DJ BDI warnt wegen hoher Energiepreise vor Abwanderung der Produktion
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Bundesregierung angesichts der hohen Energiepreise vor einer Abwanderung der Produktion ins Ausland gewarnt. Notwendig sei mehr Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien, wie BDI-Präsident Siegfried Russwurm im ARD-Morgenmagazin sagte. Die Wirtschaft stehe hinter der Transformation, aber sie brauche grüne Energie 24 Stunden am Tag zu wettbewerbsfähigen Preisen. Aktuell sei Deutschland "nicht wettbewerbsfähig" mit seinen Energiepreisen.
"Es braucht jetzt akut Entlastung, weil viele Unternehmen jetzt vor der Frage stehen, ob sie überhaupt noch in Deutschland weiter produzieren können, weil sie im globalen Wettbewerb mit katastrophalen Preisen konfrontiert sind", sagte er vor Beginn des Tags der Industrie in Berlin. Dort werden als Redner unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet.
Viele Unternehmen ginge es tatsächlich gut, räumte er ein. "Aber es geht ihnen nicht gut am Standort Deutschland. Und das macht uns für das Industrieland Deutschland hochgradig besorgt", sagte er. Man müsse darüber reden, was man jetzt schnell tun könne, damit Deutschland eine gute Zukunft habe. Russwurm hatte bereits der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, dass der BDI seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,0 Prozent gesenkt habe. Die Weltwirtschaft wachse hingegen voraussichtlich um 2,7 Prozent. "Das zeigt schon, dass wir hinterherhinken", so Russwurm im Interview mit der Zeitung.
Auf die Frage nach dem von Habeck vorgeschlagenen Industriestrompreis, der energieintensiven Unternehmen im globalen Wettbewerb für einen begrenzten Zeitraum einen subventionierten Strompreis zur Verfügung stellen würde, um so eine Brücke hin zu einer Zeit zu bauen, in der Deutschland seine Energie überwiegend aus erneuerbaren Energien bezieht, reagierte Russwurm im Morgenmagazin zurückhaltend. Bei diesem von Habeck vorgeschlagenen Brückenstrompreis sei seine Sorge, dass die Wirtschaft das andere Ende der Brücke nicht kenne. "Also welchen Strompreis, welche Energiepreise werden wir denn erreichen nach der Transformation?", sagte Russwurm. "Nur dann mache eine Brücke ja Sinn, sie muss ja das andere Ufer treffen."
In vielen Unternehmen passiere die Transformation bereits. Aber man handle mit Zitronen, wenn die Wirtschaft die Prozesse elektrifiziere, aber der Strom dann Kohlestrom sei, weil Deutschland nicht genügend Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung stünde.
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June 19, 2023 02:55 ET (06:55 GMT)
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