Fällen die ausgelasteten Kapazitäten sein. Die Zahl der Arbeitslosen liegt nach der Prognose dieses Jahr bei 2,421 Millionen, nächstes bei 2,572 Millionen und übernächstes bei 2,561 Millionen, was einer Quote von 5,3 Prozent, 5,6 Prozent und 5,5 Prozent entspricht.

Pandemie in China Risiko 

"Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft ist von weltwirtschaftlichen Risiken besonders stark betroffen", warnte das IWH aber. Ein solcher Risikofaktor sei der aktuelle Pandemieausbruch in China. Welche Konsequenzen die Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen für die Lieferketten haben werde, hänge wesentlich davon ab, wie das Gesundheitssystem Chinas eine landesweite Ausbreitung der Pandemie bewältigen könne.

Holtemöller verwies aber auch auf ein aus seiner Sicht von der deutschen Politik zu verantwortendes Risiko. "Die Gas- und Strompreisbremse dürfte den Konjunktureinbruch im Winter zwar abfedern, sie erhöht aber auch das Risiko, dass die Inflationsrate von den hohen schuldenfinanzierten staatlichen Transfers weiter angeheizt wird", sagte der Ökonom.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/smh

(END) Dow Jones Newswires

December 20, 2022 07:00 ET (12:00 GMT)

Copyright (c) 2022 Dow Jones & Company, Inc.

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