DJ ZEW: Krise im Bankensektor hat kurzfristige und moderate Einflüsse
BERLIN (Dow Jones)--Die Auswirkungen der Unruhen im Bankensektor werden nach Einschätzung von Finanzmarktexperten als kurzfristig und moderat eingeschätzt. Die Zentralbanken der USA und der Eurozone könnten aber eine weniger aggressive Geldpolitik einschlagen, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit Verweis auf seinen Finanzmarkttest vom April erklärte. Die Finanzexperte erwarten für die kommenden sechs Monate leicht negative Auswirkungen und auf Sicht von zwei Jahren keine Folgen für Deutschland, den Euroraum und die USA. Die 172 Experten wurden von Forschern des ZEW nach kurz- und langfristigen Auswirkungen der aktuellen Krise im Bankensektor befragt.
"Die jüngsten Spannungen im Bankensystem dürften sowohl bezüglich Intensität als auch Dauer begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen haben. Sie könnten jedoch ausreichen, um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (Fed) in den kommenden Monaten geringfügig weniger aggressiv zu gestalten", sagte ZEW-Expert Thibault Cézanne. "Viele Experten erwarten eine negative Auswirkung auf die Zinssätze, aber keine negative Auswirkung auf die Inflation. Dies bedeutet möglicherweise, dass die Zentralbanken nach den Ereignissen kurzfristig mehr Gewicht auf die Finanzstabilität als auf die Inflationsbekämpfung legen könnten."
Eine Mehrheit der Befragten (rund 54 Prozent) geht demnach davon aus, dass sich in den nächsten sechs Monaten keine Änderungen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ergeben werden. 43 Prozent erwarten hingegen leicht negative Auswirkungen. Auch die Inflation dürfte auf Sicht von sechs Monaten von den Ereignissen im Bankensektor nahezu unberührt bleiben. Das Bild für die Eurozone sei ähnlich.
Die Auswirkungen der Spannungen auf die US-Wirtschaft dürften am stärksten sein, so das ZEW. Nach Ansicht der Finanzmarktexperten sollten die Auswirkungen aber moderat ausfallen. Rund 46 bzw. 45 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Einfluss auf das US-BIP in sechs Monaten gleich null oder leicht negativ sein wird. Ebenso erwartet eine Mehrheit der Befragten von rund 54 Prozent kurzfristig keine nennenswerten Auswirkungen auf die US-Inflation.
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April 28, 2023 04:59 ET (08:59 GMT)
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