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DIHK-Umfrage: Deutsche Betriebe passen Lieferketten wegen Krisen an

DJ DIHK-Umfrage: Deutsche Betriebe passen Lieferketten wegen Krisen an

BERLIN (Dow Jones)--Deutsche Unternehmen überprüfen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sowohl ihre Lieferketten als auch ihre internationalen Standorte. Jedes dritte der befragten Unternehmen (35 Prozent) hat einer Umfrage der Auslandskammern der Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge bereits neue oder zusätzliche Lieferanten für benötigte Rohstoffe, Vorprodukte oder Waren gefunden. Weitere 30 Prozent sind noch auf der Suche.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich angesichts der enormen geopolitischen Risiken als erstaunlich anpassungs- und widerstandsfähig. Von Schockstarre der Wirtschaft keine Spur! Mit Hochdruck suchen die Unternehmen neue Lieferanten beziehungsweise versuchen die bestehenden zunehmend zu diversifizieren", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Die geopolitischen Herausforderungen veranlassen laut DIHK einen erheblichen Anteil der Unternehmen zu Standortverlagerungen. Jedes zehnte Unternehmen hat demnach bereits seine Produktion, Teile davon oder ganze Niederlassungen an neue Standorte verlagert, beziehungsweise dort neu aufgebaut. Weitere 16 Prozent befinden sich dazu noch in der Planung.

Zuvor hatte der DIHK in seinem AHK World Business Outlook Herbst 2022 rund 3.100 deutsche Unternehmensstandorte in aller Welt befragt.

Geographische Nähe und Resilienz der Lieferketten wichtig 

Für die Unternehmen spielt bei der Lieferanten-Suche neben der geographischen Nähe auch die Erhöhung der Resilienz in ihren globalen Lieferketten eine zentrale Rolle.

In der Umfrage geben drei von fünf Unternehmen (62 Prozent) an, das Risiko von Ausfällen minimieren zu wollen. Dieser Wert wird laut DIHK nur überboten von dem Wunsch, die Kosten zu optimieren (64 Prozent). Aber auch ein einfacherer Zugang zu Rohstoffen beziehungsweise Vorleistungen (33 Prozent) spielten eine Rolle.

Trotz Verbesserungen seien die Lieferkettenstörungen noch längst nicht überwunden, denn 42 Prozent der Unternehmen geben laut Umfrage Störungen in Lieferketten als das größte Geschäftsrisiko für die kommenden Monate an.

Für die Unternehmen spiele bei der Suche nach neuen oder zusätzlichen Lieferanten daher die geographische Nähe eine herausragende Rolle. "Das Lieferantennetzwerk wird im gleichen Land des Unternehmensstandorts oder innerhalb der Region (Nachbarländer) aufgebaut", so der DIHK.

Mit knapp drei Viertel der Unternehmen (73 Prozent) in Ost- und Südosteuropa (ohne EU) sowie in der Türkei und in Russland suchten dort besonders häufig Unternehmen lokal beziehungsweise in dem Land nach neuen Lieferanten, in dem sie bereits tätig sind. In der Eurozone sei es hingegen nur jedes zweite Unternehmen, das lokal nach neuen Lieferanten sucht. Auch in Greater China suche nur rund jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) lokal, 61 Prozent hingegen in Asien-Pazifik (ohne Greater China).

Nach Einschätzung von Treier bleiben die Unternehmen weiterhin auf ihrem Kurs der Globalisierung, fokussieren sich aber auf eine Diversifizierung. "Neben bewährten, aber zum Teil schwierigen Märkten, bieten andere Länder zunehmend attraktive Konditionen und werden so zu echten Alternativen", so Treier.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/mgo

(END) Dow Jones Newswires

December 21, 2022 06:28 ET (11:28 GMT)

Copyright (c) 2022 Dow Jones & Company, Inc.

© 2022 Dow Jones News
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